Technik

Was kann das KI-Schnäppchen? Honor View 10 ist ein günstiger Schlaumeier

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Das View 10 ist Honors neues Spitzenmodell.

jwa

Das Honor View 10 ist eine echte Ansage: Es hat einen mächtigen AI-Chip an Bord und kostet nur 500 Euro. n-tv.de verrät, was es drauf hat und warum es der teureren Konkurrenz nicht gefährlich werden kann.

Künstliche Intelligenz auf Smartphones, das Thema ist noch relativ neu. Apples iPhone X beherrscht das sogenannte Maschinelle Lernen, das im allgemeinen Sprachgebrauch gerne mit AI gleichgesetzt wird (Artificial Intelligence, englisch für Künstliche Intelligenz), das Huawei Mate 10 Pro ebenfalls. Jetzt hat auch Huawei-Tochter Honor ein AI-Smartphone. Der große Unterschied beim View 10 ist der Preis: Für 500 Euro bekommt man das Honor-Smartphone, alle anderen vergleichbaren Geräte sind viel teurer. Wie kommt der niedrige Preis zustande, und wo ist der Haken?

Honor macht's billiger

Honor hat als Smartphone-Marke einen großen Vorteil gegenüber der Konkurrenz: Hardware und Software bekommt es von Huawei, teure Entwicklungskosten kann man sich also sparen. Das allein reicht aber noch nicht aus, um die niedrigen Preise zu erklären. Unter der Haube steckt bei Honor oft Technik, die zwar gut ist, aber eben nicht ganz mit der Oberklasse mithalten kann. Ist das auch beim View 10 der Fall? Immerhin kostet es rund 300 Euro weniger als das Mate 10 Pro, obwohl beide den gleichen AI-Chip und 6 Gigabyte Arbeitsspeicher haben.

Technische Daten

  • System: Android 8, EMUI 8
  • Display: 5,99 Zoll, LCD, Full HD+ (2160x1080p), 403 ppi
  • Prozessor: Kirin 970 (max 2,36 GHz)
  • Arbeitsspeicher: 6 GB
  • Interner Speicher: 128 GB + microSD
  • Kamera: Dual 16+20 MP, f/1.8
  • Frontkamera: 13 MP
  • Akku: 3750 mAh
  • WLAN ac, Bluetooth 4.2, Dual LTE
  • USB-C, 3,5-mm-Audioausgang
  • Maße: 157 x 75 x 7 mm
  • Gewicht: ca. 172 g

Tatsächlich zeigt das View 10 bei aller Ähnlichkeit an manchen Stellen seine Schwächen. Das Display, ein großzügiges 6-Zoll-Panel, löst wie beim Mate 10 Pro mit Full HD+ auf - 2160 x 1080 Pixel sind bei beiden genug für eine scharfe Darstellung. Auf ein teures AMOLED verzichtet Honor aber, das View 10 hat ein LCD. Im direkten Vergleich ist der Unterschied zwar sichtbar, schlecht ist dder Honor-Bildschirm an sich aber nicht, denn das Display strahlt hell und kontrastreich.

Staub- und wasserdicht ist das View 10 im Gegensatz zum Mate 10 Pro nicht, seine Verarbeitung ist aber tadellos. Das Gerät fühlt sich wertig und stabil an und liegt trotz seiner Größe gut in der Hand. Mit rund 7 Millimetern ist es sehr flach und insgesamt etwas kleiner als das Google Pixel 2 XL, das ebenfalls ein 6-Zoll-Display hat.

Starke Performance

Die Performance des Smartphones ist hervorragend, die Benutzeroberfläche reagiert sehr zackig, Verzögerungen im Betriebsablauf treten im Test nicht auf. Der Fingerabdrucksensor reagiert blitzschnell und zuverlässig, wie man es von Huawei und Honor gewohnt ist. Mit seiner Benutzeroberfläche EMUI entfernt sich Honor recht weit von Googles purem Android, doch das ist nicht schlimm, im Gegenteil: Die Software bietet für Individualisten zahlreiche Einstellungs- und Anpassungsmöglichkeiten.

