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Hausgemachte Langeweile im DFB-Pokal Was soll der Artenschutz für Erstligisten?

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Heimspiel: Lewis Holtby und seinen Kollegen bleibt der Ausflug in die Provinz erspart. Stattdessen dürfen die Schalker zu Hause spielen. Gegen den SV Sandhausen.

(Foto: AP)

Der FC Schalke muss in die Provinz zum SV Sandhausen, der FC Bayern auf den ungeliebten Betzenberg nach Kaiserslautern und ganz Dresden freut sich auf das Duell mit Hannover 96 - der DFB-Pokal könnte so spannend, so reizvoll sein. Ist er aber nicht. Weil Zweitligisten nicht automatisch zu Hause spielen.

Das wird ein Fest in der Kurpfalz! Der große FC Schalke 04 gibt sich in der zweiten Runde des DFB-Pokals die Ehre beim Dorfklub SV Sandhausen von 1912. Im Schatten der TSG Hoffenheim ist der Verein in der vergangenen Saison erstmals in die Zweite Bundesliga aufgestiegen. Sandhausen - das ist Fußballprovinz im besten Sinne. Und wenn etwas den Reiz des Pokals ausmacht, dann diese Festtage, an dem die Superstars aufs Land müssen und dort auf Vereine treffen, denen die Auslosung das Spiel des Jahres beschert. Eben wenn der Champions-League-Teilnehmer FC Schalke vor 12.100 Zuschauern im Hardtwaldstadion antreten muss, das in einem Waldstück am südlichen Ortsausgang liegt. In einer Gemeinde acht Kilometer entfernt von Heidelberg, in der gerade einmal 14.542 Menschen wohnen.

2. Pokalrunde, 30./31. Oktober

Karlsruher SC-MSV Duisburg
TSV Havelse-VfL Bochum
Arm. Bielefeld-Leverkusen
Berliner AK 07-1860 München
Offenbach-Union Berlin
Wor. Worms-1. FC Köln
Pr. Münster-FC Augsburg
Braunschweig-SC Freiburg
Hannover 96-Dresden
FC Schalke-Sandhausen
VfR Aalen-Dortmund
FC Bayern-K'lautern
FSV Mainz 05-Erzgeb. Aue
F. Düsseldorf-M'gladbach
VfL Wolfsburg-FSV Frankfurt
VfB Stuttgart-FC St. Pauli

Das Problem ist nur: Die Schalker fahren gar nicht nach Sandhausen. Der Zweitligist muss nach Gelsenkirchen, weil es das Los so wollte. Und weil der Deutsche Fußballbund Erst- und Zweiligisten gleich behandelt. Anders als Klubs aus der dritten Liga oder Vereine aus dem Lager der Amateure fällt einem Zweitligisten nicht automatisch das Heimrecht zu, wenn es gegen eine Mannschaft aus Liga eins geht. Und das ist ein Fehler. Weil das Fest in der Kurpfalz nämlich jetzt ausfällt. Und generell den klassentieferen Mannschaften der Vorteil genommen wird, vor den eigenen Fans spielen zu dürfen.

Das trifft nicht nur den SV Sandhausen, sondern fünf weitere Klassenkameraden. Der 1. FC Kaiserslautern, jüngst abgestiegen, tritt am 30. oder 31. Oktober beim FC Bayern München an, Dynamo Dresden fährt zu Hannover 96, der FSV Frankfurt zum VfL Wolfsburg, der FC St. Pauli muss zum VfB Stuttgart und der FC Erzgebirge Aue zum FSV Mainz 05. Das hat mit einem Losglück zu tun, das der Verband flugs korrigieren könnte: Die klassentiefere Mannschaft müsste einfach grundsätzlich das Privileg erhalten, zu Hause spielen zu dürfen. Das wird der DFB vermutlich nicht tun, schließlich geht es hier um die Möglichkeit, sich für den Europapokal zu qualifizieren und viel Geld zu verdienen. Da gewährt der Verband seinen besten Vereinen wenn nicht Artenschutz, so doch ein gewisses Maß an Planungssicherheit. Dadurch ist aber diese zweite Pokalrunde vor allem eines: stinklangweilig.

Wenn der FC Bayern München auf den Betzenberg in Kaiserslautern antreten müsste, wäre das reizvoll. Dass aber die Lauterer in München gewinnen, scheint so gut wie ausgeschlossen. Dabei lebt der Pokal doch von der Lust an der Sensation. Eine Änderung des Reglements würde einen Wettbewerb spannender machen, weil es die Favoriten schwerer hätten. Die kommen nun einmal aus der ersten Liga. Und werden in der ersten Hauptrunde bereits dadurch geschützt, dass sie nicht aufeinandertreffen können. Trotzdem blieben sechs Vereine aus der Eliteliga auf der Strecke. Der Artenschutz hat ihnen in diesem Fall nicht geholfen - weil sie sich einfach zu dumm angestellt haben. In Bremen, Hamburg, Nürnberg, Fürth, Frankfurt und vor allem Hoffenheim wissen sie, wovon die Rede ist. Aber vielleicht sorgt der SV Sandhausen ja in Gelsenkirchen für eine Sensation. Dann wird es doch noch was mit dem Fest in der Kurpfalz.

Quelle: n-tv.de

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