Technik

Airpods-Konkurrenten Earin M-2 Kabellose Mini-Stöpsel klingen ganz groß

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Die Earin M-2 sind kleine, aber sehr feine kabellose Bluetooth-Ohrhörer.

(Foto: kwe)

Die Earin M-2 sind derzeit wahrscheinlich die kleinsten kabellosen Ohrhörer der Welt. Obwohl sie so winzig sind, bieten sie ein großes Klangerlebnis und haben technisch einiges auf dem Kasten. Da verzeiht man ihnen auch kleinere Macken.

Die meisten Airpods-Konkurrenten sind im Vergleich zu verkabelten Ohrhörern ziemlich klobig und auffallend. Das schwedische Kickstarter-Projekt Earin M-2 ist da die große - äh kleine - Ausnahme. Denn die Stöpsel sind für Bluetooth-In-Ears geradezu winzig. n-tv.de hat eines der ersten ausgelieferten Paare ausprobieren können und viel Spaß mit den Mini-Stöpseln gehabt.

M-2 bedeutet, dass es sich schon um die zweite Generation der Earins handelt. Die Vorgänger wurden Ende 2015 zwar schon bewundert, erhielten aber auch noch ordentlich Schelte für üble Verbindungsprobleme. "True Wireless" ist eben technisch kein Kinderspiel und die Firma aus Malmö musste Lehrgeld bezahlen. Es hat sich gelohnt, dass sie sich viel Zeit für den zweiten Anlauf genommen haben. Denn die noch zierlicheren Earin M-2 klingen ganz groß und halten stabil die Verbindung - meistens jedenfalls.

Schickes Design

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Die Schweden verstehen etwas von Design.

(Foto: kwe)

Der Stöpsel-Spaß beginnt schon beim Auspacken. Denn die M-2 kommen nicht in einer schnöden Plastik- oder Papp-Hülle, sondern in einem hübschen Kork-Kästchen, dessen Hälften magnetisch aneinander haften. So etwas landet nicht im Müll, sondern im Regal. Darin finden die Ohrhörer in ihrem Transport- und Lade-Case sowie Tausch-Stöpsel und Ladekabel Platz.

Auch das leicht konisch zulaufende Case ist edler und raffinierter als bei Airpods & Co. Es besteht aus solidem Aluminium und wird aufgeschoben statt aufgeklappt. Das hat Stil und die Röhre beansprucht in der Tasche kaum mehr Platz als ein Feuerzeug.

Für die erste Kontaktaufnahme holt man die Stöpsel einfach aus dem Case und sie sind automatisch im Pairing-Modus. Beim ersten Mal muss man beide anmelden, weil es bei den Earin M-2 keinen Master gibt. Die Schweden unterscheiden nicht mal zwischen rechts und links. Das erleichtert den Umgang mit den Dingern ungemein: Der erste Stöpsel, der aus der Ladestation genommen wird, verbindet sich mit dem Smartphone. Und man muss auch nicht nach einem R oder L auf den Ohrhörern suchen - auf welcher Seite sie stecken, erkennen sie selbst.

Seltene Aussetzer, unkomplizierte Bedienung

Das klappt fast immer völlig problemlos, nur ganz selten war im einwöchigen Test-Zeitraum ein zweiter Versuch nötig. Ebenso kam es bei der Wiedergabe nur hin und wieder zu kurzen Aussetzern - die Bluetooth-Verbindung wirkt sehr zuverlässig, egal ob iPhone oder Android-Smartphone. Auch zwischen den Stöpseln klappte es gewöhnlich einwandfrei. Gelegentlich nervte allerdings ein eigenwilliger Balance-Fehler, bei dem ein Ohrhörer leiser als der andere wird. Das Problem kann man zwar durch einen Neustart beheben, hier sollten die Schweden aber mit einem Update nachbessern - falls das möglich ist.

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Das Lade-Case ist stabil und praktisch.

(Foto: kwe)

Bedient werden die In-Ears über die runde Touch-Fläche auf ihrer Außenseite. Auch hier spielt es keine Rolle, welchen Stöpsel man antippt. Einmal für Start/Pause, zweimal für den nächsten Song, dreimal für den vorherigen, ein längerer Druck für den Sprachassistenten. Ebenso simpel sind die Gesten bei Anrufen. Mehr gibt's bei den Earin M-2 nicht, wodurch sie nicht nur klein, sondern auch unkompliziert bleiben. Das hat aber auch einen Nachteil: Die Lautstärke muss man am Smartphone regeln.

Sitzt und klingt gut

Weil die Stöpsel so klein sind, ragen sie kaum aus der Ohrmuschel heraus. Das ist nicht nur unauffällig, sondern hat auch den Vorteil, dass man sie durch wiederholte Tipper nicht aus dem Ohr herauswackelt. Voraussetzung ist natürlich, dass sie richtig sitzen. Lobenswert ist daher, dass Earin die M-2 nicht nur mit den üblichen Silikon-Aufsätzen, sondern auch mit Polstern aus Memory-Schaumstoff in drei verschiedenen Größen ausliefert.

Ein sicherer Sitz ist auch für einen guten Klang nötig. Dann können die schwedischen Ohrhörer auch in dieser Hinsicht begeistern. Für so zierliche In-Ears bieten sie einen kräftigen Bass. Er drückt aber nicht übertrieben aufs Trommelfell, sondern ist angenehm präsent. Eine besonders breite Brust hat der Sound in den Mitten, aber auch die Höhen kommen schön raus, ohne dabei ins Ohr zu stechen. Und die Earin M-2 kriegen sogar noch ein recht hübsches Volumen hin. Bei Telefonaten klingt ein Anrufer gut, man selbst zwar etwas dünn, aber noch gut verständlich.

Geregelte Umwelteinflüsse

Eine aktive Geräuschunterdrückung gibt's nicht, aber wenn die Stöpsel richtig stecken, schließen sie die Umwelt auch so weitgehend aus. Weil das nicht immer gut ist, haben die Ohrhörer eine Funktion, Außengeräusche über das Mikrofon durchzuleiten. Normalerweise passiert das automatisch, wenn man die Wiedergabe pausiert. Man kann die Funktion aber auch manuell regeln und dabei sogar Lautstärke und Wirkungsbereich einstellen. So kann man die Ohrhörer auch im Straßenverkehr gut zum Navigieren nutzen. Noch sicherer fährt man auf dem Fahrrad, wenn man nur einen Stöpsel nutzt.

Kaum überraschend sind auch die Akkus in den Ohrhörern nicht besonders groß. Ihre Kapazität reicht aber immerhin für bis zu vier Stunden Musikgenuss. Das ist nicht besonders viel. Allerdings hat man Kopfhörer-Stöpsel selten so lange am Stück im Ohr. Und weil sie bei Pausen im Case wieder betankt werden, erreicht man selten den Nullpunkt. Insgesamt kommt man auf bis zu 14 Stunden. In dieser Zeit darf man auch ruhig mal ins Schwitzen oder in den Regen kommen - die Stöpsel sind nach IP52 vor Feuchtigkeit und Staub geschützt.

Warten oder alternativ kaufen

Unterm Strich ist es Earin gelungen, im zweiten Anlauf kleine, kabellose Ohrhörer herzustellen, die einen tollen Klang bieten, gut aussehen, zuverlässig funktionieren und wunderbar unkompliziert sind. Auch die Akku-Laufzeit ist okay und Aussetzer so selten, dass man gnädig darüber hinweghören kann.

Schade ist allerdings, dass man die Earin M-2 bisher noch nicht im freien Handel bekommt, sondern nur über eine Warteliste des Herstellers. Außerdem ist der Preis von rund 250 Euro ganz schön happig. Größere, aber sonst sehr gute Alternativen wie die Jabra Elite 65t gibt's schon für deutlich weniger Geld.

Quelle: n-tv.de

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