Technik

Potenzial nicht ausgeschöpft Das neue Apple TV hat Zukunft

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Für das neue Apple TV gibt's auch schon eine n-tv-App.

(Foto: kwe)

Es fällt schwer, das neue Apple TV zu beurteilen, da die Set-Top-Box  ihre Möglichkeiten noch nicht wirklich ausschöpft.  Es ist ein wenig wie beim ersten iPhone: Vieles hängt von kommenden Apps und  Updates ab.

Apple hat sich dreieinhalb Jahre Zeit gelassen, bevor es eine neue Set-Top-Box für Fernseher auf den Markt gebracht hat. Kein Wunder also, dass sie  technisch besser als das Vorgänger-Modell ist. Das ist aber nicht die wichtigste Neuerung, Die vierte Generation des Apple TV kommt mit neuem Betriebssystem tvOS und App Store in die Wohnzimmer. Ob es deshalb schon die versprochene "Zukunft des Fernsehens" ist, hat n-tv.de getestet.

Starkes Innenleben

Nach dem Auspacken fällt zunächst auf, dass Apples Box ein gutes Stückchen zugenommen hat und jetzt mit 35 Millimetern deutlich dicker als das Vorgängermodell oder das neue Amazon Fire TV ist. Dafür ist das Apple TV 4 mit einem A8-Chip und 2 Gigabyte Arbeitsspeicher aber auch wesentlich kräftiger geworden, was vor allem der Grafikleistung zugutekommt. Auf der Rückseite hat die Box Stromanschluss, HDMI- und LAN-Buchse. Außerdem gibt's für Wartungsarbeiten einen USB-C-Eingang. Das war's. Apple bietet das Gerät mit 32 Gigabyte internen Speicher für 179 Euro an, die 64-Gigabyte-Version kostet stolze 50 Euro mehr. Da Apple TV ein Streaming-Gerät ist und gekaufte Inhalte oder Apps nicht immer installiert sein müssen, gibt es kaum Gründe, die teurere Variante zu kaufen.

Vielseitige Fernbedienung

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Die Fernbedienung hat eine Siri-Taste, die mattere Fläche vorne ist ein Touchpad.

(Foto: kwe)

Spektakulärer als die schlichte schwarze Box ist die neue Fernbedienung des Apple TV. Ihre Elektronik steckt in einem eleganten Gehäuse bestehend aus Aluminiumschale, Glasauflage und Kunststoff-Touchpad. Dazu hat die Fernbedienung eine Menü-Taste und einen Knopf, um die Sprachassistentin Siri aufzurufen, vorne sind zwei kleine Mikrofone. Außerdem besitzt die Bluetooth-Steuerung zusätzlich einen Infrarotsender an der Spitze, über die die Lautstärke direkt am Fernseher geregelt wird, falls dies nicht über HDMI möglich ist. Was nicht zu sehen ist: Im Inneren hat Apple Lage- und Bewegungssensoren untergebracht. Mit der Fernbedienung manövriert man über Wischbewegungen auf dem Touchpad sehr bequem auch durch längere Listen und große Auswahlen. Bei Spielen dient sie als Controller.

Eine gelungene Premiere feiert die digitale Assistentin Siri auf Apple TV. Hält man die Mikrofon-Taste auf der Fernbedienung gedrückt, kann man gezielt nach Titeln oder Apps suchen und sie auch starten. Bei Filmen und Serien bevorzugt Siri dabei nicht iTunes, sondern zeigt Treffer auch in anderen Angeboten an. Die Sprachsuche akzeptiert dabei auch detailliertere Anfragen und Einschränkungen. Unter anderem kann nach Streifen eines bestimmten Genres gesucht und dann die Auswahl durch weitere Anweisungen eingeschränkt werden. Beispielsweise kann man sich nur Serienfolgen mit einem bestimmten Schauspieler anzeigen lassen. Das funktioniert in Deutschland derzeit allerdings nur in iTunes und teilweise in Netflix, andere App-Entwickler müssen die Siri-Unterstützung erst noch einbauen. Auch bei allgemeinen Suchen ist Siri auf Apple TV noch nicht so begabt wie auf dem iPhone.

