Olympia

Großes Zittern, neue Hoffnung Das war die Olympia-Nacht zu Mittwoch

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Überraschend musste Johannes Vetter schon in der Qualifikation alles reinlegen.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Wenig zu gewinnen gab es in der Nacht für deutsche Athleten - außer Hoffnung: Medaillenkandidaten waren nicht unterwegs, dafür erkämpfen sich die Ringer eine neue Chance. Der größte Goldkandidat des Teams muss dagegen arg zittern. Und natürlich fällt der nächste Weltrekord.

Leichtathletik: Die Amerikanerin Sydney McLaughlin ist in Weltrekordzeit zu Gold über die 400 Meter Hürden gelaufen. Die 21-Jährige verbesserte drei Tage vor ihrem Geburtstag die von ihr selbst aufgestellte Bestmarke auf 51,46 Sekunden. Im Endlauf verwies McLaughlin ihre Landsfrau und Olympiasiegerin von 2016, Dalilah Muhammad, auf den zweiten Platz. Muhammad blieb in 51,58 Sekunden ebenfalls unter der alten Bestmarke von 51,90 Sekunden, die McLaughlin bei den US Trials im Juni aufgestellt hatte. Bronze holte sich die Niederländerin Femke Bol (52,03). Für die deutsche Meisterin Carolina Krafzik war im Halbfinale Endstation gewesen. In 54,95 Sekunden wurde die Sindelfingerin am Montag in ihrem Lauf Vierte.

Leichtathletik II: Gold-Favorit Johannes Vetter hat sich im Speerwerfen ins Finale gemüht. Der 28-Jährige aus Offenburg sicherte sich das direkte Ticket für den Medaillenkampf am Samstag (13.00 Uhr/MESZ) erst mit 85,64 Metern in seinem dritten und letzten Versuch in der Qualifikation. Der Olympia-Vierte von 2016, der mit 96,29 Metern die Weltjahresbestenliste deutlich anführt, wirkte aber verunsichert. "Seit den Wettkämpfen vor Olympia ist so ein bisschen der Wurm drin, was heißt der Wurm drin, ich kriege nicht so das richtige Timing, den richtigen Rhythmus hin, dass ich sage, da passt alles zusammen und dann knallt es vorne", meinte Vetter. Für das Finale müsse "auf alle Fälle noch was kommen." Vetter hatte am Ende aber die zweitbeste Weite vorzuweisen. Gleich mit dem ersten Versuch über 84,41 Meter zog auch der Mainzer Julian Weber direkt ins Finale ein. Bernhard Seifert aus Potsdam schied dagegen mit 68,30 Metern chancenlos aus.

Leichtathletik III: Deutschlands Zehnkämpfer Nummer eins Niklas Kaul ist mit seinem Einstand bei den Spielen zufrieden. "Bisher macht es Spaß", sagte der 23 Jahre alte Weltmeister nach den ersten drei Disziplinen seiner Olympia-Premiere. Nach soliden 11,22 Sekunden über 100 Meter ließ der Mainzer die persönliche Bestleistung von 7,36 Metern im Weitsprung folgen - 17 Zentimeter mehr als bei seinem WM-Sieg 2019 in Doha. Im Kugelstoßen reichte es nur zu 14,55 Metern und in der Gesamtsumme zu 2474 Punkten und Platz 17. "Mit den ersten beiden Disziplinen bin ich zufrieden, der Weitsprung war super", sagte Kaul. "Kugel geht so, ist aber kein Ausreißer nach unten." Der WM-Dritte von 2017, Kai Kazmirek, liegt mit 2528 Punkten sogar vier Positionen vor Kaul nach 11,09 Sekunden im Sprint, 7,48 Metern im Weitsprung und 14,46 Metern im Kugelstoßen. "So kann es weitergehen", sagte der 30 Jahre alte Routinier. Dominiert wird der Medaillenkampf von Damien Warner, der in den drei Disziplinen die besten Ergebnisse hatte und als Nummer eins 2966 Punkte sammelte.

