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Götze! Und Lewandowski? Vielleicht Draxler? Bigotte Bayern kriegen, wen sie wollen

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Verschworene Gemeinschaft? Dortmunds Nuri Sahin, links, war schon weg. Mario Götze geht zum FC Bayern. Und was ist mit Robert Lewandowski, rechts?

(Foto: dpa)

Es klingt schon seltsam, wenn sich Uli Hoeneß um die Wettbewerbsfähigkeit der Fußball-Bundesliga sorgt. Und gleichzeitig der FC Bayern dem Konkurrenten aus Dortmund den besten Spieler wegkauft.

Was ist das nun? Logisch? Clever? Oder doch scheinheilig? Deutschlands größtes Fußballtalent wechselt von Borussia Dortmund zum Branchenprimus nach München. Heribert Bruchhagen, Vorstandsvorsitzender des Bundesligisten Eintracht Frankfurt, hat es ganz gut auf den Punkt gebracht. "Aus Sicht des FC Bayern halte ich das für eine geniale Idee, weil Mario Götze das größte deutsche Fußballtalent ist. Wenn ich Verantwortlicher bei Bayern wäre, hätte ich das auch gemacht." Und jetzt kommt das große ABER. "Aus Sicht der Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga geht der Transfer aber nicht ganz konform mit den zuletzt geäußerten Gedanken von Uli Hoeneß."

Der zurzeit mit Steuerdingen beschäftigte Präsident des FC Bayern hatte sich öffentlich Sorgen gemacht, in der Bundesliga könnten dauerhaft spanische Verhältnisse herrschen. Will meinen: Seine Münchner und der BVB, beide Halbfinalisten in der Champions League, könnten national ähnlich dominieren wie der FC Barcelona und Real Madrid die Primera Division. Dass Hoeneß den anderen deutschen Vereinen Hilfe anbot, während er hinter den Kulissen am Bundesliga-Rekordtransfer und der weiteren Schwächung des einzigen Konkurrenten arbeitete, erscheint nun durchaus bigott. Und erklärt auch, warum Dortmunds Trainer Jürgen Klopp als Replik vielmehr schottische Verhältnisse prophezeite. Dort herrscht nach dem Zwangsabstieg des Stadtrivalen Rangers einzig und allein Celtic Glasgow. So wie in Zukunft der FC Bayern hierzulande?

Der Gedanke liegt nahe, wenn der mit 20 Punkten Vorsprung über allen thronende deutsche Meister sich nicht nur weiter verstärkt, sondern auch noch den einzigen ernsthaften Konkurrenten erheblich schwächt. Und sich ohne Frage sportlich sinnvoll verstärkt. Mario Götze, 20 Jahre alt, könnte unter dem neuen Trainer Josep Guardiola das machen, was er zuletzt auch in der deutschen Nationalmannschaft nach dem Vorbild der spanischen getan hat - nämlich als spielender Mittelstürmer auflaufen, als sogenannte "falsche Neun". Das ist, nur am Rande, noch eine schlechte Nachricht für Angreifer Mario Gomez, dessen Zukunft in München nun ungewisser denn je sein dürfte.

Also eher Schottland als Spanien

Nun ist das Fußballgeschäft viel zu schnelllebig, als dass so eine Vormachtstellung mit einem Transfer zementiert werden könnte. Ein wenig Hoffnung, dass die Übermacht des FC Bayern nicht für die Ewigkeit gilt, besteht also. Aber der Weg zeigt eindeutig in diese Richtung. Also eher nach Schottland als nach Spanien. Zumal Götzes Weggang den BVB empfindlich trifft. Der Nimbus der verschworenen Gemeinschaft junger Spieler, die nicht nur viel Geld verdienen, sondern sich auch wohlfühlen und Spaß haben, ist spätestens jetzt zerstört.

Letztlich bekommen die Bayern jeden Spieler, den sie haben wollen. Nur bei Marco Reus hat das im vergangenen Jahr nicht geklappt, ausnahmsweise, wie wir jetzt wissen. Aber vielleicht ja in diesem Sommer beim Dortmunder Robert Lewandowski, mit 23 Saisontreffern erfolgreichster und auch wohl bester Angreifer der Liga. Und was ist eigentlich mit Julian Draxler, Schalkes Jung-Nationalspieler?

Ganz abgesehen davon, dass die Bayern offenbar gerade hartnäckiger denn je ihre gar nicht so neue Wir-kaufen-der-Konkurrenz-die-Talente-weg-Strategie verfolgen, ist der Zeitpunkt, an dem der Wechsel Mario Götzes bekannt wurde, eine handfeste Provokation. Was die Dortmunder vor ihrem Champions-League-Spiel gegen Real Madrid am Mittwoch auch durchaus so aufgefasst haben. Und dementsprechend verstört reagierten. Von maßloser Enttäuschung war die Rede. Und davon, dass sich kein Offizieller des FC Bayern bei ihnen gemeldet hat. Unterm Strich aber ist dieser durchaus als Coup zu bezeichnende Transfer ein wenig von allem: Logisch. Clever. Und ja: auch scheinheilig.

Quelle: n-tv.de

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