Remote-App nicht kompatibel

Eingerichtet ist das Apple TV im Handumdrehen, vor allem wenn man ein iPhone hat, von dem das Gerät die Einstellungen übernehmen kann. Muss man Passwörter eingeben, fragen sich Besitzer von anderen Apple-Geräten allerdings, warum sie nicht die Remote-App verwenden können, um bequem die Eingaben zu tippen. Stattdessen müssen Buchstaben, Zahlen und Zeichen mühsam mit der Fernbedienung ausgesucht und angeklickt werden.

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Nutzer können ihre Lieblings-Apps in die erste Reihe ziehen.

(Foto: Apple)

Die Oberfläche des tvOS sieht wesentlich moderner aus als bei den Vorgänger-Boxen und Apple bringt durch animierte Bilder und Symbole hübsche 3D-Effekte auf den Bildschirm. Ansonsten unterscheidet sich Apples Menü nicht sonderlich von denen anderer Set-Top-Boxen. Nutzer sehen in der ersten Reihe groß die Top-iTunes-Filme, darunter Apples iTunes-Apps, Fotos, Musik und den neuen App-Store. Alle weiteren installierten Apps folgen in den nächsten Reihen. Apple gibt Nutzern dabei mehr Freiraum, die Oberfläche selbst zu gestalten. Unter anderem kann man die meistgenutzten Anwendungen ganz oben platzieren. Mehr Organisationsmöglichkeiten sind auch notwendig, da die App-Auswahl durch den neuen Store schon jetzt relativ groß ist. Dazu gehören die Anwendungen von TV-Streamingdiensten wie Netflix, Watchever oder Hulu, die App von n-tv und Spiele. Etwas enttäuschend ist, dass Anwendungen, die bereits fürs iPhone oder iPad gekauft wurden, nochmal bezahlt werden müssen.

Zukunft als Spielkonsole

Spannend sind vor allem die Spiele für tvOS. Zwar ist das neue Apple TV hier keine echte Konkurrenz für PCs, PS4 oder Xbox One, aber Kraft und Ausstattung reichen für mehr als nur für einfache Gelegenheitsspiele aus. Grafisch hat die kleine Box echt was auf dem Kasten. Was mit ihr möglich ist, zeigen bisher allerdings nur wenige Spiele. Dazu gehören "Galaxy On Fire – Manticore Rising", "Shadowmatic" oder "Disney Infinity 3.0 Edition: Star Wars". Grundsätzlich können alle Spiele mit der Fernbedienung gesteuert werden. Doch sobald es komplizierter wird, wünscht man sich einen Controller mit Sticks, Triggern und Steuerkreuz. Kein Problem: Apple TV ist kompatibel mit zahlreichen Controllern, beispielsweise dem Nimbus von SteelSeries.

Sollten in Zukunft die entsprechenden Titel in großer Zahl in den App Store kommen, kann Apples kleine Set-Top-Box als Spielkonsole noch groß rauskommen. Die Anfänge sind vielversprechend. Eine starke Alternative ist auf diesem Gebiet Nvidias Shield Android TV, das Spiele auf PC-Niveau aus dem Internet streamt. Interessant könnten auch Office-Apps oder andere produktive Anwendungen für große Bildschirme sein. Apple müsste dann aber noch die Kompatibilität mit Bluetooth-Tastaturen nachrüsten.

Kein 4K, aber Potenzial

Was TV-Unterhaltung im Sinne von Streamingdiensten betrifft, ist Apple gleichauf mit den Konkurrenten und noch nicht in der Zukunft des Fernsehens angekommen. Das Angebot ist nicht größer und Amazon-Prime-Kunden schauen wie beim Google Chromecast in die Röhre. Erstaunlicherweise ist die Box auch nicht in der Lage, 4K-Videos abzuspielen, obwohl das iPhone Aufnahmen mit dieser Auflösung machen kann. Das mag zwar jetzt noch keine Rolle spielen, aber das Gerät soll ja die Zukunft des Fernsehens sein. Ansonsten bekommen Käufer mit dem Apple TV die zur Zeit am komfortabelsten zu steuernde TV-Streaming-Box, die Potenzial hat. Sie muss es nur noch ausspielen.

Quelle: ntv.de

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