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Fehlt nur noch der Friedensnobelpreis DFB streichelt Blatters Seele

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Ehre, wem DFB-Ehre gebührt: Der Deutsche Fußball-Bund hat da nicht so strenge Maßstäbe.

(Foto: dpa)

Der Fußball-Weltverband schlägt sich mit korrupten Funktionären herum, dummerweise nimmt diesmal auch die Öffentlichkeit Anteil daran. Da tut ein wenig Liebe und Aufmunterung aus der Fußball-Familie, etwa in Form der DFB-Ehrenmitgliedschaft für Fifa-Boss Blatter, richtig gut.

Mit Applaus wurde Joseph Blatter in der Essener Philharmonie von den 260 Delegierten des DFB-Bundestags gefeiert, als er vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zum Ehrenmitglied gekürt wurde. Direkt demütig wirkte er dabei zeitweise, nicht nur, als er sich mit vor der Brust gefalteten Händen bescheiden lächelnd verbeugte.

Von DFB-Boss Theo Zwanziger war der Ehrengast aus der Schweiz als jemand gelobt worden, "der den Fußball nicht als wertlosen Wettbewerb sieht", was eindeutig nicht zweideutig gemeint war. Vom Ehrengast zum Ehrenmitglied wurde Blatter dann für seine Verdienste um den deutschen Fußball ernannt, wobei auf eine Einspielung des Phantomtors zu Bloemfontein verzichtet wurde.

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Ausgezeichnet: Fifa-Präsident Joseph Blatter.

(Foto: dapd)

Neu sind Preisverleihungen dem Fifa-Chef keineswegs, Blatter hat darin viel Routine. Sein Trophäenschrank ist so reich gefüllt wie die Fifa-Kasse nach einer Weltmeisterschaft, oder, kleiner Scherz, die Taschen von Fifa-Exekutivmitgliedern nach einer WM-Vergabe. Wie auch immer: Ein Plätzchen für die DFB-Devotionalien wird sich trotzdem noch finden lassen. Schließlich fehlt auch noch die ultimative Lobhudelei in Blatters Vitrine, der von ihm selbst alljährlich heiß herbeigesehnte Friedensnobelpreis.

In Essen bewies Blatter dem Nobel-Komitee mit perfekter Choreographie noch einmal, was für ein ausgezeichneter Auszuzeichnender er wäre: Als ihm DFB-Chef Theo Zwanziger die obligatorische Ehrennadel samt Urkunde überreichte, strahlte Blatter in Glückspose. Später beglückte er die Fotografen mit nach oben gerecktem Daumen, in Siegerpose. Als die Delegierten ihm Beifall spendeten, winkte er mit beiden Armen zurück, ganz Triumphator. Als der Beifall ausklang, antwortete Blatter mit einer Verbeugung, in doppelter Dankespose. Er war schließlich nicht nur gekommen, um sich feiern zu lassen. Er machte in Essen auch Kurzurlaub von der tristen Wirklichkeit.

"Nicht nur bekannt, sondern beliebt"

"Ich habe heute das Gefühl, dass ich in Deutschland nicht nur bekannt, sondern beliebt bin. Das tut mir gut. Das tut mir besonders heute gut", schmeichelte jener Blatter dem Publikum, der bis Sonntag noch das Gefühl gehabt haben wollte, einem rechtschaffenden Fifa-Exekutivkomitee vorzustehen. Seit Sonntag sei er nun aber "zu Tode betrübt", weil das tatsächliche Geschäftsgebaren hochrangiger Fifa-Funktionäre bekannt geworden war. Blatter wusste das natürlich blumiger zu formulieren. Konkreter eingehen mochte er dann aber doch nicht auf den Korruptionsskandal um die WM-Bewerbungen 2018 und 2022. Er wurde, so ganz unter Freunden, auch nicht weiter gefragt.

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Leidensgenossen, in gewisser Weise: Blatter und DFB-Präsident Theo Zwanziger (r.).

(Foto: dpa)

Bei DFB-Boss Zwanziger wird ohnehin ganz viel Verständnis für Blatters Lage vorhanden gewesen sein. Der DFB-Chef weiß ja, wie wichtig die Kommunikationsherrschaft in Zeiten ist, die unverschuldet schwierig geraten. Er hat ja selbst schon mehr als einen Skandal erfolgreich ausgesessen und zudem heldenhaft akuten Anfällen von Amtsmüdigkeit getrotzt. Zuletzt bekümmerte Zwanziger, dass er Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulff nach dem Länderspiel gegen die Türkei nicht in die DFB-Kabine führen durfte.

Die Entourage war einfach ohne ihn in die Katakomben marschiert, Zwanzigers Eitelkeit war tief gekränkt, und Möglichkeit zur Klage in Koblenz bestand auch nicht, sondern nur bei Bundesinnenminister Thomas de Maiziere. Dass sich der andernorts schon als Zickzack-Zwanziger belächelte DFB-Boss am Freitag in Essen trotzdem wiederwählen lässt, dafür kann sich Fußball-Deutschland sehr wahrscheinlich bei Merkels angeblich reumütigem Anruf in Frankfurt am Main bedanken.

In punkto Wiederwahl kann sich Zwanziger übrigens noch etwas abschauen bei Blatter. Der ließ sich 2007 nicht einfach per banaler Stimmabgabe und -auszählung im Amt bestätigen, sondern stilecht per Akklamation – ganz so wie sich Kaiser im alten Rom feiern ließen. Amos Adamu und Reynald Temarii haben bestimmt besonders laut geklatscht.

Quelle: n-tv.de

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