Dass das Smartphone mit Android 8 ausgeliefert wird, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Angesichts des lahmen Update-Verhaltens von Huawei, Honor und nahezu allen anderen Herstellern ist das trotzdem erfreulich. Das Honor 7X, das sich mit dem View 10 in London die Bühne teilte, hat das Upgrade auf Android 8 noch nicht bekommen.     

NPU im Hintergrund

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Das View 10 hat ein großzügiges 18:9-Display.

(Foto: jwa)

Großer Star des View 10 ist natürlich der neuronale Prozessor (NPU), der im Kirin 970 steckt und das Smartphone in vielen Bereichen unterstützen soll. So hilft er zum Beispiel beim schnellen Übersetzen, trägt zum smarten Akku- und Performance-Management bei und kann in der Kamera-App Szenen in Echtzeit erkennen und die Einstellungen entsprechend anpassen. Wirklich sichtbar und spürbar ist die NPU im View 10 zumindest nach zwei Testtagen in den meisten Fällen aber nicht, sie werkelt eher im Hintergrund.

Schnell, effizient und sparsam arbeitet der Kirin 970 auf jeden Fall - im Zusammenspiel mit dem 3750-Milliamperestunden-Akku bringt es das View 10 auf Laufzeiten von gut anderthalb bis zwei Tagen. Das Mate 10 Pro hat mit 4000 Milliamperestunden noch etwas mehr Reserven, aber beide sind echte Dauerläufer und hängen den Großteil der Konkurrenz ab.  

Kamera zeigt Schwächen

Deutlich wird der Unterschied zur Oberklasse bei der Kamera: 16 und 20 Megapixel Auflösung bieten die beiden Linsen, Selfies nimmt das View 10 mit 13 Megapixeln auf. Honor ist stolz auf die AI-unterstützte automatische Szenenerkennung, die unter anderem bessere Porträts liefern und in jeder Situation die passenden Kameraeinstellungen finden soll. Tatsächlich sind die Fotos des View 10 gut, aber sie reichen nicht an die Oberklasse heran - im Vergleich mit Googles Pixel 2 fällt zum Beispiel auf, dass Porträts mit der Frontkamera dem Pixel viel besser gelingen. Im Direktvergleich mit dem 200 Euro günstigeren Honor 7X schneidet das View 10 aber etwas besser ab.  

Auch die Hauptkamera kann mit dem Pixel 2 nicht mithalten und liegt im Sichttest nur leicht vor der Dual-Knipse des Honor 7X. Das ist etwas schade, denn den hohen Erwartungen, die Honor mit der AI-unterstützten Kamera schürt, kann das Smartphone nicht ganz gerecht werden. Den Bildern mangelt es an Brillanz und Schärfe, oft sind sie etwas zu hell belichtet, das Fehlen eines Optischen Bildstabilisators (OIS) macht sich bemerkbar. Huaweis Mate 10 Pro liegt im Foto-Ranking der Kameraexperten von Dxomark zusammen mit dem iPhone X und dem Pixel 2 an der Spitze. Das View 10 wird es dorthin nicht schaffen.

Ob das neue Honor-Flaggschiff eine Offenbarung oder eine Enttäuschung ist, hängt also vor allem davon ab, was man erwartet. Eine Revolution stößt es nicht an, vom AI-Einsatz ist nicht so viel zu spüren, wie mancher vielleicht erwarten würde, und die Kamera wird ihrem hohen Anspruch nicht ganz gerecht. Man darf aber nicht vergessen, dass das View 10 auch nur 500 Euro kostet. Zu diesem Preis ist es zweifelsohne ein tolles Smartphone, das in seiner Klasse ganz vorne mitspielt.  

Quelle: n-tv.de

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