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Stift-Gesten überflüssig Galaxy Note 10+ ist ein echtes Superphone

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Das Samsung Galaxy Note 10+ mit schillernder Rückseite in "Aura Glow".

(Foto: kwe)

Auch wenn es keine Revolution ist, macht das Samsung Galaxy Note 10+ mächtig Eindruck. Das liegt vor allem an dem imposanten Display, der Leistung und der sehr guten Kamera. Die neuen Stift-Gesten sind dagegen größtenteils überflüssig.

Das Samsung Galaxy Note war vor fast acht Jahren das erste erfolgreiche Phablet. Der Name ist eine Kombination aus Smartphone und Tablet, weil für die damaligen Verhältnisse das Display mit 5,8 Zoll einfach riesig war. Heutzutage gilt so eine Bildschirm-Diagonale schon als kompakt, wenn nicht sogar als klein. Auch das neue Galaxy Note 10 kann mit einem 6,3 Zoll großen Display kaum noch als Phablet bezeichnet werden, für Top-Smartphones ist die Größe inzwischen normal. Deswegen gibt es auch das Galaxy Note 10+, das einen 6,8 Zoll mächtigen Bildschirm hat und ganz schön beeindruckend ist.

Schmaler als der Urahne

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0,5 Zoll Unterschied sind viel: Das GalaxyNote 10+ neben dem Galaxy Note 10.

(Foto: kwe)

Erstaunlicherweise ist das Monster-Note nicht wirklich größer als sein Urahn. Es ist mit rund 162 Millimetern zwar knapp 15 Millimeter länger, was dem neuen 19:9-Seitenverhältnis geschuldet ist. Ansonsten ist es aber fast 6 Millimeter schmaler und nahezu 2 Millimeter dünner als das Galaxy Note 1. Das liegt einerseits an den im Laufe der Jahre immer dünner gewordenen Rändern, andererseits an dem kleinen Loch im Display, durch das Samsung die Frontkamera knipsen lässt.

So kann man das Galaxy Note 10+ mit einigem Wohlwollen noch handlich nennen, obwohl Geräte wie das Huawei P30 Pro mit 6,5-Zoll-Display neben dem Samsung-Phablet fast schon niedlich wirken. Ein Handy im wahrsten Sinne des Wortes ist dagegen das "normale" Galaxy Note 10, das ein 6,3 Zoll großes Display hat.

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Viel schlanker kann man ein Smartphone mit 6,8-Zoll-Display nicht bauen.

(Foto: kwe)

Leider hat Samsung beide Varianten nicht gleich gut ausgestattet, sondern der Plus-Variante unter anderem mehr Arbeitsspeicher und eine zusätzliche ToF-Kamera spendiert. Doch auch wenn n-tv.de keinen direkten Vergleich machen konnte, dürften die Unterschiede in der Realität so gering ausfallen, dass Nutzer, die das kompakte Modell bevorzugen, kaum Nachteile haben. Längerfristig genutzt, könnte allerdings ein Problem des Note 10 werden, dass es von ihm keine 5G-Variante gibt - die ist dem Plus-Modell vorbehalten.

Ausgezeichnetes Display

In beiden Größen ist das Display qualitativ eine Wucht. Das bestätigt auch Displaymate, bei dem das Panel des Note 10+ neue Rekorde aufstellte. Kontraste und Farbdarstellung sind ausgezeichnet und auch die Helligkeit ist für ein AMOLED-Display sehr gut. Mit Pixeldichten von 401 beziehungsweise 420 ppi hat Samsung einen guten Kompromiss gefunden: Die Bildschirme bieten eine knackig scharfe Darstellung, ohne durch übertriebene Auflösung Strom zu verschwenden.

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Hauptkamera, ...

(Foto: kwe)

Lediglich für VR-Brillen wäre eine höhere Pixeldichte gut, aber die Note-10-Geräte sind ohnehin nicht mehr mit Samsungs Gear VR kompatibel. Das wird wahrscheinlich weniger Nutzer stören als die abgeschaffte Klinkenbuchse. Völlig egal ist, dass Assistent Bixby keine eigene Taste mehr hat. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings, dass Samsung den Einschalter auf der linken Seite platziert hat.

