Olympia

Staats-Anweisung für Interviews? Verbotenes "Russland" will Olympia prägen

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Vor der Abreise nach Japan gab es noch einen Termin im Kreml bei Präsident Putin.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Eine Mannschaft aus Russland darf bei den Olympischen Spielen zwar antreten. "Russland" heißt das Team aber nicht, auch die Hymne ist ausgeschlossen. Schon die Kleidung sorgt aber für Aufsehen - das bei Interviews zu kritischen Themen aber offenbar unbedingt vermieden werden soll.

Man erkennt sie - ganz ohne ihre Hymne, den Landesnamen und die Flagge. Auch wenn ihr Land seit dem Doping-Skandal im Nachgang der Sotschi-Winterspiele der böse Bube des Weltsports ist, bekennen Russlands Sportler in Tokio bestmöglich (Landes-)Farbe. Die Bekleidung der 329 Athletinnen und Athleten erstrahlt in Weiß-Blau-Rot, manch einer erkennt darin die im Sport derzeit verbotene Flagge des Riesenreichs. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat das Design aber genehmigt, es wirkt wie ein Entgegenkommen.

Der Name Russland ist nämlich ebenfalls aufgrund der Sperre durch die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA bis Dezember 2022 verbannt. Die Sportler treten für das Russische Olympische Komitee (ROC) an, auf ihrer Fahne sind die fünf olympischen Ringe zu sehen, darüber drei Flammen in den Landesfarben. Auch die stolze Hymne wird nicht erklingen, sondern das Klavierkonzert Nr. 1 von Peter Tschaikowsky, wenn ein russischer Athlet Gold gewinnt - und das soll auch bei den 32. Olympischen Sommerspielen möglichst oft passieren.

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Kenia, Russland, Schweiz - aber die russische Flagge musste durch die des ROC ersetzt werden.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

"Wir rechnen damit, 40 bis 50 Medaillen zu gewinnen", sagte ROC-Präsident Stanislaw Posdnjakow der französischen Nachrichtenagentur AFP. Das ist eine stattliche Zahl. Laut dem viermaligen Fecht-Olympiasieger wäre aber unter normalen Umständen weit mehr möglich, denn "die Nationalflagge und die Hymne sind zusätzliche Motivationsfaktoren für jeden Athleten". Überhaupt hat Posdnjakow überschaubares Verständnis für die Sanktionen. Die neue Generation habe "nichts mit den Vorwürfen von 2015 zu tun", so der 47-Jährige.

Herbe Enttäuschung für Wintersport-Fans

Der Ehrgeiz der Sportnation Russland, es mal wieder allen zu zeigen, ist ungebrochen. "Das Thema der Politisierung des Sports ist leider immer noch relevant und wurde nicht von der Tagesordnung gestrichen", äußerte Staatspräsident Wladimir Putin zuletzt und mahnte: "Die Rechte und Interessen unserer Athleten müssen vor jeglicher Willkür geschützt werden." Regierungstreue Influencer riefen in der Folge dazu auf, Posts in den sozialen Netzwerken im Zusammenhang mit den Spielen mit dem Hashtag "WeWillROCyou" zu versehen.

Russische Medien enthüllten zuletzt, dass das ROC seine Athletinnen und Athleten um die Fahnenträger Sofia Welikaja (Fechten) und Maxim Michailow (Volleyball) mit Spickzetteln versorgt hat, in denen ihnen ebenso mundgerechte wie nichtssagende Antworten auf heikle Themen wie sexuelle Belästigung, die Annexion der Krim, Black Lives Matter oder Doping serviert wurden.

Überhaupt Doping: Weil der Leichtathletik-Verband RUSAF weiter vom Weltverband suspendiert ist, sind in der einstigen russischen Domäne in Tokio nur zehn Athleten am Start, darunter Hochspringerin Maria Lassizkene oder der kürzlich erst vom Dopingverdacht freigesprochene Hürdensprinter Sergej Schubenkow. Der Doping-Kampf sei auf einem guten Weg, beteuert Posdnjakow. Man hoffe "aufrichtig, dass es keine Doping-Probleme bei diesen Spielen geben wird. Wir machen uns für Null-Toleranz beim Doping stark."

Einige Sportfans in Russland werden dennoch enttäuscht sein. Immerhin acht Prozent gaben in einer Umfrage des Zentrums für das Studium der öffentlichen Meinung an, sich besonders auf die Eiskunstlauf-Wettbewerbe zu freuen. Drei Prozent wollen Biathlon auf keinen Fall verpassen ...

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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