Tischtennis: Deutschlands Tischtennis-Frauen haben das Halbfinale gegen Topfavorit China erwartungsgemäß klar verloren und kämpfen um Bronze. Han Ying, Petrissa Solja und Shan Xiaona blieben gegen die an Nummer eins gesetzten Asiatinnen beim 0:3 weit entfernt von der erhofften Sensation. Morgen (4 Uhr MESZ) spielen die Olympia-Zweiten von 2016 gegen die an vier gesetzte Auswahl von Hongkong um Platz drei. Im Halbfinale war die an Nummer drei eingestufte deutsche Frauen-Auswahl von Bundestrainerin Jie Schöpp chancenlos. Solja und Shan Xiaona konnten beim 0:3 (9:11, 2:11, 4:11) im Doppel gegen die Weltranglisten-Erste und Tokio-Olympiasiegerin Chen Meng sowie Wang Manyu nur den ersten Satz ausgeglichen gestalten. Han Ying verlor gegen die Finalistin im Einzel dieser Sommerspiele, Sun Yingsha, ebenfalls 0:3 (6:11, 4:11, 9:11). Solja leistete zum Abschluss gegen Chen Meng große Gegenwehr und holte beim 1:3 (11:5, 4:11, 9:11, 11:13) den einzigen Satzgewinn.

Ringen: Der dreimalige Ringer-Weltmeister Frank Stäbler kämpft zum Abschluss seiner Karriere doch noch um eine Medaille. Der Musberger erreichte über die Hoffnungsrunde noch eines der kleinen Finals der Gewichtsklasse bis 67 Kilogramm. In dem trifft er am Abend (ab 12.30 Uhr/MESZ) auf den Georgier Ramas Soidse. In der Hoffnungsrunde besiegte Stäbler den Kolumbianer Julian Stiven Horta Acevedo klar mit 8:0. Bei den Spielen 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro hatte Deutschlands langjähriger Vorzeigeringer eine Medaille verpasst. Sie wäre nun der würdige Schlusspunkt seiner beeindruckenden Laufbahn. Auch Stäblers Griechisch-römisch-Kollege Denis Kudla greift erneut nach Olympia-Bronze. Der 26-Jährige aus Schifferstadt, der bereits vor fünf Jahren einen der dritten Plätze belegt hatte, gewann in der Hoffnungsrunde gegen den Kirgisen Atabek Asisbekow nach 0:2-Rückstand noch mit 10:2.

Schwimmen: Freiwasserschwimmerin Leonie Beck hat sich nach einem beherzten Rennen nicht mit einer Medaille belohnt. Die 24 Jahre alte Würzburgerin schlug über zehn Kilometer als Fünfte an. Gold ging an Ana Marcela Cunha aus Brasilien vor Rio-Olympiasiegerin Sharon van Rouwendaal aus den Niederlanden und der Australierin Kareena Lee. Finnia Wunram belegte als zweite deutsche Starterin den zehnten Platz. Bei extremen Bedingungen zeigte Beck am frühen Morgen Ortszeit im Odaiba Marine Park von Tokio einen starken Auftritt und schwamm von Beginn an vorne mit. Die Olympia-Teilnehmerin von 2016 im Becken verpasste aber die dritte Medaille der deutschen Schwimmer bei diesen Sommerspielen. Zuvor hatten Florian Wellbrock und dessen Verlobte Sarah Köhler im Becken über 1500 Meter Freistil jeweils Bronze gewonnen. Wellbrock startet in der Nacht zum Donnerstag ebenfalls über die zehn Kilometer.

