Olympia

Erster Schatten über Olympia Schnelle Sprints wecken mächtige Zweifel

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Eins der schnellsten Rennen, die es je gab.

(Foto: imago images/AFLOSPORT)

Im olympischen 100-Meter-Finale der Frauen läuft Elaine Thompson-Herah die zweitschnellste Zeit der Leichtathletik-Geschichte. Doch manchen fällt es schwer, an Leistungen dieser Art zu glauben. Auch, weil die Spiele in Tokio ihrem ersten Dopingskandal entgegenblicken.

Elaine Thompson-Herah schielte nach ihrem Sprint in die Geschichtsbücher sofort auf den Weltrekord, daheim in Kingston schmiss Usain Bolt eine spontane Hausparty nach Jamaikas 100-Meter-Sweep. Doch auf dem schnellsten Rennen der Olympia-Historie lag ein dunkler Schatten: Nur wenige Stunden vor dem Finale von Tokio war die nigerianische Mitfavoritin Blessing Okagbare nach einem positiven Dopingtest ausgeschlossen worden. Die Mär von sauberen Spielen ist damit dahin.

"Ich wusste, dass ich das in mir habe", sagte unterdessen die 29 Jahre alte Thompson-Herah, nachdem sie bei Gegenwind (!) in 10,61 Sekunden den 33 Jahre alten Olympiarekord der sagenumwobenen Florence Griffith-Joyner um eine Hundertstel unterboten hatte: "Es war ein fast perfektes Rennen."

Die Sprintentscheidung wurde zur jamaikanischen Machtdemonstration. Hinter Thompson-Herah, die ihren Olympiasieg von 2016 wiederholte und nun wie vor fünf Jahren das goldene 100/200-Double schaffen kann, sicherten sich Thompson-Herahs Erzrivalin Shelly-Ann Fraser-Pryce (10,74) und Shericka Jackson (10,76) mit Weltklassezeiten Silber und Bronze. "1 - 2 - 3!", twitterte der euphorisierte Sprint-Rentner Bolt - und tanzte in seinem Haus mit Kumpels wild umher.

Der unantastbare Weltrekord wirkt nicht mehr unmöglich

"Ich will nicht wissen, was in Jamaika jetzt los wäre, wenn es keine Pandemie gäbe", meinte die 34 Jahre alte Fraser-Pryce, die ihr drittes 100-Meter-Gold nach 2008 und 2012 verpasste. Und das ausgerechnet gegen Thompson-Herah, mit der sie ein gelinde gesagt schwieriges Verhältnis hat. "Ich werde nicht sagen, wer was mehr verdient. Alle Athleten arbeiten extrem hart", sagte sie nur.

Die "Pocket Rocket" selbst war 2021 mit 10,63 Sekunden so schnell wie vor ihr nur die 1998 mit 38 Jahren verstorbene Griffith-Joyner gelaufen. Nun krallte sich Thompson-Herah Platz zwei der Bestenliste, plötzlich ist der scheinbar unantastbare Weltrekord von "Flo-Jo" (10,49) in Reichweite.

"Ich hätte schneller laufen können, wenn ich nicht so früh gejubelt hätte", sagte Thompson-Herah: "Das zeigt, dass ich mehr in mir habe und das hoffentlich auch irgendwann freisetzen kann." Doch spätestens da wird es problematisch.

Weniger Kontrollen, mehr gute Leistungen

Die Leistungsexplosion im Frauensprint gerade in Zeiten pandemiebedingter Kontrollmängel hat ohnehin einen faden Beigeschmack. Wenn dann noch eine Sprinterin an einem Weltrekord aus Zeiten hemmungsloser Manipulation kratzt, an dem sich auch spätere Doping-Sünderinnen wie Marion Jones vergeblich versucht haben, sind Zweifel erlaubt.

Thompson-Herahs Traumlauf fiel zudem noch auf einen Tag, an dem eine ihrer schnellsten Konkurrentinnen womöglich als Betrügerin enttarnt wurde. Am Samstagmorgen teilte die unabhängige Athletics Integrity Unit des Weltverbandes World Athletics mit, dass eine Trainingsprobe Okagbares kurz vor den Spielen positiv auf Wachstumshormon ausgefallen sei.

Das Ergebnis lag erst am späten Freitagabend Tokio-Zeit vor, da hatte Okagbare bereits ihren Vorlauf gewonnen. Vor dem Halbfinale wurde die 32-Jährige dann aus dem Verkehr gezogen. Sollte auch die B-Probe positiv ausfallen, hätten die Sommerspiele ihren ersten großen Dopingskandal.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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