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Hat eine gute Zeit mit Alfons Hörmann (l.), dem Präsidenten des DOSB: Thomas de Maizière
Hat eine gute Zeit mit Alfons Hörmann (l.), dem Präsidenten des DOSB: Thomas de Maizière(Foto: picture alliance / Daniel Karman)
Mittwoch, 14. Februar 2018

Keine Spiele in Deutschland: De Maizière lehnt Olympiabewerbung ab

Dem Bundesinnenminister bleibt nicht mehr viel Zeit, bevor er sein Amt an Horst Seehofer übergeben muss. Vielleicht findet Thomas de Maizière auch deshalb so klare Worte für all die Dinge, die rund um Olympia national und international im Argen liegen.

Thomas de Maizière hat sich gegen eine zeitnahe deutsche Olympiabewerbung ausgesprochen. "Ich halte den Zeitpunkt für zu früh", sagte der scheidende Bundesinnenminister kurz vor seiner Abreise aus Pyeongchang. Er kündigte die Entwicklung einer "nationalen Strategie für Sportgroßveranstaltungen" an, "nicht nur für Olympische Spiele". "Wir müssen schrittweise dahin kommen, dass es auch in der Bevölkerung Zustimmung dafür gibt, so etwas zu veranstalten. Das wird die neue Bundesregierung mit dem Sport und anderen Akteuren auf den Weg bringen", ergänzte der Minister. Dazu brauche man "von Beginn an die Wirtschaft im Boot, die wichtigen Multiplikatoren". Dann könne "irgendwann auch das Thema Olympia wieder in den Blick kommen".

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Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) und weitere Weltverbände aus dem Sport sieht er in der Pflicht. "Sie werden nie die Chance haben, den Steuerzahler davon zu überzeugen, sich für eine Sportveranstaltung zu bewerben, wenn die internationalen Verbände nicht glaubwürdig sind", sagte de Maizière. Was ihn störe, sei, dass "wir in Europa immer rummeckern, dass das IOC die Spiele an bestimmte Standorte vergibt, die uns nicht gefallen, aber selbst nicht die Kraft haben, uns zu bewerben".

Deutschland muss sich "anstrengen, wieder besser zu sein"

Eine konsequente Umsetzung der Spitzensportreform hält de Maizière für dringend notwendig. Wenn man sich in anderen Staaten wie Großbritannien, Kanada oder Norwegen umschaue, müsse man feststellen, "dass Deutschland gemessen am Einsatz des Steuerzahlers und am Einsatz von Trainern und Athleten nicht mehr die Rolle einnimmt, die es mal eingenommen hat und nicht mehr da steht, wo es eigentlich hingehört".

Es sei das Ziel der Spitzensportreform, dass wir "besser werden, und zwar mit fairen Mitteln, die Trainer besser zu unterstützen, und dass die Sportlerinnen und Sportler auch nach der aktiven Karriere eine vernünftige Perspektive haben." Deutschland insgesamt müsse sich "anstrengen, wieder besser zu sein".

De Maizière wird der neuen Bundesregierung voraussichtlich nicht mehr angehören und als Innenminister wohl durch Horst Seehofer ersetzt. IOC-Präsident Thomas Bach habe ihm in Pyeongchang einen Ratschlag gegeben, sagte de Maizière: "Er hat gesagt: Wenn Du jetzt aufhörst, lehnst du das erste halbe Jahr erst mal alle Angebote ab. Ich denke, das ist eine gute Idee." Er scheide wehmütig aus dem Amt, aber mit dem Sport verbunden könne man auch wie Millionen andere sein, "dafür muss man nicht Bundesinnenminister sein".

Quelle: n-tv.de