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Keine Android-Updates mehr Geld zurück für Huawei-Nutzer?

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Vorerst erhalten Huawei-Smartphones keine Android-Aktualisierungen mehr, aber wenigstens noch Sicherheits-Updates.

(Foto: REUTERS)

Nachdem Huawei-Geräte durch Googles Lizenzentzug keine Android-Updates mehr bekommen werden, sinkt ihr Wert. Viele betroffene Nutzer fragen sich jetzt, ob sie vielleicht Anspruch auf Entschädigung haben.

Besitzer von aktuellen Huawei-Smartphones und -Tablets müssen sich keine Sorgen machen, dass diese demnächst nicht mehr voll funktionsfähig sind. Nur für neue Geräte erhalten die Chinesen keine Android-Lizenzen mehr von Google. Trotzdem ist die Angelegenheit auch für solche Nutzer sehr ärgerlich, vor allem wenn sie kürzlich ein sehr teures Huawei-Smartphone gekauft haben, beispielsweise das P30 Pro, das Anfang April noch um die 1000 Euro kostete. Denn wenn die Geräte nicht die erwarteten zwei großen System-Updates erhalten, müssen ihre Besitzer nicht nur auf neue Funktionen verzichten, sondern die Handys verlieren wesentlich schneller an Wert als es sonst der Fall wäre. Deshalb fragen sich viele Betroffene, ob sie der Verkäufer, Huawei oder sogar Google entschädigen müssen.

Google ist raus, kein Garantiefall

Google als Android-Anbieter dürfte aus der Sache komplett raus sein, da es kein direkter Vertragspartner beim Gerätekauf ist und bei der Inbetriebnahme in seinen Nutzungsbedingungen auch an keiner Stelle Updates zusichert. Das Unternehmen weist außerdem ausdrücklich darauf hin, dass es auf keinen Fall "irgendwelche Garantien" übernimmt.

Ein Garantiefall liegt definitiv nicht vor. Denn eine Garantie räumt der Hersteller freiwillig ein und kann daher auch weitgehend die Bedingungen bestimmen. Huawei sichert in seinen Bestimmungen den Kunden lediglich zu, dass ein Gerät bei normalen Gebrauch über den Garantiezeitraum von 24 Monaten keine Material- und Verarbeitungsmängel aufweist.

Gewährleistung greift nur theoretisch

Der Verkäufer wäre in der Verantwortung, wenn Ansprüche aus der Gewährleistung bestünden. Sie greift aber nur, wenn ein Gerät bereits beim Kauf beziehungsweise der Übergabe mangelhaft war. Dies ist hier nicht der Fall. Knifflig könnte es für einen Verkäufer höchstens werden, wenn er ein Smartphone verkauft hat, nachdem bekannt war, dass Google Huawei keine neuen Android-Lizenzen mehr erteilt. Hat er dies dem Kunden verschwiegen, könnte dieser vielleicht sogar einen Anspruch auf Rückabwicklung haben.

Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass System-Updates zu den zwischen Käufer und Verkäufer vereinbarten Eigenschaften gehören. Hat der Verkäufer dies nicht wörtlich zugesagt, müssten Aktualisierungen auf kommende Android-Versionen von Huawei zugesichert worden sein. In der Endnutzer-Lizenzvereinbarung heißt es aber lediglich, dass Updates zur Verfügung gestellt werden können, sie werden aber nicht zugesichert.

Außerdem wird der Nutzer darauf hingewiesen, dass die "gelieferte Software im 'Ist'-Zustand geliefert wird und - sofern dies gesetzlich zulässig ist - ohne jegliche Garantie oder Gewährleistung" ist. Das bedeutet, dass ein Gerät voll funktionsfähig und mangelfrei sein muss, wenn es der Käufer erhält. Dies ist selbst dann noch der Fall, wenn ein Smartphone überhaupt kein Android-Update mehr erhält.

Sicherheits-Patches kritisch

Nicht ganz so klar ist die Rechtslage im Zusammenhang mit den monatlichen Sicherheits-Aktualisierungen, die Google zur Verfügung stellt. Hier ist es nämlich nach Auffassung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen so, dass Huawei dafür verantwortlich ist, dass seine Geräte für einen angemessenen Zeitraum nach dem Kauf sicher zu nutzen sein müssen.

Wie viele Monate als angemessen betrachtet werden können, müsste aber vor Gericht ausgefochten werden. Klärung könnte hier erst die Umsetzung der EU-Warenhandels-Richtlinie bringen, die eine Update-Pflicht für den Verkäufer mit sich bringt. Vorgesehen ist von der Bundesregierung, dass ein Verkäufer sicherstellen muss, "dass dem Verbraucher Updates, einschließlich Sicherheitsupdates, die für den Erhalt der Vertragsmäßigkeit der Waren erforderlich sind, zur Verfügung gestellt werden". Zu klären bleibt aber noch der "Zeitraum der vernünftigen Verbrauchererwartung".

Huawei will auch, "weiterhin Sicherheitsupdates und Services für alle bestehenden Huawei- und Honor-Smartphones sowie -Tablets zur Verfügung stellen". Dies sollte sicher länger als die von den USA gewährte 90-tägige Schonfrist der Fall sein, da die Patches wohl keiner Lizenz bedürfen. Einen genauen Zeitraum hat Huawei aber nicht genannt.

Schadenersatz nur über Umwegen

Falls die Sicherheit nicht durch Aktualisierungen gewährleistet werden kann, sind theoretisch auch Schadenersatzforderungen möglich. Dies wäre aber auch nur dann der Fall, wenn tatsächlich ein Schaden entsteht. Die Verbraucherzentrale NRW nennt als Beispiel Schadsoftware, die über ein angeschlossenes Smartphone auf einen Computer übertragen wird.

Letztlich haben Besitzer eines Huawei-Geräts realistisch betrachtet keine Chancen, für die gekürzte Software-Versorgung in irgendeiner Form entschädigt zu werden. Sie können lediglich hoffen, dass Huawei seine Zusage, weiter Sicherheits-Updates zur Verfügung zu stellen, einhält. Und schließlich könnte es ja eine Lösung im Streit zwischen den USA und China geben, die in Amerika den Telekommunikations-Notstand beendet und Google wieder erlaubt, Huawei Android-Lizenzen zu erteilen.

Quelle: n-tv.de

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