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Kaum zu trösten: Loris Karius in Kiew.
Kaum zu trösten: Loris Karius in Kiew.(Foto: imago/Sportimage)
Sonntag, 27. Mai 2018

Zwei Aussetzer im Finale: Nun lasst doch Loris Karius!

Ein Kommentar von Stefan Giannakoulis

Ja, Liverpools Torwart Loris Karius schenkt mit zwei Fehlern den Abonnementsiegern von Real Madrid den Triumph in der Champions League. Ja, das ist nicht gut. Aber eine Tragödie ist es nicht. Sondern nur Sport. So ein Glück.

Es wird Loris Karius kaum trösten, nicht so kurz nach dem Endspiel. Aber auch, wenn nun viele von einem Drama sprechen - zum Glück ist es nur Sport. Und eine Tragödie im richtigen Leben ist etwas ganz anderes, als einen Fußball nicht zu fangen. Ansonsten ist es so, wie sein Trainer Jürgen Klopp es gesagt hat: "Ich fühle mit ihm, die Fehler waren offensichtlich. Ich weiß es, er weiß es. Er muss damit umgehen und wir müssen damit umgehen."

Loris Karius ist 24 Jahre alt und von Beruf Torwart. Viele sagen, dass er seine Sache sehr gut macht. Und so hat er es von der Sportgemeinschaft Mettenberg, wo er als Siebenjähriger mit dem Fußballspielen anfing, erst zum FSV Mainz in die Bundesliga und dann bis zum FC Liverpool in die englische Premier League geschafft; von Biberach an der Riß bis an den River Mersey, von Baden-Württemberg bis ins Endspiel der Champions League nach Kiew.

Das lief dann nicht so gut. Er hat an diesem Samstagabend das Finale gegen Real nicht allein mit 1:3 verloren. Dass Madrids Kapitän Sergio Ramos nach einer knappen halben Stunde Mohamed Salah ausknockte, den wichtigsten Spieler und besten Torjäger der Liverpooler, hat eine Rolle gespielt. Und dass eben jener Ramos in nicht allzu fairer Manier vier Minuten nach der Pause Karius seinen rechten Ellenbogen an die Schläfe rammte, mag ebenfalls seinen Teil dazu beigetragen haben, dass dem deutschen Torhüter zwei katastrophale Fehler unterliefen.

Ja, es war ein kapitaler Aussetzer

In der 51. Minute wollte Karius den Ball zu einem Kollegen werfen. Er tat das allerdings so unbeholfen und gedankenlos, dass Reals Angreifer Karim Benzema nur den Fuß hinhalten musste, um das erste Tor für Madrid zu erzielen. Es war, wir erwähnen es ein letztes Mal, ein kapitaler Aussetzer. Beim famosen ersten Fallrückziehertor des großartigen Gareth Bale zum 2:1 war Karius machtlos. Bales flatternden Distanzschuss zum 3:1 in der 83. Minute ließ er aber durch die Finger flutschen. Eines Tormanns im Finale der Königsklasse war auch das nicht würdig - auch wenn er zwischendurch mit Paraden glänzte.

Keiner wusste das besser als Loris Karius. Und er zeigte menschliche Größe. Er rannte nicht flugs in die Kabine, er ging zu den Fans in die Kurve. Er hob die Arme, er weinte. Er bat sie um Entschuldigung. Und anders als die ekelhaften Anhänger der Reds, die Karius und seiner Familie bei Twitter den Tod wünschten, applaudierten die Menschen im Stadion so freundlich, wie sie es nach dieser Enttäuschung vermochten. Karius sagte hinterher: "Es tut mir leid für jeden, im Team, im Klub, dass diese Fehler uns so teuer zu stehen kamen. Ich habe heute mein Spiel verloren, ich fühle nichts im Augenblick."

Er wünsche sich, er könnte die Zeit zurückdrehen. "Ich weiß, ich habe meine Mannschaft im Stich gelassen. Es ist sehr hart, aber so ist das Leben eines Torwarts. Du musst den Kopf wieder hochnehmen." Es ist ihm zu wünschen, dass ihm das gelingt. Oliver Kahn, einst selbst ein sehr guter Torwart und nun kommentierender Experte in Diensten des ZDF, konstatierte: "So ein Abend kann eine Karriere zerstören." Das kann sein. Zumindest wird Loris Karius fürs erste der Mann sein und bleiben, der es in Kiew im Finale gegen Real Madrid grandios verbockt hat. Und wahrscheinlich liegt sein Trainer Jürgen Klopp richtig, wenn er sagt: "Manche Leute sind doof genug, ihm das dann immer wieder aufs Brot zu schmieren." Aber auch sie sollten wissen: Auch Leistungssport ist nur Sport.

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Quelle: n-tv.de