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Was geht im Hintergrund ab? Die Corona-Warn-App ist nicht alleine

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Die Corona-Warn-App leidet wie viele andere Apps unter rigorosen Einschränkungen der Hintergrundaktivitäten durch Smartphone-Hersteller.

(Foto: kwe)

Nicht nur die Corona-Warn-App hat Probleme, weil Hersteller die Laufzeit ihrer Smartphones verlängern wollen. Es trifft auch viele andere Anwendungen, vor allem E-Mail- und Messenger-Apps. Die Entwickler von Threema machen ihrem Ärger Luft und erklären, was im Hintergrund abläuft.

Weil Nutzer im Ernstfall zu spät oder gar nicht benachrichtigt worden wären, wird die Corona-Warn-App derzeit heftig kritisiert. Doch obwohl man Entwicklern und Bundesregierung vorwerfen kann, nicht offensiv genug darüber informiert zu haben, sind sie an den technischen Problemen wahrscheinlich gar nicht schuld. Denn für die Funktion, die Schwierigkeiten macht, sind sie gar nicht zuständig, sondern die Smartphone-Hersteller. Und die Corona-Warn-App ist auch bei weitem nicht die einzige betroffene Anwendung.

Das aktuelle iPhone-Versagen hat wohl Apple zu verantworten, das beim Betriebssystem einen Fehler gemacht hat, der verhindert, dass Begegnungsdaten im Hintergrund regelmäßig abgeglichen werden. Laut Tagesschau.de hat das US-Unternehmen dies auch zugegeben. Bis Apple die Scharte auswetzt, soll kommende Woche eine vorübergehende Lösung Abhilfe schaffen.

Knallharte Akku-Optimierer am Werk

Bei Android-Geräten sieht die Sache ganz anders aus. Denn hier gibt es viele verschiedene Hersteller, die Googles Betriebssystem ihren Bedürfnissen anpassen. Dazu gehören unter anderem Funktionen, die das Durchhaltevermögen der schmalbrüstigen Smartphones verlängern sollen. Besonders effektiv ist hier, Hintergrundaktivitäten von Apps auf das Nötigste zu beschränken.

Das ist grundsätzlich nicht verkehrt, allerdings schießen dabei einige Hersteller deutlich übers Ziel hinaus und verweigern Anwendungen grundsätzlich die Ausführung im Hintergrund, solange dies der Nutzer in den Einstellungen nicht ändert. Bei den wenigen Ausnahmen handelt es sich um Popstars wie Whatsapp und natürlich die eigenen Anwendungen der Hersteller. Außerdem sind die entsprechenden Einstellungen oft schwer zu finden.

Der Nutzer weiß davon normalerweise nichts, es sei denn der Entwickler weist selbst bei der Installation oder während des Betriebs auf die Problematik hin und zeigt, welche Einstellungen man ändern muss. Das haben SAP und Telekom bei der Corona-Warn-App aber versäumt, beziehungsweise in den häufig gestellten Fragen auf der Website des Projekts versteckt. Jetzt gibt es zwar einen Weg, die "priorisierte Hintergrundaktivität" in den Einstellungen der App direkt zu aktivieren. Doch weder bei der Einrichtung noch zu einem anderen Zeitpunkt werden die Nutzer explizit darauf hingewiesen.

Threema nutzt Gelegenheit

Grundsätzlich liegt das Problem aber bei den Herstellern, die die Corona-Warn-App in ihre Whitelists aufnehmen müssen. Das wird angesichts des großen öffentlichen Interesses wohl auch geschehen beziehungsweise wurde schon umgesetzt. Für andere Entwickler, deren Anwendung weniger große Aufmerksamkeit genießen, ist das allerdings so gut wie unmöglich. Vor allem für Messenger oder E-Mail-Apps ist dies fatal. So nutzt der sichere Whatsapp-Konkurrent Threema die Aufregung um die Corona-Warn-App, um in einem Blogeintrag auf die Missstände hinzuweisen, die nach Meinung des Schweizer Entwicklers auch gegen die offiziellen Richtlinien in Googles "Compatibility Definition Document" (CDD) verstoßen.

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Das CDD definiert, welche Bedingungen Hersteller für eine Android-Version erfüllen müssen. Schon für das aktuelle Android 10 gilt, dass Nutzer über Einschränkungen der Hintergrundaktivitäten informiert werden müssen. Laut "Heise" soll mit der kommenden Version das CDD noch um einen bestimmten Zeitraum und einen Hinweis ergänzt werden, dass die Regel explizit für das Ausschalten von Apps im Hintergrund gilt.

Ein großer Dorn im Auge sind Threema aber auch die "Whitelists". Wenn bei Whatsapp Benachrichtigungen sofort angezeigt würden, bei Threema aber nicht, entstehe der Eindruck, Threema funktioniere nicht richtig, was für einen Instant Messenger verheerende Folgen habe, heißt es im Blogeintrag. Auf "Don't kill my App" kann man sehen, welche Hersteller die Hintergrundaktivitäten besonders rigoros einschränken. OnePlus und Huawei belegen hier die beiden vordersten Plätze, gefolgt von Samsung und Xiaomi. Huawei habe inzwischen reagiert, die anderen Hersteller hätten noch nichts geändert, schreibt Threema.

Quelle: ntv.de