Olympia

"Ist das gelebte Inklusion?!" Rehm wettert über sein Olympia-Verbot

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Rehm ist zum Zuschauen verdammt.

(Foto: imago images/Beautiful Sports)

Markus Rehm wünscht sich, endlich bei den Olympischen Spielen starten zu dürfen. Der Weitspringer bringt die Leistung dafür, aber in Tokio muss er wieder zusehen. Weil der Paralympics-Sieger mit einer Prothese springt, wird ihm die Teilnahme verwehrt. Seine Reaktion darauf ist eindeutig.

Markus Rehms Mundwinkel hingen weit nach unten, völlig bedröppelt verfolgte der Para-Weitspringer die olympische Eröffnungsfeier vor dem Fernseher - die Entscheidung des CAS wurde für ihn zum gewaltigen Stimmungskiller. Der Internationale Sportgerichtshof ließ sein letztes Fünkchen Hoffnung auf eine Olympia-Teilnahme platzen, selbst ein Start in gesonderter Wertung wurde von der höchsten Instanz abgelehnt.

"Natürlich bin ich enttäuscht, dass ein Start - besonders in gesonderter Wertung - nicht möglich ist", schrieb Rehm bei Instagram und machte seinem Ärger Luft: "Es ist schön zu sehen, wie inklusiv die Eröffnungsfeier zelebriert wurde, nur stellt sich für mich die Frage, ob Menschen mit Handicap nur medienwirksam für die eigene Sache/das Image inszeniert werden, oder ob es wirklich gelebte Inklusion ist!?"

Rehm hatte über Wochen und Monate um einen Start bei Olympia gekämpft, wollte unbedingt "ein Zeichen für Inklusion und den paralympischen Sport setzen". Der DOSB setzte den Prothesenspringer auf die Nominierungsliste, doch dann begann die Odyssee. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) fühlte sich nicht zuständig, übergab den Fall an World Athletics.

Der Leichtathletik-Weltverband lehnte eine Olympia-Teilnahme Rehms ab, sodass diesem nur noch der Gang vor den CAS blieb. "Im Olympischen Eid schmückt man sich mit Inklusion, Gleichberechtigung und weiteren edlen Werten ... für diese Werte stehen Sportler, Trainer und Kampfrichter! Verbände und deren Funktionäre schwören diesen Eid nicht, warum eigentlich?", fragte Rehm.

"Geht mir nicht um eine Medaille"

Der dreimalige Paralympics-Sieger hatte die Hoffnung, mit einem Olympia-Start "eine nachhaltige Veränderung anzustoßen. Und aus diesem Grund geht es mir nicht um eine Medaille, sondern um die Botschaft", sagte der 32-Jährige zuletzt. Die Grundlage für eine Startberechtigung sah er in einem Urteil des CAS aus dem vergangenen Jahr, in dem die Beweispflicht bezüglich eines möglichen Vorteils durch die Prothese umgekehrt wurde.

Für Friedhelm Julius Beucher gab es dadurch "keine Argumente mehr, eine Olympia-Teilnahme von Markus Rehm zu verwehren", so der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS). Auch Rehm selbst gab sich optimistisch, da bisherige Studien keinen Vorteil durch die Prothese nachweisen konnten. Und doch entschied der CAS anders, zu den Gründen für den Richterspruch gab es zunächst keine Informationen.

Den verlorenen Kampf will Rehm nun schnell abhaken, schließlich steht sein eigentlicher Höhepunkt mit den Paralympics noch bevor. "Ich bereite mich jetzt weiter auf MEINEN Wettkampf vor", kündigte der Leverkusener an: "Und ja, vielleicht mit ein bisschen mehr Motivation als zuvor!"

Quelle: ntv.de, ara/sid

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