Fußball-WM 2018

Der unsichtbare Zauberer von Öz Schluss mit Özils Gemurkse

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Lichtjahre von seiner Bestform entfernt: Mesut Özil.

(Foto: picture alliance / dpa)

Joachim Löw klammert sich bei dieser WM nicht mehr stur an seine Pläne - und so spielt Philipp Lahm wieder hinten rechts. Doch eine Änderung muss sich der Bundestrainer noch abringen: Mesut Özil gehört gegen Brasilien auf die Bank.

An Mesut Özil ist in diesen Tagen kein Vorbeikommen. Der Sponsor des deutschen Nationalspielers plakatiert die deutschen Städte mit seinem Gesicht - am Berliner Alexanderplatz etwa verhängt ein Banner mit Özils Bild ein halbes Hochhaus. Der Twitter-Account @MesutOzil1088 spuckt regelmäßig tolle Bilder aus. Özil in martialischer Siegerpose, Özil in eine deutsche Fahne gehüllt, Özil beim Torjubel. Die Inszenierung des "Zauberers von Öz" stimmt. Aber wenn der Anpfiff kommt, führt der 25-jährige Superstar nur noch einen einzigen Trick auf: Er macht sich unsichtbar. Fünfmal hat sich Joachim Löw das nun schon mitangesehen, jetzt muss er handeln - und Özil aus der Startelf streichen.

Ein Treffer steht für ihn zu Buche bei diesem Turnier, das zwischenzeitliche 2:0 gegen Algerien. Keine einzige Torvorlage hat er gegeben. Das ist mehr als mau für einen, der vor der Saison für 45 Millionen Euro von Real Madrid zu Arsenal London gewechselt ist. Und der nach dem schwachen Start in die WM sagte: "Ich darf mich nicht mehr so lange ärgern, wenn ich mal einen Ball verliere. Ich muss sofort nachsetzen und zeigen: Ich bin da." Er hatte die Chance, sich zu beweisen. Er hat sie mit einem schlechten Spiel gegen Frankreich wieder einmal vertan.

"Er war 2010 und 2012 überragend"

Zugegeben, der Bundestrainer hat seinen Anteil am Formtief des Gunners. Er lässt ihn auf der rechten Seite spielen, statt im Zentrum. Özil macht keinen Hehl daraus, dass ihm das nicht gefällt: "Die Spielmacherposition ist meine Lieblingsposition", sagte er nach der Partie gegen Ghana. Nun würde Benedikt Höwedes sicherlich auch lieber in der Innenverteidigung spielen, aber der Schalker erledigt einfach ohne Wehklagen seinen Job. Während Özil darüber mosert, dass er sich "die Bälle holen muss". Und sich sehr selten dazu herablässt, das auch zu tun.

Trotzdem hält Löw an seinem Edeltechniker fest: "Diese Art der öffentlichen Kritik ist für mich unverständlich", sagt er, und verweist auf Özils Meriten: "Er war 2010 und 2012 der überragende Spieler des Turniers. Das kann ich doch nicht einfach vergessen."

Abgesehen davon, dass diese Aussage für 2012 nicht zutrifft: Der Bundestrainer muss das jetzt vergessen.

Schürrle und Podolski stehen bereit

Mit Gastgeber Brasilien wartet eine zu allem entschlossene Mannschaft im Halbfinale. Mit Kanten wie David Luiz, der vor dem Anpfiff die Hymne brüllen wird, als wäre er einer der todesverachtenden schottischen Krieger aus "Braveheart". Und die erstbeste Möglichkeit nutzen wird, um die deutschen Schienbeinschoner auf ihre Widerstandsfähigkeit zu testen.

Schwer vorstellbar, dass Özil in seiner momentanen Verfassung in so einer Schlacht bestehen kann. Geschweige denn, dass er sich ihr überhaupt stellt. "Er kommt nicht zurecht mit diesen körperlichen Angriffen auf ihn", bemerkte auch ARD-Experte Mehmet Scholl. Eine Schande ist das übrigens nicht; eher der Fakt, dass in diesem Turnier alles unterhalb einer vorsätzlichen Körperverletzung straffrei zu bleiben scheint.

Aber Özils fehlende Robustheit ist ein Fakt, den Löw nicht ignorieren kann, wenn er seinen Matchplan für das Halbfinale entwirft. Er muss auch bedenken, dass er den sensiblen Özil mit einer Versetzung auf die Bank wahrscheinlich komplett aus dem Turnier nimmt - denn einer, der von der Bank Schwung bringt, ist der Londoner nicht. Auch keiner, der im nächsten Spiel mit einer Gala-Vorstellung antwortet. Aber das muss Löw in Kauf nehmen. Er hat André Schürrle. Er hat Lukas Podolski. Sie verdienen ihre Chance. Özil hatte seine. Mehrfach.

Quelle: ntv.de

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