Technik

Ende von Intel-Prozessoren Apple startet WWDC mit Paukenschlag

Zu Beginn seiner Entwicklerkonferenz WWDC stellt Apple seine neuen Betriebssysteme für iPhones, iPads, Mac-Computer und andere Geräte vor. Der große Paukenschlag sind aber die neuen hauseigenen ARM-Chips für Mac-Rechner, die die Computer unter anderem kompatibel mit iOS-Apps machen.

Wegen der Corona-Pandemie fand auch Apples Entwicklerkonferenz erstmals ausschließlich virtuell als Streaming-Event statt. Das merkte man bei der Keynote zur Eröffnung eigentlich nur am fehlenden Beifall. Ansonsten spulten Tim Cook und sein Team die Show so souverän wie immer ab.

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Unter iOS 14 kann man Widgets frei auf dem Homescreen platzieren.

(Foto: Screenshot)

iOS wird übersichtlicher

Nachdem der Apple-Chef kurz auf die Pandemie und die Massendemonstrationen gegen Polizeigewalt in seinem Land eingegangen war, ging es ohne das übliche Selbstlob zur Einstimmung, das ja Applaus verlangt hätte, mit iOS 14 zur Sache. Das Betriebssystem erhält eine neue App-Sammlung, in der Nutzer wie bei Android einen schnellen Überblick über die installierten Anwendungen bekommen können. Außerdem hat Apple die Widgets überarbeitet. Es gibt sie jetzt in verschiedenen Größen und man kann sie auch auf dem Homescreen wie eine App platzieren.

Große Aufmerksamkeit widmete der Konzern dem digitalen Assistenten Siri, der nützlicher werden soll und endlich den Rückstand zum Google Assistant aufholen soll. So kann man über Siri unter iOS 14 nicht nur Anwendungen sofort als Widget starten, es gibt auch eine neue Übersetzer-App, die man über den Assistenten steuern kann. Auch die Nachrichten-App wurde überarbeitet. Unter anderem kann man Unterhaltungen oben anpinnen und es gibt neue Emojis - auch eins mit Maske.

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Dieses neue Emoji hat große Symbolkraft.

US-Radler haben Vorsprung

Apple Karten erhält unter anderem mehr Funktionen für Fahrradfahrer und Infos für Fahrer von E-Autos. Allerdings bleiben die Verbesserungen wie schon vorangegangene Neuerungen zunächst wenigen Städten beziehungsweise englischsprachigen Ländern vorbehalten.

Mit Car Key kann das iPhone künftig Autoschlüssel ersetzen und man kann per iMessage den Zugang zum Fahrzeug mit anderen Personen teilen. Dabei ist es möglich, den virtuellen Schlüssel an Bedingungen zu knüpfen, beispielsweise den Einsatz auf ein bestimmtes Gebiet oder bestimmte Uhrzeiten zu beschränken. BMW ist hier der erste Partner von Apple.

App Clips sind eine Art Mini-Apps, die eingesetzt werden können, ohne eine Anwendung installieren zu müssen. Sie scheinen besonders praktisch zu sein, wenn es darum geht, einen schnellen Einkauf zu machen - den man dann natürlich mit Apple Pay bezahlen kann.

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Handschriftliche Eingaben werden künftig überall automatisch in Text verwandelt.

(Foto: Screenshot)

Handschrift kommt wieder in Mode

iPadOS 14 bekommt nicht nur die meisten neuen Funktionen von iOS 14, sondern auch ein paar spezielle Extras. Eine neue Seitenleiste bringt in Apps mehr Übersicht und die Suche ist universeller einsetzbar. Wer einen Apple Pencil nutzt, kann jetzt an vielen Stellen handschriftliche Eingaben machen, die automatisch in Text umgewandelt werden.

Apple hat auch den Airpods Updates gegönnt. So verbinden sich die Ohrhörer jetzt bei Gerätewechseln automatisch neu und sie bekommen mit Spatial Audio ein neues Surround-Sound-Feature, das auch Kopfbewegungen berücksichtigt.

