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Ewige Fehlerkette ohne Einsicht Die brutale Zerstörung des FC Schalke 04

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Selten war das Leben als Fan des FC Schalke 04 so hart.

(Foto: imago images/Pakusch)

Der FC Schalke 04 entlässt Coach Manuel Baum. Das Schlusslicht sucht nach Auswegen - und holt Huub Stevens zurück auf die Trainerbank. Ein gelungener Schachzug, um von allen anderen Verfehlungen in Königsblau abzulenken.

Wenn es nicht so traurig wäre, das Schauspiel auf Schalke zu verfolgen, dann hätte es Potenzial zur wahrscheinlich unnötigsten, unlustigsten und unvorstellbarsten Daily Soap aller Zeiten. Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Ein Traum im Kosmos des Schlusslichts der Fußball-Bundesliga. Tatsächlich gibt's nur königsgraue Tristesse - und Fehlentscheidungen am Fließband. Unter uns: Das ist in Gelsenkirchen aktuell "Alles was zählt".

Der FC Schalke 04 trennt sich von Coach Manuel Baum. Der Trainer, der nach dem Intermezzo von David Wagner für Ruhe, Kontinuität und Erfolg sorgen sollte, ist nach nur drei Monaten von seinen Ämtern entbunden. Und damit offiziell gescheitert. Klar, die beispiellose Sieglosserie der Schalker ist massiv alarmierend. Am Ende fliegt aber wieder einer, der nicht hätte fliegen müssen. Auch wenn er sich mit seinen markigen Ankündigungen, die er zu Beginn seiner Zeit formuliert hatte keinen Gefallen getan hatte: "Lasst mich mal machen. Ich weiß schon, was ich tue." Womöglich hat Schalke doch unterschätzt. Sei's drum, nun ist es wieder einmal so: Der Schwächste fliegt.

Der Revierklub taumelt, steht vor allem finanziell kurz vor dem Knockout. Trotzdem leistet er sich mit Wagner und Baum zwei Ex-Trainer auf der Gehaltsliste. Wie will man diesen Umstand erklären, geschweige denn rechtfertigen? Hinterfragt wird auf Schalke seit dem Ende der Ära von Rudi Assauer in schöner Regelmäßigkeit nur auf der falschen Ebene. Die Spieler im Kader sind mit ihren üppigen Gehältern satt. Die von Ultras und Umfeld geforderten Werte werden schon lange nicht mehr gelebt. In der freien Wirtschaft wäre das Unternehmen S04 längst mit Volldampf vor die Wand gefahren.

Einmal Tabula Rasa. Auf allen Ebenen.

Der FC Schalke 04 ist nicht zum ersten Mal von der Strecke abgekommen und in einen Reifenstapel gekracht. Die Maßnahmen der Ersthelfer dauern zwar an, aber der Streckenposten steht verloren im Gelsenkirchener Stadtteil und winkt mit den Fähnchen, weil er sonst nicht weiß, was er tun könnte. Alles, was gerade auf Schalke passiert, ist Erste Hilfe, aber am Ende sind es Maßnahmen zur künstlichen Aufrechterhaltung des Kreislaufs. Schalke braucht einen Umschwung. Einmal Tabula Rasa. Neuanfang. Auf allen Ebenen.

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Das jedoch scheint in der königsblauen Führungsetage noch nicht angekommen zu sein. Statt nach dem Reset-Knopf zu suchen, holen die Königsblauen Jahrhunderttrainer Huub Stevens aus der wohlverdienten Rente. Denn Stevens Mannschaften können vor allem eines: kämpfen und verhindern. Aber wie soll der charismatische Stevens die satten Jungs davon überzeugen, dass es wichtiger ist, Leistung zu bringen, statt im Bentley durch die Arbeiterstadt zu fahren? Verantwortung zu übernehmen, ist auf Schalke weder auf dem Rasen noch in der Chefetage möglich.

Torwart-Titan Oliver Kahn hat in einer legendären Wutrede am Spielfeldrand mal gefordert, dass seine Mannschaft Eier brauche. Und genau diese Eier müssten beim S04 all jene beweisen, die fortwährend am Schalker Niedergang arbeiten. Einfach geradestehen für die Fehlgriffe. Den Weg frei machen für einen echten Neuanfang - in welcher Liga auch immer. Aber so lange es attraktiver ist, über den Schalker Campus zu spazieren statt Verantwortung zu übernehmen, wird sich beim Kumpelklub gar nichts ändern. Der Fisch stinkt immer vom Kopf. Und der Kopf ist nicht der Trainer.

Quelle: ntv.de

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