Technik

Da erblasst sogar das iPhone Huawei Mate 20 Pro ist neuer Android-König

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Das Huawei Mate 20 Pro hat auf der Rückseite eine Triple-Kamera mit Dreifach-Tele- und Super-Weitwinkel-Objektiv.

(Foto: kwe)

Viel besser als das Mate 20 Pro kann derzeit ein Android-Smartphone kaum sein. Huawei hat fast alles reingepackt, was sich Smartphone-Nutzer wünschen können und Schwächen muss man mit der Lupe suchen. Der Preis ist allerdings happig.

Huawei hat sich bisher mit jedem neuen Flaggschiff gesteigert und gehört spätestens seit dem P20 Pro zur Smartphone-Elite. Mit dem Mate 20 Pro ziehen die Chinesen jetzt an der Android-Konkurrenz vorbei und übernehmen zumindest bis zum Mobile World Congress Ende Februar 2019 die Spitzenposition. Auch das iPhone XS Max sieht neben dem neuen Super-Handy etwas blass aus, punktet aber mit Langlebigkeit und hoher Wertstabilität.

Bekanntes Design

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Das Display hat auch an der Unterseite nur einen schmalen Rand.

(Foto: kwe)

Was das Design betrifft, hat Huawei das Smartphone nicht neu erfunden: Gläserne Rückseite und Display sind wie bei Samsungs Galaxy-Flaggschiffen an den Längsseiten gebogen und gehen in einen schlanken Metallrahmen über. Egal, das Gerät sieht klasse aus, liegt angenehm in der Hand und die Verarbeitung ist hervorragend - das Mate 20 Pro ist nach IP68 staub- und wasserdicht. Nicht nur besonders hübsch sind die smaragdgrüne und die blaue Ausführung. Bei diesen Modellen ist die Rückseite hauchfein matt geriffelt, wodurch sie auch weniger rutschig und schmierig ist.

Eine Klinkenbuchse findet man nicht im Rahmen, Huawei legt dem Gerät aber einen Adapter für den USB-C-Eingang bei. Eigenwillig ist die Platzierung eines der beiden Lautsprecher in der USB-C-Buchse, wodurch der Klang gedämpft wird, wenn man das Gerät ansteckt.

Prächtiges Display

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Nicht so schön: Das gebogene Display krümmt an den Seiten manchmal den Text.

(Foto: kwe)

Das rund 6,4 Zoll große OLED-Display im lang gestreckten Format 19,5:9 ist das erste technische Highlight, das einem auffällt. Schon der Bildschirm des P20 Pro war sehr gut, das Panel des Mate 20 Pro ist hervorragend. Es kann zwar nicht ganz so hell leuchten wie die Displays des Galaxy Note 9 oder des iPhone XS. Aber der HDR10-fähige Bildschirm zeichnet sich durch prächtige, realistische Farben, knackige Kontraste und eine exzellente Blickwinkel-Stabilität aus. Mit einer Pixeldichte von 538 ppi ist das Display außerdem sehr scharf.

Auch wenn es hübsch aussieht: Ähnlich wie bei den Galaxy-Geräten haben die gebogenen Seiten den Nachteil, dass dort teilweise Inhalte gekrümmt werden, was gerade bei Schrift gelegentlich stört. Ein flacher Bildschirm ist vielleicht nicht so attraktiv, aber praktischer.

Um das große Display voll ausnutzen zu können, aktiviert man in den Einstellungen am besten die Gestensteuerung. Dann kann man ohne virtuelle Tasten alles mit Wischern nach oben oder von der Seite nach innen erledigen. Ein schräger Wischer aus der Ecke verkleinert die Anzeige, zieht man gerade nach oben, öffnet sich der Google Assistant.

3D-Gesichtserkennung und Sensor unterm Display

Unterm Display versteckt sich ein weiteres Technik-Schmankerl. Denn Huawei hat dort einen Fingerabdrucksensor integriert. Man muss zwar etwas fester drücken als bei herkömmlichen Sensoren, aber er arbeitet flott und zuverlässig. Damit man ihn findet, leuchtet kurz ein Fingerabdruck-Symbol auf, wenn man das Gerät anhebt oder antippt.

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Das Mate 20 Pro hat eine 3D-Gesichtserkennung in der Notch.