Kanu: Die deutschen Kajak-Boote mit dem Duo Max Hoff/Jacob Schopf sowie die Einer mit Jule Hake und Sabrina Hering-Pradler sind direkt ins Halbfinale gepaddelt. Der Mitfavorit im Kajak-Zweier über 1000 Meter zeigte auf dem Sea Forest Waterway eine gute Vorstellung mit Platz zwei im Vorlauf. Im Endspurt fuhr das Duo souverän an den Slowaken vorbei, allerdings ließen sich die siegreichen Australier nicht mehr abfangen. Schopf hatte am Dienstag mit Platz vier im Einer-Finale die Medaille knapp verpasst. Im Kajak-Einer der Frauen über 500 Meter schaffte Jule Hake aus Lünen als Vorlauf-Dritte den direkten Einzug ins Halbfinale. Sabrina Hering-Pradler aus Hannover zog als Zweite ihres Vorlaufes hinter Topfavoritin Lisa Carrington aus Neuseeland ebenfalls direkt in die Vorschlussrunde ein. Bei der olympischen Premiere ihrer Canadier-Disziplin über 200 Meter schaffte Lisa Jahn aus Berlin über den Umweg Viertelfinale den Sprung ins Halbfinale.

Skateboard: Die 14 Jahre alte Skateboarderin Lilly Stoephasius hat bei ihrer Olympia-Premiere einen sehr guten neunten Platz belegt und das Finale nur knapp verpasst. Die Berlinerin kam in der Disziplin Park auf 38,37 Punkte und verfehlte den zur Finalteilnahme nötigen achten Rang um lediglich 3,22 Zähler. Stoephasius hatte ihre Punktzahl im ersten von drei Qualifikationsläufen erreicht. Bei den nächsten beiden Versuchen war der Teenager gestürzt. Jede Teilnehmerin hatte in der Qualifikation drei Läufe von jeweils 45 Sekunden. Japans Skateboard-Star Sakura Yosozumi ist erste Olympiasiegerin in der Disziplin Park. Die Vize-Weltmeisterin setzte sich im Finale mit 60,09 Punkten vor ihrer Landsfrau Kokona Hiraki durch, die auf 59,04 Zähler kam. Bronze sicherte sich die in Japan geborene Britin Sky Brown mit 56,47 Punkten.

IOC: Im Fall der belarussischen Sprinterin Kristina Timanowskaja hat das Internationale Olympische Komitee eine Disziplinarkommission eingesetzt. Diese solle die Tatsachen in dem Skandal um die mutmaßlich von belarussischen Behörden versuchte Entführung der Leichtathletin aus Tokio feststellen, sagte IOC-Sprecher Mark Adams. Verantworten sollen sich der Leichtathletik-Cheftrainer von Belarus und der stellvertretende Direktor des nationalen Trainingszentrums. Die 24-Jährige hat inzwischen ein humanitäres Visum von Polen erhalten und verließ am Mittwoch die Olympia-Stadt.

Corona: Das gesamte griechische Synchronschwimm-Team hat sich nach mehreren positiven Corona-Tests in ein Quarantäne-Hotel begeben. Wie die Olympia-Organisatoren mitteilten, wurden vier Schwimmerinnen und ein Betreuer bei den Olympischen Spielen in Tokio positiv getestet. Von den sieben weiteren Team-Mitgliedern seien einige als Kontaktpersonen eingestuft worden. Alle zwölf seien daher in Absprache mit dem Nationalen Olympischen Komitee Griechenlands bereits aus dem Athleten-Dorf ausgezogen, bestätigte OK-Sprecher Masa Takaya. Das Team kann daher nicht weiter am Synchronschwimmen teilnehmen. Laut Auskunft der Olympia-Organisatoren gab es 29 neue Coronavirus-Fälle im Zusammenhang mit den Sommerspielen. Das ist ein Tageshöchstwert seit Beginn der Erfassung am 1. Juli. Dieser lag bislang bei 27. Insgesamt beträgt die Zahl der Corona-Infektionen im Umfeld der Spiele nun 327, darunter sind 29 Athletinnen oder Athleten.

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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