Technik

Kleiner Preis, große Kamera Das Nokia 7 Plus macht mächtig Eindruck

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Das Nokia 7 Plus hat eine Dual-Kamera mit Zeiss-Optik.

jwa

Das Nokia 7 Plus ist ein starkes Smartphone. Design und Verarbeitung sind prima, Leistung, Ausstattung und Preis stimmen und die Kamera macht gute Bilder. Gibt's auch einen Haken?

Vier neue Nokia-Smartphones hat Hersteller HMD Global auf dem Mobile World Congress vorgestellt. Das größte von ihnen ist das Nokia 7 Plus - ein 6-Zoll-Gerät mit schickem Design, Dual-Kamera und prima Leistung. Es ist zwar nicht das Flaggschiff des neuen Quartetts, doch seine Leistung ist für fast alle Lebenslagen ausreichend, die Software topaktuell und seine Ausstattung lässt kaum Wünsche offen. Endgültig attraktiv wird es durch seinen Preis.

Technische Daten

  • System: Android 8.1
  • Display: 6 Zoll, LCD, Full HD+ (2160 x 1080 Pixel)
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 660
  • Arbeitsspeicher: 4 GB
  • Interner Speicher: 64 GB + microSD
  • Kamera: Dual-Kamera 12MP, f/1.75 + 13 MP, f/2,6
  • Frontkamera: 16 MP
  • LTE Cat. 6, WLAN ac, Bluetooth 5.0
  • USB-C
  • Akku: 3800 mAh
  • Abmessungen: 158,38 x 75,64 x 7,99 mm (mit Kamera 9,55 mm)
  • Gewicht: n.A.

Von vorne betrachtet erinnert das Nokia 7 Plus an Googles Pixel 2 XL. Beide haben ein mächtiges 6-Zoll-Display im 18:9-Format, eingefasst in einen schwarzen Rahmen und mit sanft abgerundeten Ecken. Ein Blick auf die Datenblätter der beiden XL-Smartphones zeigt: Sie sind auch fast gleich groß, Höhe, Breite und Dicke unterscheiden sich nur geringfügig. Auch die Software ist weitgehend die gleiche. Denn Nokia setzt auf pures Android und nach einem Update läuft das 7 Plus mit Android 8.1 und dem aktuellsten Sicherheitspatch, Stand 1. April 2018. Vorbildlich! Googles Flaggschiff kostet allerdings aktuell mindestens 740 Euro, das Nokia 7 Plus 400 Euro. 

Merkt man den Unterschied?

Der Preisunterschied ist hoch, doch macht er sich auch im Alltag bemerkbar? Tatsächlich macht das Nokia 7 Plus einen guten Eindruck und lässt kaum etwas vermissen. Das Display sieht klasse aus und leuchtet hell, dass es "nur" Full HD+ hat, stört nicht im Geringsten. Auf Wischgesten und Tipper reagiert es nicht ganz so blitzschnell wie manch ein High-End-Smartphone, störende Verzögerungen gibt es beim Navigieren durch die Benutzeroberfläche aber nicht.

Der Snapdragon 660 ist ein aktueller Mittelklasse-Prozessor, der zwar keine Spitzenleistungen erbringt, aber im Alltag völlig ausreicht. Nur bei grafikintensiven Anwendungen gerät er ins Ruckeln, das zeigt ein Testdurchlauf mit dem Antutu-Benchmark. Die Speicherausstattung ist zudem großzügig: Mit 4 Gigabyte Arbeitsspeicher und 64 Gigabyte internem Speicher ist das 7 Plus so gut bestückt wie das Pixel 2 auch, ein microSD-Steckplatz ist zusätzlich dabei - der fehlt bei Googles Flaggschiff.

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Erinnert von vorne ans Pixel 2 XL: das Nokia 7 Plus.

(Foto: jwa)

Die Kamera-App ist eine der wenigen Ausnahmen von Nokias Android-pur-Strategie. Hier setzen die Finnen auf eine eigene Benutzeroberfläche, und die ist gelungen. Per Wischgesten über den Auslöser wechselt man zwischen Profi- und Automatikmodus und öffnet die manuellen Einstellungen. Die wichtigsten Optionen findet man oberhalb des Sucherbildes, darunter auch den Wechsel auf den Dual-Sight-Modus, bei dem Haupt- und Frontkamera gleichzeitig ein Bild machen. Diese Funktion bietet außer Nokia niemand. Doch im Praxiseinsatz findet man nicht immer den passenden Bildausschnitt für beide Kameras, Autofokus oder Belichtungsmessung durch Antippen funktionieren zudem nicht. Fazit: mehr Spielerei als Killer-Feature.

Gute Bildqualität

Die Bildqualität an sich ist aber auch viel wichtiger, und die kann überzeugen. Die Dual-Kamera mit Zeiss-Optik macht gute Fotos. Der Unschärfe-Effekt "Live-Bokeh" arbeitet genau und liefert ansprechende Ergebnisse. Die zweite Kamera bietet einen Zweifach-Zoom, der sich besonders für Porträtfotos eignet. Auch die Frontkamera hat einen Bokeh-Modus, mit dem ansprechende Selfies gelingen.

Die ersten Testfotos sehen für ein 400-Euro-Smartphone klasse aus, das Nokia 7 Plus kommt an aktuelle Top-Smartphones heran. Im Gebrauch zeigen sich dann aber doch kleinere Schwächen. Unter anderem geraten Motive mit hohem Kontrast schnell etwas zu dunkel. Für scharfe HDR-Fotos braucht man eine ruhige Hand, weil der Prozessor fürs Verarbeiten länger braucht, und die HDR-Automatik greift im Grunde nie.

Hier zeigen sich dann doch Unterschiede zu Googles Pixel-2-Kamera, die das Datenblatt nicht offenbart: Denn demnach wäre die Hauptkamera mit 12 Megapixeln, einer großen Offenblende von f/1.75 und einem Sensor mit 1,4 Mikrometer großen Bildpunkten der Pixel-2-Kamera zumindest technisch ebenbürtig. Die zweite Kamera mit Tele-Linse hat 13 Megapixel und eine Blende von f/2.6, die Frontkamera bringt es auf 16 Megapixel.

Kaum ein Gegenargument   

Trotzdem hat das 7 Plus den wichtigsten Test schon bestanden, denn gegen ein ausreichend leistungsstarkes Smartphone mit guter Kamera für 400 Euro gibt es kaum ein Argument. Die Kamera gehört bei Smartphones zu den größten Preistreibern, und in der Preisliga unterhalb der 500-Euro-Grenze spielt das 7 Plus weit vorne mit. Aber auch beim Akku kann es überzeugen: Die Kapazität von 3800 Milliamperestunden reicht locker für anderthalb Nutzungstage.

Mit diesem starken Gesamtpaket ist das Nokia 7 Plus ein Volltreffer. Einziger Kritikpunkt ist seine Größe. Manche werden das mächtige Display lieben und sich über viel Platz freuen, anderen wird das Smartphone schlicht zu groß sein - in eine durchschnittliche Hosentasche passt es jedenfalls nicht, ohne oben herauszuschauen. Das ist besonders für Fans von kompakten Smartphones schade, denn das kleinere, aber noch stärkere Flaggschiff Nokia 8 Sirocco ist deutlich teurer, und das neue Nokia 6 (beide 5,5 Zoll) ist zwar noch günstiger, aber auch deutlich schwächer ausgestattet und zudem kaum kleiner als das 7 Plus.

Quelle: n-tv.de

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