Olympia

Gold, Silber - "unbeschreiblich" Wellingers Olympia-Wahnsinn geht weiter

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Gold verloren? Silber gewonnen! So sah es Andreas Wellinger nach dem Springen von der Großschanze.

(Foto: AP)

Eine Winzigkeit fehlt Skispringer Andreas Wellinger zum zweiten Olympia-Gold in Pyeongchang. Aber auch Silber fühlt sich für den 22-Jährigen an wie ein Sieg. Denn verhindert wird Wellingers Gold-Coup von einem, der nun zu den größten Skispringern überhaupt zählt.

Andreas Wellinger wollte die ganze Welt umarmen: Nach seinem zweiten Medaillencoup fiel der erfolgreichste Skispringer von Pyeongchang jedem Teamkollegen einzeln um den Hals, dann stürzte er freudestrahlend auf Bundestrainer Werner Schuster zu. Seinen zweiten Olympiasieg hatte Wellinger zwar um lausige 1,9 Meter verpasst, war diesmal "nur" zu Silber auf der Großschanze geflogen. Aber das war Wellinger im grenzenlosen Freudentaumel schnurzpiepegal.

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Olympische Überflieger: Wellinger teilte sich das Podest mit Gold-Mann Kamil Stoch und dem Norweger Robert Johansson (r.).

(Foto: AP)

"Was hier abgeht, das ist der absolute Wahnsinn. Diese Spiele sind unbeschreiblich", jubelte der 22-Jährige und verlangte sogleich nach seiner gewohnten Belohnung: "Auch wenn wir hier übermorgen noch ein Mannschaftsspringen haben - ein Weißbier geht schon." Und das hatte er sich redlich verdient.

Es brauchte nämlich schon einen anderen Wahnsinns-Kerl, um Wellingers zweiten Olympiasieg in Südkorea zu verhindern: den polnischen Volkshelden Kamil Stoch, der nach seinem Doppel-Gold von Sotschi erneut triumphierte. Doch auch so herrschte im Lager der DSV-Adler angesichts der neuerlichen Schanzen-Party schiere Euphorie.

"Das ist riesig", fand Schuster, für den die koreanischen Festspiele schon vor dem abschließenden Teamwettkampf am Montag (13.30 Uhr) Höhepunkt seiner Trainerlaufbahn sind: "Andi hat es wieder auf den Punkt gebracht, es ist so toll, mit ihm zusammenzuarbeiten."

"Von Sprung zu Sprung gesteigert"

Natürlich durfte Wellinger seinen zweiten Platz hinter Stoch und vor dem Norweger Robert Johansson wie einen Sieg feiern. Schließlich hatte er einen Wettkampf abgeliefert, in dem er absolut am oberen Limit agierte. Nach zwei tadellosen Sprüngen auf 135,5 und 142,0 Meter lag Wellinger 3,4 Punkte hinter Stoch. Der flog zwar nur auf 135,0 und 136,5 Meter, profitierte aber von Bonuspunkten aufgrund der schlechteren Windunterstützung.

"Es ist echt geil. Ich habe mich von Sprung zu Sprung gesteigert", sagte Wellinger, der nur schwer die Umstellung auf die Großschanze gepackt hatte, dann aber auf einmal wieder ganz vorne dabei war: "Wie ich das geschafft habe? Gute Frage, nächste Frage." Das Glück Wellingers sorgte auch bei seinen teils etwas unglücklichen Kameraden für aufrichtige Freude. "Es ist so schön, ihm zuzuschauen. Andi ist wahnsinnig cool", sagte Richard Freitag. Eine große Reaktion des Sachsen, zumal sein Traum von einer olympischen Medaille gerade geplatzt war: Erneut nur Platz neun.

Freitag muss auf Teamchance hoffen

Freitag, der im zweiten Durchgang Windpech hatte, nahm es gefasst. "Die Sprünge hätten aber auch so nicht gereicht. Es muss jetzt einfach weitergehen", sagte er. Freitag erhält eine neue Chance auf Edelmetall am Montag - 2014 in Sotschi war der formschwache Sachse aus dem Team geflogen, das ohne ihn Gold holte.

Mit dem als Siebter glänzend positionierten Karl Geiger und Markus Eisenbichler (14.) ist für das DSV-Quartett auch in Pyeongchang der Griff nach dem Olympiasieg möglich. "Um die Medaillen wollen wir auf jeden Fall kämpfen", sagte Wellinger - für ihn wäre es die Kirsche auf dem Sahnehäubchen seiner Olympia-Bilanz. Nach seinem Teamerfolg von Sotschi und seinem Gold in Südkorea hat er nun als zweiter deutscher Skispringer nach Jens Weißflog Edelmetall in allen drei olympischen Wettbewerben geholt. Weißflog war bei seinem Olympiasieg 1994 auch der zuvor letzte deutsche Springer, der eine Medaille auf der Großschanze gewonnen hatte.

In den Kreis der Allergrößten stieg unterdessen Stoch auf, der nach dem "Grand Slam" bei der Vierschanzentournee eine überragende Saison krönte. Zweimal in Folge Großschanzen-Sieger bei Olympia - das hatte vor "König Kamil", der im ersten Wettkampf von Pyeongchang noch leer ausgegangen war, nur der berühmt-berüchtigte Finne Matti Nykänen geschafft.

Quelle: ntv.de, Christoph Leuchtenberg, Erik Roos, sid

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