Technik

Remarkable Paper PureDieses digitale Notizbuch ist radikal gut

12.05.2026, 17:43 Uhr Icke-im-WaldVon Klaus Wedekind
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Remarkable Paper Pure Pure Test (1 von 7)
Dieses Gekritzel verwandelt das Gerät problemlos in Text plus To-do-Liste. (Foto: kwe)

Wer ohne Papier handschriftliche Notizen machen möchte, findet im Remarkable Paper Pure vielleicht das perfekte Gerät. Auf keinem anderen E-Ink-Tablet schreibt es sich besser. Es bietet viele Vorlagen und Möglichkeiten, Notizen umzuwandeln und zu teilen. Mehr aber auch nicht, und das hat einen guten Grund.

Um Ideen festzuhalten, Konzepte zu entwickeln, Reisen oder Projekte zu planen oder einfach nur Einkaufs- oder Aufgabenlisten aufzuschreiben, geht für viele Nutzerinnen und Nutzer nichts über handschriftliche Notizen. Unter anderem sind sie oft spontaner und schneller gemacht als getippt. Andererseits entschleunigen sie und ermöglichen es in manchen Situationen, konzentrierter und fokussierter zu arbeiten.

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Das Paper Pure lässt sich einfach öffnen und reparieren. (Foto: kwe)

Das norwegische Unternehmen Remarkable setzt das Konzept radikal um. Seine Tablets bieten praktisch keine anderen Funktionen, sind keine E-Book-Reader oder gar Android-Tablets mit App-Store. Das jüngste elektronische Notizbuch der Skandinavier ist das Remarkable Paper Pure, das sogar auf Farben und Beleuchtung verzichtet. ntv.de hat es ausprobiert.

Schlank und leicht

Das Gerät sieht auf den ersten Blick wie ein sehr schlanker E-Book-Reader aus. Es misst 228,1 x 187,1 x 6,0 Millimeter und ist 360 Gramm leicht. Sein Gehäuse besteht aus griffigem Kunststoff, durch einen Magnesiumrahmen im Inneren ist es verwindungssteif. Damit das Tablet auf glatten Flächen nicht verrutscht, hat es auf der Rückseite vier flache Gumminoppen in den Ecken. Hier sieht man auch Schrauben, über die sich das Gerät unkompliziert öffnen und reparieren lässt.

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Bei Bedarf kann man auch eine Display-Tastatur verwenden. (Foto: kwe)

Auf der Vorderseite hat das Paper Pure ein 10,3 Zoll großes E-Ink-Display im 4:3-Format mit einer scharfen Auflösung von 226 Pixeln pro Zoll (ppi). Auf der linken Seite ist der Rahmen breiter, um das Tablet bequem mit einer Hand halten zu können; Linkshänder können es ganz einfach drehen.

Schwarz-Weiß-Purist

Im Gegensatz zu anderen Geräten des Herstellers kann das Paper Pure keine Farben darstellen und hat auch keine Hintergrundbeleuchtung. Es gibt auch keinen Fingerabdrucksensor im Einschalter. Man könnte sagen, auch das dient dazu, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren, aber die abgespeckte Technik ermöglicht vor allem einen vergleichsweise günstigen Preis von rund 400 Euro. Das Remarkable Paper Pro beispielsweise kostet knapp 650 Euro.

Für weitere 70 Euro erhält man das Paper Pure mit einer schicken und stabilen Hülle, die das Gerät aktiviert oder deaktiviert, wenn man es herausnimmt oder einschiebt. Außerdem hat der Stift dann als Plus-Variante einen digitalen Radiergummi auf der Oberseite.

Die Hintergrundbeleuchtung vermisst man eigentlich nicht, da das Gerät grundsätzlich kein E-Book-Reader für Bettlektüre ist. Notizen in einem stark abgedunkelten Raum fallen schwer, aber solche Situationen dürften eher selten sein. Ansonsten sollte man allgemein nicht ohne ausreichende Beleuchtung arbeiten.

Dass das Panel monochrom ist, kann schon eher ein Problem sein, beispielsweise, wenn man gerne farbige Markierungen macht oder skizzierte Projekte übersichtlich halten möchte. Theoretisch kann man zwar Farben nutzen, aber man sieht sie dann erst, wenn man eine Notiz exportiert und auf einem Farb-Bildschirm betrachtet.

Tolles Schreibgefühl

Ist das kein Problem, ist es eine wahre Freude, auf dem Paper Pure zu schreiben. Auf keinem anderen E-Ink-Tablet mit entsprechender Funktion ist es angenehmer, hat man stärker das Gefühl, tatsächlich mit Papier zu arbeiten.

Neben der rauen Oberfläche spielt hier auch der mitgelieferte Stift (Marker) eine entscheidende Rolle, der magnetisch an der Seite des Tablets haftet und auflädt. Seine Spitze gleitet mit einem ähnlich kratzigen Widerstand wie ein Bleistift über die Oberfläche. Hat man das entsprechende Werkzeug ausgewählt, kann man mit dem Stift auch schraffieren oder die Strichstärke anpassen, indem man den Neigungswinkel ändert. Die Marker-Spitzen nutzen sich ab, sechs Ersatz-Spitzen gehören zum Lieferumfang, ein Ersatzpaket kostet 16 Euro.

