Technik

Weg von Facebooks Messengern Drei gute und sichere Whatsapp-Alternativen

Messenger Apps.jpg

Es muss nicht immer Whatsapp sein: Chatten kann man auch mit anderen Apps.

(Foto: Quelle: jwa)

Facebook will seine Messenger-Dienste Whatsapp, Instagram und den Facebook Messenger zusammenführen. Das hat für die Nutzer nicht nur Vorteile, viele sehen sich deshalb nach anderen Chat-Apps um. n-tv.de stellt drei Alternativen vor.

Mit Whatsapp, Instagram und dem Facebook Messenger gehören gleich drei der weltweit meistgenutzten Chat-Dienste zu Facebook. Dass die strikte Trennung der drei Plattformen schrittweise abgebaut wird, war absehbar, seitdem Facebook Whatsapp 2014 gekauft hat, im Sommer 2016 wurden die AGB bereits dahingehend angepasst. Jetzt hat Facebook einen Bericht der "New York Times" bestätigt, nach dem das Unternehmen die drei Plattformen zusammenführen will. Was bedeutet das, und ist es vielleicht jetzt an der Zeit, sich nach Alternativen umzusehen?

Plattformgrenzen schwinden

Die Zusammenführung der drei Dienste hat für Nutzer vordergründig durchaus Vorteile: Künftig sollen sie über die Plattformgrenzen von Whatsapp, Messenger und Instagram hinweg miteinander kommunizieren können. Es reicht also, wenn die jeweiligen Chatpartner bei einem der drei Dienste angemeldet sind. Alle Nachrichteninhalte sollen zudem verschlüsselt übertragen werden, das ist bisher nur bei Whatsapp der Fall.

Der Nachteil liegt vor allem darin, dass Facebook noch mehr und noch detaillierte Informationen über seine Nutzer erheben kann, wenn es die Nutzungsdaten seiner drei Dienste miteinander kombiniert, etwa wer wann mit wem über welchen Kanal kommuniziert hat. Immerhin: Die Inhalte von verschlüsselten Chats bleiben auch für Facebook geheim.

Was für die einen vor allem praktisch ist, ist für die anderen ein Grund mehr, sich vom Zuckerberg-Imperium und dessen Plattformen abzuwenden. Wer nach Alternativen zu Whatsapp sucht, muss zum Glück nicht lange suchen.

Telegram

Telegram ist eine der bekanntesten Whatsapp-Alternativen. Die kostenlose Chat-App mit dem Papierflieger im Logo wird immer beliebter, vielen gilt sie als das bessere Whatsapp. Bedienung und Funktionen sind ähnlich, die App bietet sichere Chats mit Selbstzerstörungs-Timer - aber nur dann, wenn Nutzer vorher einen geheimen Chat starten. Die App bietet zahlreiche Möglichkeiten, Chats aufzupeppen, etwa durch GIFs, Sprachanrufe unterstützt Telegram inzwischen ebenfalls. Weil Telegram ein Open-Source-Messenger ist, können Nutzer den Quellcode einsehen und selbst Erweiterungen programmieren.  

Die Chatverläufe werden verschlüsselt in der Cloud gespeichert - nur geheime Chats werden ausschließlich auf dem jeweiligen Gerät gesichert. Das hat den Vorteil, dass man von jedem Gerät aus Zugriff auf die Chatverläufe hat, auch vom PC über die Web-App. Zudem kann man Telegram auf beliebig vielen Geräten parallel nutzen, das umständliche Speichern und Wiederherstellen von Backups in der Cloud entfällt. Mit einem öffentlichen Benutzernamen kann man zudem mit anderen chatten, ohne seine Telefonnummer weiterzugeben.

Datenschützer sehen bei Telegram aber auch Mängel, weil zum Beispiel unklar ist, wo die Server stehen, auf denen die Chats gespeichert werden, weil die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nur optional ist und weil der Dienst genau wie Whatsapp automatisch das Telefonbuch abgleicht. Außerdem seien Meta-Daten wie Online-Offline-Zeiten für Angreifer leicht einzusehen und das selbst entwickelte Verschlüsselungsprotokoll der App ist nicht unbedingt sicher.

Threema

Wer vor allem Wert auf Sicherheit und Datenschutz legt, fühlt sich womöglich bei Threema etwas wohler. Die Messenger-App stammt aus der Schweiz und unterliegt den dort geltenden strengen Sicherheitsbestimmungen. Chats werden standardmäßig Ende-zu-Ende verschlüsselt, das Telefonbuch wird nur auf Wunsch abgeglichen. Nutzer haben die Wahl, ob sie ihre E-Mail oder Telefonnummer angeben oder sich mittels einer Threema-ID anonym mit anderen Nutzern verbinden.

Der Funktionsumfang ist ähnlich wie bei Whatsapp und Telegram. Nachrichten werden aber nach eigenen Angaben von der Servern gelöscht, sobald sie zugestellt wurden. Im Jahr 2014 prüfte Stiftung Warentest mehrere Chat-Apps, Threema bekam als einzige das Zertifikat "sicher". Der Preis für die hohe Sicherheit ist zu verkraften: Wer Threema auf Android oder iOS nutzen will, muss einmalig 2,99 Euro zahlen.

Signal

Signal ist wie Threema, nur kostenlos. Das ist zwar etwas vereinfacht gesagt, aber im Grunde trifft es die Vorteile von Signal auf den Punkt. Der Messenger, den es wie alle anderen hier genannten Apps für Android und iOS gibt, gilt als vielseitig und sicher - angeblich nutzt auch Whistleblower Edward Snowden Signal, um abhörsicher zu chatten. Signal bietet im Grunde alle Funktionen, die ein Messenger haben muss, zudem können Nutzer verschlüsselte Telefonate führen.

Bei Signal bekommt jeder Nutzer einen individuellen Schlüssel aus Buchstaben und Zahlen, der jedes Mal neu generiert wird, wenn ein Chat gestartet wird oder man das Smartphone wechselt oder die App neu installiert. Metadaten werden kaum erhoben, Chatnachrichten können mit Selbstzerstörungs-Timer versehen und der Zugriff auf die App mit einer Extra-Sicherheitsebene geschützt werden, etwa durch Fingerabdruck- oder Gesichts-Scan.

Der Quellcode ist wie bei Telegram offen, entwickelt hat das Verschlüsselungsprotokoll die Firma Open Whisper Systems. Es gilt als sehr sicher - und wird auch von Whatsapp genutzt.

Nutzerbasis auch wichtig

Diese drei Apps sind nicht nur wegen ihres Funktionsumfangs die besten Alternativen zu Whatsapp. Wichtig ist bei einem Messenger nämlich nicht nur, was er kann, sondern auch, welche Kontakte ihn noch nutzen. Die Nutzerbasis von Whatsapp ist mit über 1,5 Milliarden überwältigend groß, am nächsten dran ist Telegram mit über 200 Millionen Nutzern.

Threema und Signal sind im Vergleich dazu Nischen-Apps mit deutlich kleinerer Nutzerbasis, trotzdem dürften sich im Bekanntenkreis eine Handvoll Kontakte finden, die diese Apps nutzen oder wenigstens kennen. Wer wirklich von Whatsapp loskommen möchte, muss also unter Umständen in seinem Bekanntenkreis Überzeugungsarbeit leisten, möglichst viele Kontakte zum Umsteigen bewegen und eventuell mehr als eine der hier genannten Alternativen nutzen.

Quelle: n-tv.de