Fußball-WM 2018

WM-Experte Christian Ziege "Wie kommt er darauf, jemanden zu beißen?"

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(Foto: REUTERS)

Die Vorrunde der Fußball-Weltmeisterschaft neigt sich dem Ende zu. Christian Ziege, Europameister von 1996 und WM-Experte bei n-tv, zieht Bilanz - über die starken Teams aus Süd- und Mittelamerika, die deutsche Startelf und bissige Torjäger.

n-tv.de: Mit Italien ist wieder ein Topfavorit ausgeschieden. Was ist da los?

Christian Ziege: Die Italiener wurden durch die Rote Karte, die sicherlich keine war, benachteiligt. Nichtsdestotrotz hatten sie es selbst in der Hand. Sie sind große Meister in der Verteidigung, aber sie haben insgesamt im Turnierverlauf zu wenig in der Offensive gemacht. Und wenn man im entscheidenden Spiel in Rückstand gerät, ist es nun mal sehr schwierig, das nochmal zu drehen.

Was sagen Sie zur Beißattacke von Uruguays Luis Suárez? Wie kommt es dazu - es war ja nicht das erste Mal?

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Bayern München, AC Mailand, Middlesbrough, Liverpool, Tottenham Hotspur und Borussia Mönchengladbach: Christian Ziege war zwischen 1990 und 2005 aktiver Fußball-Profi.

(Foto: imago/VIADATA)

Das ist nicht zu entschuldigen. Wie kommt man auf die Idee, jemanden im Spiel zu beißen? Ich glaube, für die Schiedsrichter war die Situation schwierig zu sehen. Selbst im Fernsehen war es nur in verschiedenen Zeitlupen zu erkennen. Wir haben in Deutschland ja auch schon den ein oder anderen gehabt, der versucht hat, einen anderen Spieler zu beißen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man auf dem Platz nicht immer Herr der Dinge ist. Da lastet viel Druck auf den Spielern, es steht einfach auch sehr viel auf dem Spiel und da sind viele Emotionen dabei, viele Fouls und Nicklichkeiten. Da passieren Dinge, die man sich selbst im Nachhinein gar nicht mehr erklären kann.

Die süd- und mittelamerikanischen Teams sind bisher alle weiter. Sie haben das vorhergesagt. Liegt es denn nur am Klima?

Ich freue mich, dass ich mit meiner Aussage richtig lag. Ich glaube, das Klima ist ganz entscheidend. Spieler aus anderen Ländern müssen über einen langen Zeitraum mit fremden Bedingungen umgehen. Diese Umstellung ist für europäische Mannschaften offensichtlich schwieriger als gedacht. Jeder Südamerikaner will nun diese Möglichkeit nutzen, um der ganzen Welt zu zeigen, was in ihm steckt.

Wäre es für Löw jetzt eine Überlegung wert, frische Kräfte zu bringen, allein um Klinsmann zu überraschen? Oder setzt man besser auf die Anfangsstartelf?

Ich bin ein Freund davon, eine funktionierende Mannschaft nicht zu stark zu verändern. Allein durch die klimatischen Bedingungen muss man zwar auf frische Spieler im Kader achten. Aber diese Möglichkeit ist ja durch Auswechselungen vorhanden. Da unsere Nationalmannschaft die ersten beiden Spiele gut zusammengespielt hat, sehe ich jetzt keinen Grund für eine komplette Umstellung.

Heute Abend wird es spannend in der Gruppe E. Honduras spielt gegen die Schweiz und Ecuador gegen Frankreich. Wen sehen Sie im Achtelfinale?

Die Franzosen werden sich wohl gegen Ecuador durchsetzen, so dass die Schweizer sich mit einem Unentschieden gegen Honduras für das Achtelfinale qualifizieren. Ich hoffe, dass die Schweizer diese Chance nutzen und nicht als nächstes europäisches Team die Heimreise antreten müssen.

Quelle: n-tv.de

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