Olympia

Mehrere Kreuzbandrisse bei TestBei Olympia fliegt die Angst vor der Plumpsschanze mit

04.02.2026, 11:27 Uhr
18th-September-2025-Val-di-Fiemme-Italy-2025-FIS-Ski-Jumping-Summer-Grand-Prix-ahead-of-the-Milano-Cortina-2026-Winter-Olympic-Games-Eva-Pinkelnig-AUT-lays-injured-after-a-heavy-hit
Eva Pinkelnig war eine der Leidtragenden, sie fällt mit Kreuzbandriss aus. (Foto: picture alliance / Action Plus)

Die Skisprung-Schanzen fallen in der Generalprobe für die Olympischen Spiele durch: Gleich drei Athletinnen ziehen sich Kreuzbandrisse zu. Es werden leichte Anpassungen getätigt, vieles aber bleibt ungewiss. Das ärgert Trainer und Athleten.

Wenn Heinz Kuttin an den missglückten Bau der Olympia-Schanzen denkt, schüttelt er nur mit dem Kopf. "Es ist traurig, dass es bei den ersten Olympischen Spielen in Mitteleuropa wieder passiert ist", sagt der Bundestrainer der Skispringerinnen, vor allem die schweren Verletzungen bei der Generalprobe nagen an ihm: "Das hat uns wirklich weh getan. Ich hoffe, dass es jetzt halbwegs gut über die Bühne geht".

Was Kuttin meint: Als die für Olympia umgebauten Schanzen im September eingeweiht wurden, zogen sich die Österreicherin Eva Pinkelnig, Kanadas Ex-Weltmeisterin Alexandria Loutitt und Japans Kombiniererin Haruka Kasai jeweils einen Kreuzbandriss zu - alle an nur einem Wochenende. Die Flugkurve war zu hoch, die Landung zu abrupt.

Der Weltverband FIS schritt ein und veranlasste umgehend Anpassungen an beiden Schanzen. Ob diese helfen, wird sich ab Donnerstag zeigen, dann stehen in Predazzo die ersten Trainings an. Bislang ist fast niemand auf den erneut umgebauten Schanzen gesprungen, die Olympia-Wettkämpfe werden also ein Flug ins Ungewisse. Und alle hoffen, dass nichts passiert. "Unsere Erfahrung zeigt aber: Alles, was man hinterher begradigt, ist Flickwerk", sagt Ex-Bundestrainer Werner Schuster.

Der Eurosport-Experte betont, dass die Architekten sich an alle Vorgaben gehalten hätten. Das Problem sei ein grundsätzliches: "Seit 10, 15 Jahren sind wir beim Schanzenbau nicht auf dem richtigen Weg. Die neuen Schanzen sind Plumpsschanzen. In Predazzo schießt es dich wie eine Kanonenkugel am Schanzentisch heraus, und irgendwann fällt die Kanonenkugel halt runter."

Weil Frauen anfälliger für Kreuzbandrisse sind, ist bei den Springerinnen die Sorge besonders hoch. Immerhin: Nach den vielen Verletzungen wurden auch die Vorschriften für die Anzüge angepasst, das "Plumpsen" am Ende soll dadurch verhindert werden.

Einer der wenigen, die zumindest die umgebaute Normalschanze schon kennen, ist Andreas Wellinger. Der zweimalige Olympiasieger nutzte am 23. Dezember seine Weltcuppause, um an den italienischen Meisterschaften teilzunehmen. "Die Rückmeldung war: Es hat sich ein klein wenig das Profil verändert, aber nicht großartig", sagt Sportdirektor Horst Hüttel vom Deutschen Skiverband.

Frauen-Coach Kuttin hätte sich gewünscht, dass auch die Meinung der Betroffenen eingeholt worden wäre. "Aber die Athleten werden gar nicht gefragt. Es gibt Verantwortliche, die das berechnen - wahrscheinlich im Büro. Das darf in Zukunft nicht mehr passieren", sagt er. Predazzo sei schließlich nicht der erste Fall.

Verstehen kann aber niemand, warum Millionen für den Umbau einer Schanze ausgegeben werden, die dann kurz vor Olympia noch einmal angepasst werden muss. In Deutschland würde immer noch eine Kommission unter der Leitung von Ex-Bundestrainer Andreas Bauer über die Pläne schauen, sagt Hüttel: "Das ist in Italien so wohl nicht gemacht worden."

Quelle: ntv.de, ara/sid

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