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Biathlon-Staffel strahltIOC repariert russischen Gold-Betrug am deutschen Team spät, aber glanzvoll

15.02.2026, 14:00 Uhr
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Das deutsche Biathlon-Team bejubelt ganz spät doch noch eine Goldmedaille. (Foto: picture alliance / BILDBYRÅN)

Die deutsche Biathlon-Staffel wird 2014 Opfer eines Doping-Betrügers. Diese Ungerechtigkeit wird mit mehr als einem Jahrzehnt Verspätung korrigiert.

Es ist schon dunkel, als Biathlet Simon Schempp am 22. Februar 2014 im russischen Sotchi die deutsche Männer-Staffel ins Ziel bringt. Wenige Meter vor ihm jubelt Anton Schipulin, der Schlussläufer des russischen Teams über die Goldmedaille. 3,5 Sekunden hatte der Russe seinem Widersacher auf einer packenden Schlussrunde am Ende distanziert.

Zwölf Jahre später aber landet die Goldmedaille in den Händen der Deutschen. Weil Schipulins Mannschaftskollege Jewgeni Ustjugow betrogen hat. Das deutsche Quartett erhält auf der größten Bühne doch noch den Lohn, um den es damals am dunklen Winterabend von Sotchi gebracht wurde.

Olympische Spiele zwölf Jahre später: Die Sonne scheint ins Biathlon-Stadion von Antholz, als Schempp, Arnd Peiffer, Erik Lesser und Daniel Böhm mit mehr als einem Jahrzehnt Verspätung doch noch ganz oben aufs Podest klettern dürfen. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry ist persönlich angereist, knapp 20.000 Menschen, die sich für die olympischen Verfolgungsrennen versammelt haben, sorgen für eine würdige Kulisse.

Schempp, Böhm, Lesser und Peiffer, die allesamt schon länger im sportlichen Ruhestand sind, reißen strahlend die Arme hoch, machen auf der höchsten Stufe des Podiums einen Freudensprung, gemeinsam singen sie die Nationalhymne - und feiern hinterher noch mit ihren Kindern auf der Zielgeraden.

"Das war total würdig. Es war der beste Rahmen, den wir uns unter diesen Umständen wünschen konnten", sagte Böhm, der zwei Jahre nach Sotchi seine Karriere beendet hatte. "Bei Olympia, viele deutsche Fans, super Wetter, das hat schon alles perfekt gepasst. Der Moment vor zwölf Jahren wäre schöner gewesen, aber das war jetzt wirklich noch einmal etwas ganz Besonderes."

"Ist vom Tisch"

Die verspätete Ehrung wurde möglich, weil im vergangenen Mai Ustjugows jahrelanger Kampf gegen die rückwirkende Sperre, die ihn nicht nur das Staffel-Gold von Sotchi, sondern auch seinen Olympiasieg im Massenstart von Vancouver vier Jahre zuvor kostete, in allen Instanzen abgeschmettert wurde. Neben den Deutschen wurde entsprechend auch der Franzose Martin Fourcade nachträglich zum Olympiasieger.

"Ich freue mich, dass das jetzt wirklich vom Tisch und beendet ist. Und ich kann mich auf eine neue Medaille mit einer neuen Farbe freuen", sagte Deutschlands Startläufer Erik Lesser nach dem finalen Urteilsspruch durch den Internationalen Sportgerichtshof. "Auch nach elf Jahren ist es richtig, dass ein anderer nachrückt, wenn jemand unfair spielt." Ob es sich bei den Medaillen eigentlich um die Originale aus den Händen der Russen handelt? "Ich glaube nicht", sagte Lesser nun lachend. "Ich unterstelle den Russen, dass sie noch einen Kratzer reingemacht hätten, bevor sie sie weggeschickt haben."

Lesser hatte 2022 als letzter aus dem deutschen Gold-Quartett seine Karriere beendet. Das deutsche Team hatte selbst entscheiden dürfen, wo es die neue Medaille überreicht bekommen will. In der Vergangenheit waren korrigierte Medaillen auch schon mal mit der Post zugestellt worden.

Die IBU geht davon aus, dass die Russen im Zuge des Skandals um Staatsdoping bei den Heimspielen in Sotschi 2014 Daten im Moskauer Kontrolllabor manipuliert haben. Zudem waren bei Ustjugow Anomalien in seinem biologischen Blutpass gefunden worden.

Quelle: ntv.de, ter/tno

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