Überflüssige Stift-Gesten

Keine echten Fortschritte hat Samsung beim S Pen gemacht. Er beherrscht immer noch so nützliche Funktionen wie schnelle Notizen auf dem Sperrbildschirm und ist ein wunderbarer Zeichenstift. Die neu hinzugekommenen Gesten findet n-tv.de aber ziemlich überflüssig. Am ehesten ist der Stift noch bei Foto- und Videoaufnahmen nützlich, wobei man mit gedrückten Knopf seitlich durch die Modi wischen kann. Senkrechte Wischer wechseln zwischen Selfie- und Hauptkamera. Man kann auch durch kreisende Bewegungen zoomen, allerdings nur um winzige Stufen pro Dreher. Und in welchen Situationen hilft es, die Musikwiedergabe mit dem "Zauberstab" zu steuern?

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... Superweitwinkel, ...

(Foto: kwe)

Apropos Kamera. Die Triple-Kamera auf der Rückseite entspricht weitgehend der des Galaxy S10. Die Objektive sind allerdings senkrecht statt waagerecht angeordnet und die Tele-Kamera hat mit f2.1 eine lichtstärkere Blende erhalten. Außerdem hat das Plus-Modell zusätzlich eine Time-of-Flight-Kamera (ToF), die Tiefeninformationen liefert, unter anderem für künstliches Bokeh bei Porträtaufnahmen. Bei beiden Modellen hat Samsung auf die zweite Frontkamera verzichtet, um nicht zwei Löcher ins Display bohren zu müssen.

Hervorragende Kamera

Fotos und Videos sehen mindestens ebenso gut aus wie beim Galaxy S10. Sie überzeugen bei Tageslicht durch prächtige, aber realistische Farben und knackige Kontraste. Im Detail neigt die Software in dunkleren Bereichen nach wie vor gelegentlich zum Vermatschen, was beim Reinzoomen in Aufnahmen dann fast wie ein Kunstfilter wirkt. Ob man das lieber mag als mehr Feinheiten, kombiniert mit mehr Störungen, ist Geschmackssache.

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... Teleobjektiv.

(Foto: kwe)

Der Gesamteindruck der Aufnahmen ist jedenfalls sehr gut. Bei Tele-Aufnahmen in der Dämmerung macht sich hier die größere Blende positiv bemerkbar. Das Bokeh wirkt bei Porträts durch den ToF-Sensor natürlicher, aber nicht dramatisch besser als beim Galaxy S10. Man kann den Effekt jetzt auch bei Videos einsetzen, wobei das Bokeh hier nicht immer zufriedenstellend ausfällt.

Die Videoaufnahmen gehören zum Besten, was derzeit mit Smartphone-Kameras möglich ist. Das sieht auch DxOMark so, dass das Galaxy Note 10+ deshalb mit insgesamt 113 zum neuen Spitzenreiter gemacht hat. Das Huawei P30 Pro ist jetzt nur noch Zweiter, hat aber nach wie vor die höhere Punktzahl bei der Fotografie.

Starke Leistung

Was die Leistung betrifft, gehört das Note-10-Duo mit dem hauseigenen Exynos-9825-Prozessor und 8 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher zu den derzeit stärksten Smartphones. Sorgen, dass das Gerät zickt oder mal ein Verschnaufpäuschen braucht, muss man sich jedenfalls nicht machen. Der Akku ist mit einer Kapazität von 4300 Milliamperestunden recht üppig ausgefallen, man kommt damit gewöhnlich problemlos über den Tag. Wenn es knapp wird, genügen dem Galaxy Note 10+ ein paar Minuten am Netzteil, um wieder einige Stunden durchzuhalten. Ein leerer Akku ist in rund 90 Minuten vollgetankt.

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Ein Ausschnitt der Tele-Aufnahme zeigt, was die Kamera bei guten Lichtverhältnissen drauf hat.

(Foto: kwe)

Etwas knauserig: Der interne Flash-Speicher ist eigentlich mit 256 GB groß genug. Wer mehr Platz für Fotos und Videos benötigt, kann aber nur beim Plus-Modell zusätzlich zu zwei SIM-Karten auch noch eine microSD-Karte einstecken.

Vorgänger kostet nur noch 600 Euro

Unterm Strich ist das Galaxy Note 10+ ein hervorragendes Smartphone. Es sieht klasse aus, das Display ist eine Pracht, die Kamera ausgezeichnet und die Leistung tadellos. Allerdings gilt wie bei allen Galaxy-Flaggschiffen: Wer wartet, kann viel Geld sparen. Das Galaxy Note 10 kostet 950 Euro, das Plus-Modell 1100 Euro, die 5G-Variante sogar 1200 Euro. Das rund ein Jahr ältere Galaxy Note 9 wird aktuell von großen Elektronik-Ketten schon für 600 Euro angeboten und ist damit eine sehr interessante Alternative.

Quelle: n-tv.de

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