(Foto: kwe)

Wer möchte, kann sich zum Entsperren auch auf die Gesichtserkennung verlassen. Denn das Mate 20 Pro ist das erste Android-Smartphone, das wie die iPhones einen Infrarot-Scanner in der Aussparung (Notch) hat. Wie bei Apples Face ID wird dabei ein Muster des Gesichts mit mehr als 30.000 Punkten verschlüsselt im Chip gespeichert. Und auch die Fehler-Wahrscheinlichkeit soll mit 1.000.000:1 ähnlich gering sein.

Update beseitigt Fehler

Tatsächlich wurde die Gesichtserkennung bei "Androidpit" von zwei ähnlich aussehenden Mitarbeitern überlistet. Allerdings ist dies wohl der einzige bekannte Fall und Huawei hat inzwischen die Software aktualisiert. Auch bei n-tv.de gab es kleinere Probleme vor dem Update, die Erkennung zickte gelegentlich und erkannte ein Gesicht vor allem bei schwierigen Lichtverhältnissen nicht immer. Ebenso ließ sich der Scanner durch Mützen und Brillen irritieren. Auch diese Probleme wurden mit der neuen Firmware beseitigt.

Jetzt arbeitet die 3D-Gesichtserkennung des Mate 20 Pro sehr zuverlässig und sogar etwas schneller als beim iPhone XS. Außerdem kann man einstellen, dass das Gerät sofort entsperrt wird, wenn ein Gesicht erkannt wird - ein zusätzlicher Wischer ist nicht nötig. In der Kombination sind 3D-Scanner und Fingerabdrucksensor im Display unschlagbar und iPhone-XS-Nutzer können neidisch sein - beispielsweise wenn sie versuchen, ihr Handy in einer Kfz-Halterung zu entsperren. Eifersüchtig sind sie vielleicht auch auf die kleine Benachrichtigungs-LED, die Huawei ebenfalls noch in der Notch untergebracht hat.

Super-Weitwinkel statt Schwarz-Weiß-Sensor

Das auffälligste Merkmal des iPhone Mate 20 Pro ist die quadratisch angeordnete Dreifach-Kamera auf der Rückseite. Sie basiert auf dem hervorragenden Drilling des P20 Pro, mit einem entscheidenden Unterschied: Statt des Schwarz-Weiß-Sensors hat Huawei eine Super-Weitwinkelkamera eingebaut.

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Diese Nachtaufnahme wurde 4 Sekunden bei ISO 1000 belichtet.

(Foto: kwe)

Die 40-Megapixel-Hauptkamera kommt auch ohne die Zusatzinformationen des Monochrom-Sensors bestens zurecht. Ihre Bilder haben viele Details, kräftige Farben und schöne Kontraste. Sie wirken auf großen Bildschirmen einen Hauch weniger scharf als beim P20 Pro. Das ist aber nicht unbedingt negativ zu beurteilen, da dessen Software dazu neigt, Aufnahmen zu stark nachzuarbeiten. Ähnliches lässt sich über die 8-Megapixel-Kamera mit dreifacher optischer Vergrößerung sagen. Beim Mate 20 Pro geht die automatische Motiverkennung (Master AI) nicht mehr so heftig zur Sache, allerdings neigt sie immer noch zu übertriebenen Farben.

Nachts bisher unschlagbar

Bei sehr wenig Licht sieht man den Bildern an, dass die Unterstützung der Schwarz-Weiß-Kamera fehlt. Doch das gleicht das Mate 20 Pro locker aus, wenn man in den speziellen Nachtmodus wechselt. Dann gelingen mit mehreren Sekunden langen Mehrfachbelichtungen bei niedrigen ISO-Werten Aufnahmen, die so bisher außer den beiden Huawei-Flaggschiffen kein anderes Smartphone hinbekommt.

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Mit der Super-Weitwinkelkamera kann man sehr hübsche Makroaufnahmen machen.

(Foto: kwe)

Die kleinen Nachteile durch den Wegfall des Monochrom-Sensors nimmt man für die Super-Weitwinkel-Kamera gerne in Kauf. Im Vergleich zur Haupt-Kamera bringt sie viel mehr aufs Bild, wobei die Qualität der Aufnahmen bei Tageslicht ähnlich hoch ist. Verzerrungen an den Rändern sind bei dem großen Winkel nicht zu vermeiden, halten sich aber in Grenzen. Noch interessanter ist für viele Hobby-Fotografen vielleicht, dass man mit dieser Kamera sehr schöne Makros aus bis zu 2,5 Zentimetern Nähe machen kann.

Bei den Videoaufnahmen hat Huawei im Vergleich zum P20 Pro nachgebessert. Sie werden jetzt effektiver digital stabilisiert, es gibt einen Kinomodus im Format 21:9 und einen hübschen Filter, der Personen im Video freistellt, indem er deren Umgebung entfärbt.

Starke Innenausstattung

Technische Daten

  • System: Android 0.0 Pie Oreo
  • Display: 6,39 Zoll, OLED, 3120 x 1440 Pixel, 538 ppi
  • Prozessor: Kirin 980
  • Arbeitsspeicher: 6 GB
  • Interner Speicher: 128 GB, erweiterbar (NMC)
  • Kameras: 40 MP + 20 MP + 8 MP, f/1.8 + f/2.2 + f/2.4
  • Frontkamera: 24 MP, f/2.0
  • Bluetooth 5.0 (aptX HD, AAC, LDAC), WLAN ac, LTE Cat. 21
  • USB-C, USB 3.1 (Gen. 1)
  • IP68
  • Akku: 4200 mAh, Schnelllade-Funktion
  • Maße: 157,8 x 72,3 x 8,6 mm
  • Gewicht: 189 g

Was die Leistungsfähigkeit betrifft, ist das Huawei Mate 20 Pro mit dem neuen Chip Kirin 980 und 6 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher bestens ausgestattet. Zwar kommt es in Benchmarks nicht in die Nähe von Apples übermächtigen A12, aber das Mate 20 Pro nimmt unter den Android-Flaggschiffen jetzt eine vordere Position ein. Wegen einer etwas schwächeren Grafik-Leistung kann es sich aber nicht ganz oben positionieren. Weit vorne ist Huawei jedoch bei der GPS-Ortung, so genau hat bei n-tv.de noch kein Handy bisher die Position bestimmt.

Wichtiger als Muskelspiele ist, dass das Gerät mit einem 4200 Milliamperestunden fassenden Akku sehr lange durchhält. Bei durchschnittlichem Gebrauch ist es schwer, an einem Tag den Füllstand deutlich unter 50 Prozent zu drücken. Ist die Batterie doch mal leer, kann man den Akku mit einem 40 Watt starken Netzteil in 30 Minuten bis zu 70 Prozent füllen. Dazu ist das Mate 20 Pro Huaweis erstes Smartphone, das auch kabellos geladen werden kann. Und nicht nur das: Es kann mit seiner Rückseite auch andere Geräte induktiv mit Strom versorgen.

Mit 128 GB ist der interne Speicher großzügig bemessen. Wer mehr benötigt, kann ihn erweitern, allerdings ausschließlich mit sogenannten Nano Memory Cards, die bisher nur Huawei anbietet. 128 GB kosten rund 50 Euro. Das ist okay, gute microSD-Karten gibt es aber schon für rund 30 Euro.

Das spannendste Smartphone des Jahres

Die gelungene Dreifach-Kamera, tolle Lade-Optionen, die 3D-Gesichtserkennung und der Fingerabdrucksensor unterm Display machen das Mate 20 Pro zu einem ganz besonderen Smartphone. Und weil die weitere Hardware ebenfalls erstklassig ist, ist es wohl auch das derzeit beste Android-Gerät. Auf jeden Fall ist es das spannendste Smartphone des Jahres.

Auch das iPhone XS wirkt im Vergleich etwas langweilig. Allerdings hat es einen weit überlegenen Chip und eine wesentlich bessere Video-Kamera. Sein größter Vorteil ist aber iOS. Nicht unbedingt, weil es die besseren Funktionen hat, sondern weil das Betriebssystem fünf bis sechs Jahre lang aktuell bleibt. So ist das irre teure iPhone XS langfristig das günstigere Smartphone und behält lange einen hohen Wiederverkaufswert. Das Huawei Mate 20 Pro ist mit 1000 Euro kaum günstiger, erhält aber voraussichtlich nur zwei Jahre lang Updates und ist in zwölf Monaten wie sein Vorgänger möglicherweise kaum mehr als die Hälfte wert.

Quelle: n-tv.de

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