WatchOS 7 bringt neue Ziffernblätter mit mehr Komplikationen und die Möglichkeit, die Ziffernblätter mit anderen Nutzern zu teilen. Karten bietet jetzt auch auf Apple Watches Infos für Radler, aber hier gilt das Gleiche wie bei iOS 14: vorerst nicht in Deutschland. Die Aktivitäten-App heißt jetzt Fitness-App und wird übersichtlicher und umfangreicher. Die Watch soll künftig Nutzer außerdem dabei unterstützen, besser zu schlafen.

Sicherheit als Verkaufsargument

Um zu beweisen, dass Apple das Unternehmen ist, das die Privatsphäre und Sicherheit seiner Nutzer mehr respektiert als Konkurrenten, erhalten Nutzer mit den kommenden Updates weitere Kontrollmöglichkeiten. So werden sie unter anderem noch deutlicher darauf hingewiesen, wenn eine App den Standort oder die Kamera verwendet und der Safari-Browser soll noch effektiver Tracking unterbinden.

Mehr Sicherheit sollen auch neue Home-Funktionen bringen, beispielsweise eine Gesichtserkennung für Überwachungskameras. Wer damit nichts anfangen kann, erhält auch unterhaltsame neue Steuerungsmöglichkeiten, beispielsweise für stimmungsvolles Umgebungslicht.

Bei Apple TV ging es weniger um Software-Updates als um neue Serien und Filme, die via Apple TV+ demnächst zu sehen sein werden. Highlight ist "Foundation" nach Isaac Asimov.

Macs stehlen iPhones und iPads die Show

Höhepunkt der Apple-Show waren tatsächlich die zuletzt etwas stiefmütterlich behandelten Macs. Das nächste Betriebssystem macOS wird Big Sur heißen. Mit ihm sollen die größten Design-Änderungen kommen, seit macOS vorgestellt wurde. Das Betriebssystem wurde bis ins kleinste Detail hinein verändert, soll luftiger und übersichtlicher und gleichzeitig einfacher zu bedienen sein.

Unter anderem gibt es eine anpassbare Menüleiste mit einem völlig neuen Kontrollzentrum, das einen schnellen Zugriff auf die Bedienelemente vom Desktop aus ermöglicht. Eine aktualisierte Mitteilungszentrale umfasst mehr interaktive Benachrichtigungen und neu gestaltete Widgets in verschiedenen Größen, die den Anwendern mehr relevante Informationen auf einen Blick liefern sollen.

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macOS erhält ein völlig überarbeitetes Design.

(Foto: Screenshot)

Auch Safari soll eines der bisher größten Updates erhalten. Dabei geht es vor allem um Geschwindigkeit, der Browser soll jetzt 50 Prozent schneller als Google Chrome sein. Ein neuer Info-Button informiert Nutzer über Tracking-Gewohnheiten einer Webseite. Es gibt eine aufgepeppte Tab-Ansicht und schließlich erhält Safari neue Erweiterungen, denen Nutzer für eine Sitzung oder eine bestimmte Zeit Berechtigungen erteilen können.

ARM-Chips auf allen Geräten

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Dann der Paukenschlag: Tim Cook gab das offizielle Ende von Intel-Prozessoren in Macs bekannt. In Zukunft wird Apple seine eigenen Chips verwenden, die "Apple Silicon" heißen. Es gehe vor allem darum, Chips mit möglichst viel Leistung, bei möglichst niedrigem Energieverbrauch zu verwenden, so Abteilungsleiter Johny Srouji. Und: Man werde dann die gleiche Prozessor-Architektur auf allen Geräten haben. Das heißt, die neuen Mac-Chips sind ARM-Chips. Das bringt eine große Kompatibilität zwischen Macs, iPhones und iPads. Dies geht so weit, dass iOS-Apps künftig ohne Anpassung auf Macs laufen sollen. Umgekehrt sollen ältere Anwendungen weiter auf Apple-Silicon-Computern funktionieren.

Macs mit Intel-Chips sollen aber nicht vernachlässigt werden, es kämen auch noch weitere Computer mit Pentium-Prozessoren, sagte Cook zum Abschluss. Das muss auch so sein, denn der erste Apple-Silicon-Mac soll zwar schon Ende des Jahres auf den Markt kommen. Die Umstellung werde aber rund zwei Jahre dauern, so Cook.

Quelle: ntv.de