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Auch mit so einer Handschrift … (Foto: kwe)

Apropos Werkzeuge: Wie man sie festlegt und einsetzt, hat man schnell gelernt. Dabei helfen auch übersichtliche und leicht verständliche Anleitungen, die vorinstalliert sind und den Einstieg sehr erleichtern. Leider sind sie aber teilweise nur in Englisch abgespeichert. Das Gleiche gilt für weitere Online-Anleitungen, die zwar gut gemacht, aber nicht übersetzt sind.

Manche Funktionen nur mit Abo

Da darf man sich für 400 Euro mehr erwarten. Zumal man für den kompletten Funktionsumfang ein Abo abschließen muss, das ab rund 40 Euro pro Jahr erhältlich ist. Nur dann hat man einen unbegrenzten Cloud-Speicher und Zugriff auf weitere Vorlagen. Ein Abo ist auch Voraussetzung, um auf Smartphones und PCs Remarkable-Apps uneingeschränkt zu nutzen, um Notizen zu bearbeiten oder zu erstellen. Ebenso benötigt man ein Abo, um handschriftliche Notizen zu durchsuchen.

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… hat die KI keine Probleme. (Foto: kwe)

Über die Desktop-Anwendung ist es auch möglich, E-Books als EPUB zu importieren. Man kann die Bücher auf dem Paper Pure dann lesen und mit Notizen und Markierungen versehen, auf Lesezeichen und andere Funktionen wie sie eine echte E-Reader-App bietet, muss man aber verzichten.

Cloud-Anbindung und Browsererweiterung

Der EPUB-Import ist auch ohne Abo möglich. Eine der Gratis-Funktionen ist nämlich die Einbindung eines Cloud-Speichers. Dabei hat man die Wahl zwischen Google Drive, Microsoft OneDrive oder Dropbox. Über den Cloud-Speicher lassen sich ebenfalls PDFs unkompliziert im- und exportieren. Hat man ein Abo, kann man auch Textdateien (.docx/.txt) aufs Tablet holen und dort bearbeiten.

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Ein Klick und der Artikel von ntv.de ist auf dem E-Ink-Tablet. (Foto: kwe)

Eine geniale Möglichkeit, ohne Abo unkompliziert Inhalte auf das Gerät zu holen, ist eine Browsererweiterung für Google Chrome. Ist sie installiert, genügt ein Klick auf das Symbol, um beispielsweise einen Beitrag von ntv.de auf dem Paper Pure zu lesen, zu speichern und mit Notizen und Markierungen zu versehen. Auch für Microsoft Office 365 gibt es ein Add-on, um Dateien zu importieren.

Gelungene Handschrift-Umwandlung

Die Umwandlung von Handschrift in Textdateien ist ebenfalls ohne ein Abo möglich. Allerdings benötigt man eine WLAN-Verbindung, da Notizen dafür an Cloud-Server geschickt werden. Die Umwandlung klappt erstaunlich gut, auch kaum leserliche Kritzeleien werden oft noch richtig erkannt. Die Umwandlung steht auch zur Verfügung, wenn man eine Notiz per E-Mail teilt.

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Den Bildschirm zu teilen, ist kinderleicht. (Foto: kwe)

Eine neue Remarkable-Funktion sind Meeting-Notizen. Um sie zu nutzen, muss man einen Kalender integrieren. Ist dort ein Termin eingetragen, hat man die Option, dazu Notizen zu machen. Teilt man sie, werden sie nicht nur in Text umgewandelt, die KI legt bei entsprechenden Einträgen auch eine To-do-Liste an.

Praktische Meeting-Funktionen

Möchte man in einem Meeting Notizen präsentieren, gibt es zudem die praktische Möglichkeit, den Bildschirm zu teilen. Wenn man in der Desktop-App oder in der Web-Anwendung eine entsprechende Anfrage annimmt, sieht man dort nicht nur die auf dem Tablet ausgewählte Notiz. Änderungen werden ebenfalls nahezu in Echtzeit angezeigt.

Man kann Notizen auch direkt an Slack senden. Allerdings scheitert dies, wenn man bereits einen Kalender und einen Cloud-Speicher mit dem Remarkable-Konto verbunden hat. Denn aktuell gestattet der Hersteller nur zwei Integrationen. Das Gleiche gilt, wenn man den Bildschirm über Miro teilen möchte.

Fazit

Das Remarkable Paper Pure ist wie seine teureren Stallgefährten als digitales Notizbuch aktuell unschlagbar gut. Konkurrenten wie ein Amazon Kindle Scribe Colorsoft oder ein Boox Note Air3 C sind zwar vielseitiger, aber weniger produktiv. Außerdem geht es bei Remarkable ja darum, ohne Ablenkungen zu arbeiten. Allerdings sind auch 400 Euro für einen abgespeckten Spezialisten viel Geld, und für den kompletten Funktionsumfang ist zusätzlich ein Abo nötig.

Quelle: ntv.de