Fußball-WM 2018

Spanien kann doch noch gewinnen Niederlande sichern den Gruppensieg

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Arjen Robben und sein Team qualifizierten sich als Gruppenerste.

(Foto: REUTERS)

Das erste Gruppenfinale ist gespielt: In der Gruppe B behalten die Niederländer nach einem Sieg gegen Chile die Oberhand. Dennoch ist es möglich, dass Oranje nun in der K.o.-Runde gegen Brasilien auflaufen muss. Derweil verabschiedet sich Spanien mit Würde.

Arjen Robben und die Niederlande haben Chiles "Quälgeister" in Schach gehalten und gehen als Gruppensieger ins Achtelfinale. Nach dem 2:0 (0:0)-Sieg gegen die ebenfalls schon zuvor qualifizierten Chilenen im letzten Gruppenspiel kann Oranje aber weiterhin nur hoffen, dass der Gegner in der ersten K.o.-Runde nicht Brasilien heißen wird.

Joker Leroy Fer sorgte nur 91 Sekunden nach seiner Einwechslung für die Oranje-Führung (77.) und das bislang schnellste Jokertor bei dieser Endrunde. In der Nachspielzeit (90.+2) erzielte Memphis Depay, ebenfalls ein Einwechselspieler, für das 2:0 und machte den dritten Oranje-Sieg im dritten Spiel perfekt. Mit Anstand, aber ohne Glanz hat sich derweil Spanien von der WM in Brasilien verabschiedet.

Dem bereits enttrohnten Weltmeister von 2010 gelang in seinem letzten Gruppenspiel ein 3:0 (1:0) gegen die ebenfalls vorzeitig ausgeschiedenen Australier. Im sportlich unbedeutenden Duell der Gescheiterten erzielten der künftige USA-Legionär David Villa (36.), Fernando Torres (69.) und der für Villa eingewechselte Juan Mata (82.) die Treffer zum einzigen Sieg der Spanier bei dieser Endrunde.

Van Gaal beschwert sich über Fifa

Die Tatsache, dass die letzten Spiele der Brasilien-Gruppe A erst nach denen der Holland-Gruppe B angesetzt waren, hatte Bondscoach Louis van Gaal auf die Palme gebracht. In der Partie gegen die erneut extrem giftige und widerborstige Roja ging er auch sicherheitshalber keine großen taktischen Experimente ein.

Dennoch behielt erst Chile vor 62.996 Zuschauern die Oberhand. Bereit, sich in jeden Zweikampf zu werfen und zu laufen bis zum Umfallen, attackierten die Südamerikaner munter drauf los, sie fanden aber zunächst die Lücke in der Oranje-Abwehr nicht. Bei Standards waren sie aber gefährlich: Felipe Gutierrez (22.) nach einer Ecke und Marcelo Diaz (44.) nach einer Freistoßflanke verfehlten die Führung nur knapp.

Die Elftal benötigte vor der Pause Arjen Robben, um gefährlich zu werden. In der 35. Minute zirkelte der Star von Bayern München einen Freistoß auf Stefan de Vrij, dessen Kopfball aber knapp das Tor verfehlte. Fünf Minuten später nahm Robben die Sache selbst in die Hand, sprintete über den halben Platz, schüttelte alle garstigen Chilenen ab, zielte dann aber von halblinks um Zentimeter am rechten Pfosten vorbei.

Niederlande ohne "van"

Trotz der Gelbsperre von Kapitän und Torjäger Robin van Persie hatte der Schalker Mittelstürmer Klaas-Jan Huntelaar zunächst wieder nur auf der Bank gesessen. Bondscoach Louis van Gaal zog dem früheren Bundesliga-Torschützenkönig Jeremain Lens vor. Robben übernahm van Persies Kapitänsbinde.

Durch dessen Ausfall lief die Niederlande erstmals seit 1996 und insgesamt 221 Länderspielen ohne einen Spieler mit dem Namensteil "van" auf. Den von einer Gelbsperre für das Achtelfinale bedrohten Abwehrspieler Stefan de Vrij bot der frühere Bayern-Trainer van Gaal in der Startelf auf, den ebenfalls gefährdeten Jonathan de Guzmán im Mittelfeld dagegen nicht. Van Gaal ließ erneut in 5-3-2-Formation spielen, obwohl beim mühsamen 3:2 gegen Australien erst die Umstellung auf 4-3-3 den gewünschten Erfolg gebracht hatte. Und van Gaal hatte mal wieder eine Überraschung auf Lager: Den gelernten Angreifer Dirk Kuyt bot er als linker Verteidiger auf.

Bei Chile stand der von Knieproblemen geplagte und ebenfalls mit einer Gelben Karte vorbelastete Ex-Leverkusener Arturo Vidal nicht bei Anpfiff auf dem Platz - was sich insofern bemerkbar machte, als dass dem Team spürbar ein paar Prozentpunkte an Power fehlten. Die weiteren von einer Sperre bedrohten Spieler, Charles Aránguiz und Eugenio Mena, bot Trainer Jorge Sampaoli jedoch von Beginn an auf. Nach der Pause agierte das Van-Gaal-Team minimal aktiver, sonderlich viel Initiative zeigte es aber nicht. Die Sicherung der Defensive hatte Vorrang, eher hoffte Oranje auf Robben und einen schnellen Konter.

Der kam aber zunächst nicht, weil auch Chile seine Abwehr nicht entblößte und auf den entscheidenden Lucky Punch wartete. Memphis Depay kam in der 69. Minute für den schwachen Lens ins Spiel, Huntelaar saß weiter missmutig auf der Bank. Keine zwei Minuten danach sorgte zunächst Depay mit einem Distanzschuss für frischen Wind, dann kam Fer und machte es noch besser.

Quelle: ntv.de, Holger Schmidt und Christoph Leuchtenberg, sid