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Apple fehlten Mac-Pro-Schrauben Ein iPhone "Made in USA" ist kaum noch möglich

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Das Label "Made in USA" wird man auf iPhones und iPads wohl nie sehen.

(Foto: REUTERS)

Ein Bericht der "New York Times" zeigt, warum es wohl ein Trump-Traum bleiben wird, iPhones in den USA statt in China herzustellen. Apple musste demnach 2013 die Massenproduktion des Mac Pro "Made in USA" verschieben, weil es nicht genügend Schrauben gab.

Schon bevor US-Präsident Donald Trump vor rund einem Jahr von Apple in einer Rede verlangte, "anzufangen, die verdammten Computer und Dinge in diesem Land zu bauen", hatte das Unternehmen bereits 2012 versucht, mit einem Gerät "Made in USA" sein Image zu verbessern. Apple-Chef Tim Cook kündigte damals an, der neue Mac Pro werde exklusiv in den Vereinigten Staaten hergestellt. Letztendlich wurde aus dem "Herstellen" dann ein "Zusammenfügen" der Geräte in Texas. Das heißt, die Komponenten wurden größtenteils nach wie vor in China hergestellt und lediglich in Texas zusammengebaut. Aber selbst das überforderte offenbar die örtlichen industriellen Möglichkeiten.

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Der Mac Pro wird immer noch in kleinen Stückzahlen in Texas zusammengebaut.

(Foto: Apple)

Einem Bericht der "New York Times" zufolge musste Apple die Auslieferung der zylinderförmigen Hochleistungs-Computer verschieben, weil der ansässige Zulieferer schon in der Testphase nicht in der Lage war, mehr als 1000 Schrauben pro Tag herzustellen. Als schließlich die Massenproduktion startete, habe Apple die Schrauben aus China bezogen, so der Bericht.

Cook schwärmt von China

Der Schrauben-Mangel sei eines von mehreren Problemen gewesen, die die Auslieferung der Mac Pro um Monate verzögerte, sagten die Quellen der "New York Times". Erst im Dezember 2018 kam der Hochleistungs-Rechner schließlich auf den Markt. Die Schwierigkeiten, eine relativ kleine Stückzahl von Rechnern in Texas zusammenfügen zu lassen, illustriere, was Apple erwarten würde, wenn es einen signifikanten Teil der Produktion von China in die USA verlagern würde, so die Zeitung. Apple habe herausgefunden, dass kein anderes Land an Chinas Kombination aus Umfang, Können, Infrastruktur und Kosten heranreiche - schon gar nicht die USA.

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Chinesische Arbeiter sind gut qualifiziert und arbeiten viel für wenig Geld.

(Foto: Apple)

"Die Fähigkeiten hier sind einfach unglaublich", sagte Apple-Chef Tim Cook Ende 2017 auf einer Konferenz in China. Um Apple-Produkte herzustellen, benötige man die besten Maschinen und jede Menge Leute, die wissen, wie man das macht. "In den USA könnten wir ein Treffen von Werkzeugingenieuren veranstalten, und ich bin nicht sicher, dass wir den Raum füllen könnten", sagte Cook. "In China kann man mit ihnen mehrere Football-Felder füllen."

Dass künftig die Endmontage weiterer Geräte in den USA stattfindet, ist nicht nur wegen den mangelnden industriellen Möglichkeiten dort mehr als unwahrscheinlich. Es handelt sich dabei um den arbeitsintensivsten Teil der Herstellung, weshalb die Lohnkosten eine entscheidende Rolle spielen. Apple zahle zwar nicht nur den örtlichen Mindestlohn von umgerechnet rund 2,10 Dollar pro Stunde, sondern etwa 3,15 Dollar, schreibt die "New York Times". In den USA müsste das Unternehmen ähnliche Jobs aber wesentlich besser entlohnen. So wurde der Mac Pro nicht nur einer der leistungsfähigsten, sondern auch einer der teuersten Computer.

Hersteller nicht mehr auf Massenproduktion eingestellt

Verlorene Möglichkeiten kommen auch selten wieder zurück. So erzählte der Eigentümer der Firma, die Apple die Schrauben liefern sollte, 2002 sei man dazu noch in der Lage gewesen. Dann aber sei die Schrauben-Produktion nach China abgewandert und die Nachfrage gesunken. Daher habe er die Maschinen für die Massenproduktion durch Präzisionsmaschinen für Sonderanfertigungen ersetzt. Letztendlich haben man Apple damit 28.000 Schrauben machen können, aber nicht so wie gewünscht. Ausgeliefert wurden auch nicht alle Schrauben auf einmal, sondern in 22 Fuhren, die teilweise der Chef mit seinem Auto selbst übernahm.

Ein früherer Apple-Manager sagte der "New York Times", in China wäre ein ganzer Raum mit Menschen gefüllt, die sich darum kümmerten, dass alle benötigten Materialien für die Produktion bereit stünden. In Texas sei dafür ein oft überforderter Mitarbeiter zuständig gewesen.

Spezialisten sind gefragt

In China gibt es auch kaum Einschränkungen bei der Arbeitszeit. Apple versucht hier zwar ebenfalls, etwas höhere Standards zu setzen, aber trotzdem werden die Menschen in den Fabriken oft ausgebeutet und arbeiten im Schichtdienst bis zur Erschöpfung.

Trotzdem sei Apple wohl in der Lage, mehr Produkte in den USA herzustellen, wenn es viel Geld und Zeit investiere und mehr auf Automatisierung und hochqualifizierte Ingenieure setze, statt auf eine große Zahl von Niedriglohn-Arbeitern, sagte Professorin Susan Helper von der Case Western Reserve University in Cleveland der "New York Times". Regierung und Industrie müssten mit Ausbildungsmaßnahmen und einer passenden Zulieferer-Infrastruktur ihren Teil beitragen.

Auch wenn der Mac Pro seit 2013 in kleinen Stückzahlen immer noch in Texas produziert wird, ist kaum zu erwarten, dass Apple weitere Geräte in den USA zusammensetzen lässt. Apple schreibt aber in einer aktuellen Pressemitteilung, es habe 2018 rund 60 Milliarden Dollar an knapp 9000 US-Zulieferer bezahlt - zehn Prozent mehr als im Jahr davor. Damit unterstütze es über 450.000 Jobs in den USA. Speziell berichtet Apple über Corning, das Displaygläser für iPhones und iPads, aber auch viele andere Smartphones herstellt, sowie Finisar, von dem Lasertechnologie für die Gesichtserkennung stammt. Man sieht also: Unternehmen mit speziellem Know-how und Möglichkeiten haben Zukunft, arbeitsintensive Massenfertigung nicht. Das gilt in den USA, aber auch in Deutschland.

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Quelle: n-tv.de, kwe

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