Fußball

Liverpools Trauma gegen Real Für Klopp geht schief, was schief gehen kann

4a20a5596755d0db975800c913a64de5.jpg

Im Nachgang nicht zu Gratulationen aufgelegt: Jürgen Klopp.

(Foto: AP)

Schlimmer hätte die Nacht nicht laufen können: Der FC Liverpool verliert im Champions-League-Finale gegen Real Madrid erst seinen Torjäger - und dann durch zwei irrwitzige Fehler seines Torhüters Loris Karius das Spiel.

Der Mann von der Uefa wollte nur freundlich sein, ganz am Ende dieser Champions-League-Saison, aber Jürgen Klopp hatte kein Interesse an Freundlichkeiten. Der deutsche Trainer des FC Liverpool hatte schon allerhand Komplimente bekommen bei der Pressekonferenz nach der 1:3-Niederlage im Finale in Kiew gegen Real Madrid. Ein Journalist bedankte sich für die außergewöhnliche Spielzeit und nannte Klopp einen echten Rock'n' Roller. Eine Journalistin sprach davon, dass er den Fußball besser mache. Zum Abschluss wollte ihm auch der Verbandsmitarbeiter gratulieren, der die Nachbesprechung des Endspiels moderiert hatte.

Doch er kam damit nicht weit. "Ich brauche keine weiteren Gratulationen", sagte Klopp, stand auf und ging. Dieser Abmarsch war nachvollziehbar, denn für Liverpool war schief gegangen, was schief gehen konnte. Klopps Mannschaft begann gut, sie war sogar besser als Real. Eine halbe Stunde war zu sehen, wie das Finale zwischen dem Sieger der beiden Vorjahre und Klopps Offensiv-Feuerwerkern hätte aussehen können. Doch dann musste Liverpools Torjäger Mohamed Salah mit einer Schulterverletzung ausgewechselt werden, nach einem Zweikampf mit Real-Kapitän Sergio Ramos, der aus Klopps Sicht nicht ganz sauber geführt worden war. Dem Angreifer aus Ägypten, der sich in dieser Saison in den Kreis der besten Fußballer des Planeten gespielt hat, droht sogar das WM-Aus. Unter Tränen verließ Salah den Rasen von Kiew. Sein Verlust so früh im Spiel warf Liverpool aus der Bahn. Aber er war nicht entscheidend für die Niederlage. Entscheidend waren die Patzer des deutschen Torhüters Loris Karius.

"Die Fehler waren offensichtlich"

Wenn ein Torwart einen Fehler macht, gibt es verschiedene Abstufungen. Es gibt Fehler, bei denen er nicht ganz glücklich aussieht. Es gibt Fehler, bei denen es hinterher heißt: An guten Tagen hält er den Ball. Und es gibt Fehler, denen eine derartige Komik innewohnt, dass sie irgendwie in Zusammenschnitten bei YouTube landen. Die beiden Fehler von Karius gehören in die letzte Kategorie. Vor dem 0:1 in der 51. Minute wollte er das Spiel per Abwurf schnell machen und traf Karim Benzema. Von dessen Fuß sprang der Ball ins Tor.

Beim 1:3 rutschte ihm in der 83. Minute ein Fernschuss von Gareth Bale durch die Handschuhe. Beide Missgeschicke waren so eindeutig, dass Trainer Klopp hinterher gar nicht groß darauf eingehen wollte. "Die Fehler waren offensichtlich. Er weiß es, ich weiß es, ihr wisst es", sagte er. Karius gab nach Schlusspfiff ein Bild der Trauer ab. Er schleppte sich in die Kurve der Liverpool-Fans und machte entschuldigende Gesten. Dabei weinte er. Der Abend, der zum größten seiner Karriere werden sollte, wurde zum schlimmsten. "Ich habe für uns das Spiel verloren. Es tut mir leid für die Mannschaft. Ich habe sie hängen lassen", sagte er auf seinem Weg zum Mannschaftsbus.

Patzer entfachen Torwart-Debatte erneut

Niemand hat Karius Vorwürfe gemacht. Selbst der Gegner zeigte sich solidarisch. "Mitleid wird er nicht wollen. Ich gehe davon aus, dass er auch aus so einer Situation gut hervorgeht", sagte Real Madrids deutscher Nationalspieler Toni Kroos. Doch die Debatten um Karius werden jetzt wieder von vorne losgehen. Es wird jetzt wieder gefragt werden, ob er wirklich der richtige Torwart für einen Weltverein wie Liverpool ist. Es wird wieder gefragt werden, ob es nicht doch besser wäre, wenn der Klub Alisson vom AS Rom oder Jan Oblak von Atlético Madrid holen würde. Die Torwartposition ist eine Dauerbaustelle bei Liverpool. Und als es gerade so aussah, als wäre sie geschlossen worden, patzte Karius doppelt. Es wird interessant sein zu sehen, wie Klopp das Torwart-Thema zur neuen Saison moderiert.

Für den Trainer setzte sich mit der Niederlage eine unheilvolle Endspiel-Serie fort. Von seinen sieben Finals mit Borussia Dortmund und Liverpool hat er die jüngsten sechs verloren. Eigene Fehler sieht er aber nicht. "Wir haben alles versucht. Ich habe gemacht, was ich konnte. Es war nicht genug", sagte er. Wenn der Frust über den Abend von Kiew verflogen ist, dürfte sich beim FC Liverpool Stolz einstellen über den ebenso überraschenden wie verdienten Einzug ins Finale. Die Mannschaft befindet sich noch im Aufbau und hat mit dem furiosen Marsch ins Endspiel angedeutet, wozu sie künftig im Stande sein könnte.

Erstmal bleibt aber alles beim Alten. Real gewinnt zum dritten Mal nacheinander die Champions League. Das ist seit dem FC Bayern zwischen 1974 und 1976 keinem Klub gelungen. Damals hieß der Wettbewerb noch Europapokal der Landesmeister. Reals Feierlichkeiten wurden allerdings empfindlich gestört durch nebulöse Andeutungen von Cristiano Ronaldo. Er hatte kein Tor geschossen, trotzdem gehörte ihm nach dem Spiel die Aufmerksamkeit, weil seine Worte nach Abschied klangen. "Es war sehr schön, bei Real zu sein. In den nächsten Tagen werde ich den Fans eine Antwort geben", sagte er bei "beIN Sports". Auf solche Störgeräusche hätte Trainer Zinedine Zidane sicher gerne verzichtet.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema