Olympia

Wilde Ausrede im Doping-Fall Das Medikament des Opas war es, sagt Walijewa

Wie kam die 15-jährige Kamila Walijewa in Kontakt mit dem Herzmedikament Trimetazidin? Der Vorsitzende der IOC-Disziplinarkommission Denis Oswald gibt Einblick in die Verteidigungsstrategie der jungen Russin. Die ist ziemlich wild.

Der Vorsitzende der IOC-Disziplinarkommission Denis Oswald hat einen Einblick in die mögliche Verteidigungsstrategie der russischen Mannschaft im Fall der positiv auf eine Dopingsubstanz getesteten Eiskunstläuferin Kamila Walijewa gegeben. "Ich war bei der Anhörung nicht dabei, aber ihr Argument war, dass die Kontamination mit einem Mittel passiert ist, das ihr Großvater nimmt", sagte der Schweizer am Dienstag.

Die 15-jährige Walijewa war am 25. Dezember positiv auf das Herzmedikament Trimetazidin getestet worden, das Resultat des Dopinglabors in Stockholm kam jedoch erst nach dem Sieg der Russen im olympischen Teamwettbewerb am 8. Februar. "Es ist wahr, dass dieses Mittel etwas seltsam ist, vor allem für ein Mädchen in ihrem Alter", sagte Oswald: "Aber solange wir nicht genau wissen, was passiert ist, ist es schwierig, ein Urteil zu fällen."

Europameisterin Walijewa darf trotz der positiven Probe am Einzelwettbewerb der Frauen teilnehmen, das hatte der Sportgerichtshof CAS am Montag entschieden. Trimetazidin ist ein Stoffwechsel-Modulator, der die Ausdauer und den Blutfluss steigern kann. Es wird als Herzmedikament und zur Prophylaxe von Angina pectoris verschrieben und steht seit 2014 auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA.

Keine Hinweise auf Staatsdoping

Der Fall der minderjährigen Sportlerin wird erst nach den Spielen abschließend behandelt. Noch steht die Öffnung der B-Probe aus, zudem ermittelt die WADA auch im Umfeld des Teenagers. "Es ist nicht vorstellbar, dass ein 15-jähriges Mädchen so etwas alleine tut", sagte Oswald. Bei einer Sperre könnten Walijewa und dem russischen Team das Mannschaftsgold aberkannt werden.

Das IOC sieht in dem Fall jedoch keine Fortsetzung des Skandals um Russlands organisierten Sportbetrug. "Es scheint sich nicht um eine solche Situation zu handeln", sagte Oswald. Auch wenn der Dachverband noch nicht alle Details rund um den positiven Test der 15 Jahre alten Europameisterin kenne, gehe man nicht von einer Verbindung zum russischen Dopingsystem vergangener Jahre aus, versicherte Oswald.

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Der Schweizer war Vorsitzender einer Kommission, die sich mit den Manipulationen der Russen bei den Winterspielen in Sotschi 2014 befasste. Wegen weiterer Verstöße ist Russland wie schon bei den Sommerspielen in Tokio auch bei Olympia in Peking offiziell ausgeschlossen. Schärfere Sanktionen lägen "nicht in den Händen des IOC", sondern seien Sache der Welt-Anti-Doping-Agentur, sagte Oswald. Die WADA werde im Lichte der Entwicklungen die Strafen gegen Russland prüfen und möglicherweise erweitern, fügte er hinzu.

In Peking darf für die russischen Athleten die Hymne ihres Landes nicht gespielt, die Flagge nicht gehisst werden. "Wir folgen der Entscheidung der WADA", sagte Oswald. Ende des Jahres läuft Russlands zweijähriger Olympia-Bann aus - und damit vor den nächsten Sommerspielen 2024 in Paris.

Quelle: ntv.de, sue/dpa/sid

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