Kommentare

Lukas Podolski nicht mehr Kapitän Solbakken spielt mit dem Feuer

RTR2MJ0U.jpg

Stale Solbakken, neuer Trainer des 1. FC Köln.

(Foto: REUTERS)

Eigentlich kann sich der 1. FC Köln auf die neue Spielzeit freuen. Die Leistungsträger bleiben, mit Stale Solbakken kommt ein erfolgreicher Trainer. Jetzt nimmt der Norweger Fan- und Medienliebling Lukas Podolski die Kapitänsbinde weg. Damit setzt er seinen Arbeitgeber unter Druck – und macht ihn zugleich zukunftsfähig. Ein Kommentar von Roland Peters.

Stale Solbakken holte in Dänemark mit dem FC Kopenhagen in sechs Spielzeiten fünf Mal den Meistertitel. Er erreichte die K.o.-Phase der Champions League. Großer Fußball. Fußball, an den sich beim 1. FC Köln nur noch Fans aus den 1970er Jahren erinnern. Nun knöpft der Norweger Lukas Podolski die Kapitänsbinde ab. Neuer Mannschaftsführer: Pedro Geromel. "Er ist der akzeptierte Sprecher und Vertreter der Mannschaft" führt Solbakken aus. Der neue Coach stand noch bei keinem Pflichtspiel der Kölner an der Seitenlinie, da gibt es schon das erste Beben in der Domstadt.

Der Kölner Express schreibt: "Poldi degradiert!", die "Bild"-Zeitung titelt: "Podolski gedemütigt". Mögliche Folgegeschichten: "So leidet Poldi", oder: "Prinz wird enterbt". Niemand wird Solbakken vor den ersten Partien angreifen, auch die für ihre mit Schlagzeilen Vereinspolitik betreibenden Kölner Medien nicht. Doch der Grundstein für Kritik, ja, für eine neue Runde im Kölner Medienkarussell ist gelegt.

Denn sollte es für den 1. FC Köln und Podolski in der ersten Saisonhälfte nicht gut laufen, wird die Stimmung schnell umschlagen. Die Erklärung, die Ernennung sei eine Entscheidung für die Mannschaft, ist nachvollziehbar. Geromel ist ein international begehrter Innenverteidiger, er ruft konstant gute Leistungen ab und dirigiert das Team auf dem Platz. Doch ein Treuebekenntnis zu seinem Arbeitgeber ist lange her.

Paradoxon am Geißbockheim

2z8c2217.jpg861838077017525040.jpg

Pedro Geromel und Lukas Podolski - der neue Kapitän mit seinem Vorgänger.

(Foto: dpa)

Anders ist das bei Podolski. Als der Nationalspieler noch bei den Bayern unter Vertrag war, jammerte sogar Uli Hoeneß öffentlich: "Für ihn gibt es nur Köln, Köln, Köln." Als er vor zwei Jahren dann zurück an den Rhein kam, sagte er: "Ich muss mich gut fühlen, um so Fußball spielen zu können, wie man es von mir erwartet und ich es von mir erwarte. Ich spüre, wie gut es mir tut, das Trikot des FC zu tragen." Alle, die ihn seither mit Fragen auf einen möglichen Weggang von seinem Heimatverein abklopfen, stoßen auf rot-weißen Granit.

Der 1. FC Köln will mit "Meister Propper", wie Solbakken in der rheinischen Boulevardpresse wegen seiner fehlenden Kopfbehaarung bereits genannt wird, weiter nach oben. Es liegt am Verein, dem Trainer den Rücken zu stärken. Heißt: Nicht auf möglichen Druck der Medien reagieren. Das Paradox, die Degradierung Podolskis damit indirekt zu unterstützen, muss der 1. FC Köln aushalten. Alles andere wäre – wie so häufig in der Vergangenheit – unprofessionell.  

Verfällt die Führungsriege am Geißbockheim in alte, reaktive Muster, steht der sympathische Norweger bald in einer Reihe mit Friedhelm Funkel, Uwe Rapolder und Zvonimir Soldo. Also der FC-Trainer der jüngeren Vergangenheit, die nicht nur ihren Job verloren, sondern auch das Duell mit den Kölner Lokalmedien. Die Degradierung Podolskis ist riskant. Sie könnte Stale Solbakken in der Konsequenz den Kopf kosten. Das heißt aber nicht, dass die Entscheidung falsch ist.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema