Technik

370 statt 1000 Euro Ist das Huawei P30 Lite ein Preishammer?

P30 Lite.jpg

Das die Rückseite des Huawei P30 Lite aus Kunststoff ist, sieht man ihr nicht an.

(Foto: kwe)

Die Lite-Versionen von Huaweis P-Serie waren in der Vergangenheit mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis oft Verkaufsschlager. n-tv.de hat ausprobiert, ob auch das neue P30 Lite das Zeug dazu hat.

Das Huawei P30 Pro ist aktuell wahrscheinlich das beste Android-Smartphone, das man kaufen kann. Man muss für das gute Stück aber auch online immer noch rund 900 Euro hinblättern. Mit knapp 650 Euro ist die abgespeckte Standard-Variante schon deutlich günstiger, aber es geht noch preiswerter: Das P30 Lite kostet nur 370 Euro. n-tv.de hat ausprobiert, worauf Käufer im Vergleich zu den Top-Modellen verzichten müssen und ob es sich lohnt, das Gerät zu kaufen.

Plastik statt Glas

P30 Lite-2.jpg

Links das P30 Lite mit LCD, rechts das P30 Pro mit OLED-Display.

(Foto: kwe)

Optisch wirkt das Smartphone nicht unbedingt "lite". Es hat zwar nur ein Kunststoffgehäuse, aber es hinterlässt in der Hand einen hochwertigen Eindruck. Wenn man es nicht weiß, hält man die Rückseite für Glas, und Hand aufs Herz: Ist es nicht sinnvoller gleich unempfindliches Plastik zu verwenden, statt eine empfindliche Rückseite mit einer Kunststoff-Hülle zu schützen?

Auf den ersten Blick sieht das günstige P30 dem Standard-Modell zum Verwechseln ähnlich, dessen Display mit rund 6,1 Zoll auch ebenso groß ist. Die Lite-Variante hat allerdings statt eines OLED-Bildschirms nur ein LCD. Doch obwohl es mit den Panels der Top-Modelle nicht ganz mithalten kann, ist das Display alles andere als schlecht. Auch im direkten Vergleich muss es sich nicht verstecken, liefert gute Kontraste und Farben, kann hell leuchten und ist mit einer Pixeldichte von 415 ppi sehr scharf. Auch der schwarze Rand um den Bildschirm ist nicht wesentlich breiter als bei den OLEDs der Oberklasse.

Klinkenstecker im Rahmen

Technische Daten

  • System: Android 9
  • Display: 6,15 Zoll, LCD, FHD (2312 x 1080 Pixel), 415 ppi
  • Prozessor: Kirin 710
  • Arbeitsspeicher: 4 GB
  • Interner Speicher: 128 GB + microSD
  • Kamera: 48 MP, f1.8 + 8 MP + 2 MP
  • Frontkamera: 24 MP, f2.0
  • Dual-SIM oder microSD
  • WLAN ac, Bluetooth 4.2, NFC
  • USB-C, USB 2.0
  • Akku: 3340 mAh
  • Abmessungen: 72,7 x 152,9 x 7,4 mm
  • Gewicht: 159 g

Der Fingerabdrucksensor ist beim P30 Lite nicht ins Display integriert, sondern sitzt auf der Rückseite. Das wird den meisten Nutzern allerdings ziemlich Wurst sein, so lange sie das Gerät nicht in Halterungen oder auf dem Tisch liegend entsperren möchten. Dass es nicht wie die teuren Modelle wasserfest ist, kann man dem Lite wohl auch verzeihen, immerhin hat es dafür noch einen Klinkenstecker für Kopfhörer-Kabel im Rahmen.

Auch bei der Leistung sind die Abstriche nicht allzu groß. Der hauseigene Kirin 710 ist ein solider Mittelklasse-Prozessor, der mit 4 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher ausreichend flott zur Sache geht, so lange man keine Highend-Spielchen mit dem Lite treibt. Für Otto-Normal-Nutzer ist es da interessanter, dass der interne Speicher mit 128 GB sehr großzügig bemessen ist und der Akku mit einer Kapazität von 3240 Milliamperestunden das P30 Lite locker auch über lange Tage bringt.

Gute Kamera

IMG_20190513_133031.jpg

Hauptkamera, ...

(Foto: kwe)

Kaum überraschend ist die Qualität der Triple-Kamera des Lite nicht mit der des Pro-Fotokünstlers zu vergleichen. Statt die Nacht zum Tage zu machen, rauschen die Bilder bei Dunkelheit ab, es gibt kein Teleobjektiv und es fehlen eine optische Stabilisierung sowie ein TOF-Sensor für die Erfassung von 3D-Objekten.

Allerdings macht die Hauptkamera mit 48 Megapixeln und Blende f/2.0 bei normalen Bedingungen sehr schöne Aufnahmen und kommt auch noch mit schlechteren Lichtverhältnissen ganz gut zurecht. Den TOF-Sensor für AR-Aufgaben vermisst man kaum, schon eher die fehlende Super-Makro-Funktion.

IMG_20190513_133041.jpg

... Ultraweitwinkel-Kamera

(Foto: kwe)

Die Fotos der 8-Megapixel-Superweitwinkel-Kamera sehen fast so gut wie beim P30 Pro aus und das künstliche Bokeh bei Porträts gelingt dem P30 Lite mit der 2-Megapixel-Kamera zur Tiefenbestimmung sehr ordentlich. Auch der Mittelklasse-Prozessor ermöglicht eine ziemlich zuverlässige Motiv-Erkennung und mit dem Gerät kann man recht vernünftige Videos in Full-HD-Auflösung mit 60 Bildern pro Sekunde aufnehmen.

Stark, aber kein Preishammer

Für 370 Euro bietet das P30 Lite durchaus ein sehr attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis. Allerdings bekommt man heutzutage auch schon für 250 Euro erstaunlich gute Smartphones, unter anderem ist das Samsung Galaxy A7 mit Triple-Kamera und OLED-Display bereits so günstig zu haben. Der größte Konkurrent für das P30 Lite ist aber wohl das eben vorgestellte Google Pixel 3a. Es hat für rund 400 Euro zwar nur eine Kamera auf der Rückseite, die allerdings nachts ein Ausnahmetalent ist und ganz allgemein zu den besten aktuellen Smartphone-Knipsen gehört. Außerdem hat das Pixel 3a ein tolles OLED-Display und Google liefert garantiert drei Jahre schnelle Updates für das Betriebssystem.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema