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Nicht mehr und nicht weniger Das iPhone XS Max ist groß und stark

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Das iPhone XS gibt es auch in Gold.

(Foto: kwe)

Vielleicht ist das iPhone XS Max ja das beste Smartphone, das man kaufen kann. Aber außer einem größeren Display und mächtig viel Dampf bietet es nicht viel mehr als das iPhone X. Dafür ist es einfach zu teuer - vor allem, wenn 64 Gigabyte nicht ausreichen.

Wenn Apple eine neue iPhone-S-Klasse vorstellt, weiß man eigentlich schon im Voraus, dass es wie das Gerät des Vorjahres aussieht. Das ist auch in diesem Jahr nicht anders. Doch während die Updates in der Vergangenheit gelegentlich noch durch neue Funktionen glänzen konnten, ist das iPhone XS eigentlich nur stärker als der Vorgänger, hat eine etwas bessere Kamera, ist nach IP68 statt IP67 wasserdicht und auch in Gold erhältlich. Außerdem gibt es jetzt das XS Max, das mit einem gewaltigen 6,5-Zoll-Bildschirm ausgestattet ist. n-tv.de hat das neue Riesen-iPhone getestet und ist beeindruckt und enttäuscht zugleich.

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Das XS Max im Größenvergleich zum iPhone X.

(Foto: kwe)

Wenn man zuvor ein iPhone X genutzt hat, kommt einem das XS Max riesig vor. Von den Grundmaßen ist es etwa gleich groß wie das iPhone 8 Plus und man fragt sich, ob diese Entwicklung sein musste. Schließlich war es Apple mit dem neuen, fast randlosen 18:9-Design gelungen, das iPhone X auf die Maße eines iPhone 8 zu schrumpfen, obwohl das Display mit 5,8 Zoll ganze 1,1 Zoll größer ist. War das nicht großartig genug, will man wirklich ein 6,5-Zoll-iPhone?

Prächtiges Display, aber unhandlich

Wenn man das OLED-Display des XS Max betrachtet, möchte man Ja sagen. Es ist mit einer Pixeldichte von 458 ppi sehr scharf und sieht mindestens so gut aus wie der Bildschirm des iPhone X. Die Farbdarstellung ist fantastisch, die Kontraste sind eine Wucht und stabilere Blickwinkel hat man bei einem OLED noch nicht gesehen. Besonders HDR-Videos sehen auf dem Gerät toll aus. Und wenn man sie ohne Kopfhörer sieht, freut man sich auch über die kräftigen Stereo-Lautsprecher.

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Ob das Display des iPhone XS Max besser als der des iPhone X ist, kann man mit bloßem Auge nicht erkennen.

(Foto: kwe)

Andererseits sind 6,5 Zoll selbst mit den knappsten Rändern nur noch schwer mit einer Hand zu bedienen. Wenn man nicht immer beide Hände nutzen möchte, muss man in den Einstellungen unter Bedienhilfen den Einhandmodus einschalten. Außerdem ergibt sich aus der Größe wie vorher bei den Plus-Geräten das Problem, dass das iPhone XS Max nicht in jede Hosentasche passt oder im Sitzen nur mit Mühe und Verrenkungen herauszuziehen ist.

Wenn man die Handlichkeit des iPhone X zu schätzen gelernt hat, kommt einem dies wie ein Rückschritt vor. Wäre ein 5-Zoll-Gerät nicht die viel attraktivere Ergänzung gewesen? Schon möglich, aber angeblich wünschen sich vor allem asiatische Nutzer große Displays und Apple hat dort auf dem Markt noch viel Luft nach oben. Möglicherweise war es für Apple auch einfach zu kompliziert, all die Technik in einem kleinen Gehäuse unterzubringen. Aber gut, die Bildschirmgröße ist Geschmackssache und man hat ja als Alternative immer noch das iPhone XS.

Verbesserte Kamera

Bei der Präsentation der neuen iPhones hat Apple die verbesserte Dual-Kamera ins Rampenlicht gestellt. Die 12-Megapixel-Sensoren sind jetzt größer und arbeiten mit einem stärkeren Bildprozessor. Dadurch gelingen bei sehr wenig Licht bessere Fotos, aber die Veränderung ist zum iPhone X nicht allzu groß und Nachtaufnahmen wie das Huawei P20 Pro kriegt auch das iPhone XS Max nicht hin.

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Noch zwei Kleinigkeiten: Lautsprecherbohrungen und Antennen-Aussparungen sind nicht mehr symmetrisch.

(Foto: kwe)

Wesentlich deutlicher zu sehen sind die Verbesserungen, die "Smart HDR" bei Gegenlichtaufnahmen bringt. So sind Objekte, die sich im Vordergrund im Schatten befinden, noch gut zu erkennen und auch in sehr hellen Bereichen zeigt das Bild noch viele Details. Etwas exakter kriegt die Kamera außerdem die Übergänge bei Porträtaufnahmen mit künstlichem Bokeh hin. Die Blendengröße und damit die Tiefenunschärfe kann man jetzt auch nachträglich verändern und mit dem Update auf iOS 12.1 kommt eine Live-Vorschau hinzu. Insgesamt sind die Verbesserungen im Vergleich zum iPhone X nicht so dramatisch wie von Apple dargestellt. Außerdem übertreibt es die Kamera mit der Dynamik, wodurch Fotos oft nicht mehr natürlich wirken.

Kraftprotz sucht Arbeit

Deutlich stärker als der A11-Chip des Vorjahrs ist der neue A12. Er strotzt nur so vor Kraft und lässt die gesamte Android-Konkurrenz in Benchmark-Tests weit hinter sich. Allerdings ist hier der Unterschied zwischen iPhone X und iPhone XS Max nicht so groß wie erwartet, wenn sie exakt gleich eingerichtet wurden. In Geekbench 4 erreichte das neue Gerät beispielsweise mit allen Kernen 10362 Punkte, das ein Jahr ältere iPhone 10232 Punkte. Bei einzelnen Kernen ging der Vergleich 4810 zu 4257 Punkten aus. Auch im Alltag ist kaum ein Unterschied zu erkennen, beide Geräte machen den gleichen, flüssigen Eindruck. Ähnlich sieht es bei Face ID aus. Die Gesichtserkennung entsperrt das XS Max zwar einen Tick flotter, aber das fällt nur im direkten Vergleich auf.

Apples Chips sind inzwischen so stark, dass erst noch Anwendungen gefunden werden müssen, bei denen sie ihre vielen Muskeln auch benötigen. Das ist gut, weil die Geräte damit für die Zukunft gewappnet sind und lange Updates erhalten können. Das galt aber bereits für das iPhone X oder das iPhone 7 und auch für die insgesamt schwächeren Chips der Android-Konkurrenz.

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Durch HDR Smart sind Details der Köpfe im Vordergrund noch gut zu erkennen und der helle Himmel sieht klasse aus.

(Foto: kwe)

Was die KI-Fähigkeiten betrifft, ist der neuronale Prozessor des A12 sicher auch ein Fortschritt, aber hier gilt ebenfalls Leistung sucht Anwendung, Apple AR-Beispiele sind weitgehend noch Spielerei. Und es bleibt abzuwarten, ob Huaweis Kirin 980, der im Oktober im Mate 20 Pro Premiere feiert, nicht noch ein paar Briketts nachlegen kann.

Für den Alltag nützlicher als noch mehr Leistung ist, dass der A12 durch die 7-Nanometer-Architektur effizienter als sein Vorgänger arbeitet. Tatsächlich hält das XS Max länger als der Vorgänger durch. Apple gibt eine halbe Stunde an, im Test schien das Gerät sogar noch etwas ausdauernder zu sein. Allerdings gab es für n-tv.de auch nie einen Grund, über das Durchhaltevermögen des iPhone X zu klagen.

Zu wenig Speicher für 1250 Euro

Das iPhone XS Max ist keine aufregende Neuheit, aber es ist ein beeindruckend gutes Smartphone mit einem prächtigen, riesigen Display. Wenn man auf Übergrößen steht, ist man mit dem Gerät sehr gut bedient. Allerdings sind die Preise für das iPhone XS Max gepfeffert, mindestens 1250 Euro möchte Apple sehen.

Und dann bekommt man lediglich ein Modell mit 64 Gigabyte (GB) Speicher, eine Ausstattung, die bei Android inzwischen in der 300-Euro-Klasse Standard ist, wo man den Speicher auch noch mit microSD-Karten erweitern kann. Wer mehr möchte, muss gleich zur 256-GB-Variante greifen, die nochmal 170 Euro teurer ist - ein 128-GB-Modell hat Apple gar nicht im Angebot.

Wer wartet, spart viel Geld

Nutzer, die das sündhaft teure iPhone XS Max nicht über einen Zwei-Jahres-Vertrag finanziert bekommen und so viel Geld nicht für ein Handy ausgeben wollen, sollten unbedingt auf das iPhone XR warten. Das Gerät ist mit einem 6,1-Zoll-LCD etwas kompakter, kaum schwächer ausgestattet, aber deutlich günstiger. Und es gibt ein 128-GB-Modell für 910 Euro - 500 Euro weniger als das iPhone XS Max mit 256 GB kostet! Aber man kann sich einen Neukauf auch komplett sparen, wenn man nicht ein uraltes iPhone nutzt und einfach noch abwarten.

Apple selbst hat kürzlich das beste Argument dafür veröffentlicht: iOS 12 gibt auch noch dem fünf Jahre alten iPhone 5s noch genügend Schwung, dass es bis September 2019 problemlos durchhält, wenn wieder neue iPhones erscheinen, die garantiert noch besser als das XS-Duo sein werden.

Quelle: n-tv.de

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