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Trainer Huub Stevens übernimmt Null der Herzen wieder auf Schalke

Mit dem FC Schalke 04 war er Deutscher Meister. Allerdings nur für vier Minuten. Jetzt ist Huub Stevens zurück in Gelsenkirchen und freut sich wie verrückt. Die Fans mögen ihn noch immer, aber ob die Mannschaft unter ihm auch guten Fußball spielt, darf bezweifelt werden.

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Da freut er sich: Huub Stevens ist zurück bei seinen Schalkern.

(Foto: dpa)

Man kann ja über die Schalker sagen, was man will. Aber nicht, dass sie allzu großes Risiko eingehen. Zugeben: Der Rücktritt von Ralf Rangnick hat sie kalt erwischt. Und es gibt ganz bestimmt einen günstigeren Zeitpunkt für einen Fußball-Bundesligisten, als kurz nach Saisonbeginn einen neuen Trainer suchen zu müssen. Aber dass sie nun Huub Stevens nach Gelsenkirchen zurückholen, das klingt eher danach, als habe sich da jemand gedacht: Machen wir lieber mal was, worüber keiner meckert.

Denn Huub Stevens, das ist der Mann, mit dem die Schalker ihren größten, weil einzigen Triumph auf europäischer Bühne gefeiert haben. Dementsprechend beliebt ist er bei den Fans. Immer noch. 1997 gewann der damals in Deutschland weitgehend unbekannte Niederländer mit den zumindest in Gelsenkirchen legendären Eurofightern im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion gegen Inter den Uefa-Pokal. Maxime: "Die Null muss stehen!" Will heißen: Oberstes Ziel ist es, das eigene Tor zu verteidigen. Allerdings sagt der Trainer, der einst Abwehrspieler war, auch: "Ein 4:3 ist mir lieber als ein 1:0." Und zu Huub Stevens Ehrenrettung gesagt sei, dass Jupp Heynckes gerade mit dem FC Bayern zeigt, dass ein solides Defensivverhalten nicht bedeuten muss, dass eine Mannschaft keine Tore schießt. Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass sie in München auch die besseren Spieler haben als in Gelsenkirchen.

Lieber auf Nummer sicher

Dennoch, eines ist klar: Die Schalker haben in ihrer Zwangslage die sichere Lösung gewählt. Aber ob es auch die beste Lösung ist? Zumindest darf bezweifelt werden, dass Huub Stevens den Weg seines Vorgängers Ralf Rangnick fortsetzt. Der war nach der unerfreulichen Zeit mit Felix Magath auf bestem Weg, die Mannschaft zu stabilisieren und ihr einen Spielstil beizubringen, der seine Handschrift trägt: offensiver, schneller, direkter, attraktiver. Von einer stehenden Null war da nicht die Rede.

Viel Zeit aber hatten sie nicht, also haben sie in der Not einen alten Bekannten gewählt, der sich dem Verein nach wie vor verbunden fühlt. Und das ist in der gefühlsduseligen Schalker Welt wichtiger als bei vielen anderen Vereinen. Felix Magath ist unter anderem auch daran gescheitert, dass die wenigsten ihm eine echte Identifikation mit den Königsblauen ernsthaft abnahmen. Huub Stevens dürfte dieses Problem nicht haben, der sich, wie Vereinschef Clemens Tönnies sagte, "freut wie verrückt", nach neun Jahren wieder bei seinem Lieblingsklub zu sein.

Vier Minuten Deutscher Meister

Schließlich war er mit dem FC Schalke schon einmal Deutscher Meister. Allerdings nur für vier Minuten, im Mai 2001, als das Spiel im Gelsenkirchener Parkstadion schon abgepfiffen war, aber die Bayern in Hamburg noch spielten, Patrik Andersson einen Freistoß zum Ausgleich ins Tor schoss – und die Schale doch wieder nach München ging. Für die Schalker blieb der Titel "Meister der Herzen". Das verbindet.

Bleibt die Sache mit dem Fußball. Da könnte sich herausstellen, dass seine Verpflichtung, was das Spielsystem betrifft, ein Schritt zurück und nicht in die Zukunft war. Wenn das andererseits bedeutet, dass die Schalker mit ihrer Null endlich wieder einen Titel holen, wäre das allerdings eine prima Sache.

Quelle: n-tv.de

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