Nothing Headphone (a) im TestDieser Kopfhörer ist der Preis-Leistungs-Tipp für Individualisten
Von Klaus WedekindTest (1 von 4).webp)
Der Nothing Headphone (a) hat nicht nur ein extravagantes Design. Er überzeugt auch mit einem schönen Klang, einem starken ANC, einer ausgeklügelten Bedienung, einer umfangreichen App und einer fantastischen Ausdauer. Trotzdem ist er deutlich günstiger als ähnlich gute, aber viel langweiligere Konkurrenten.
Passend zur A-Klasse seiner Smartphones hat der britische Hersteller Nothing jetzt auch eine leicht abgespeckte Variante seines bemerkenswerten ersten Bügelkopfhörers herausgebracht. Wobei "abgespeckt" eigentlich nur ein etwas weniger auffallendes Design und eine Tasche statt einer Transportbox meint. Ansonsten bietet der Headphone (a) für knapp 160 Euro die gleichen Vorzüge oder sogar mehr als sein fast doppelt so teures Vorbild.
Auch mit Plastik hochwertig und bequem
Der wichtigste Unterschied ist, dass das Gehäuse des Neulings nicht aus Aluminium, sondern aus Plastik besteht. Ein Nachteil ist das aber nicht unbedingt. Denn der Kopfhörer ist nicht nur ebenfalls hochwertig verarbeitet und nach IP52 vor Staub und Wasser geschützt. Mit 310 Gramm ist er auch etwas leichter.
Insgesamt sitzt der Headphone (a) sehr bequem, aber sicher auf dem Kopf. Dazu tragen die gefederten Aufhängungen der Muscheln mit einem angenehmen Anpressdruck sowie eine gute Gewichtsverteilung bei. Wie beim Vorbild läuft der Bügel eng um den Kopf, was die Silhouette verkleinert.
Die Außenseite der Muscheln ist zwar ebenfalls mit transparentem Kunststoff verkleidet, doch die Akustikkammern sind bei der A-Klasse blickdicht. Was man drumherum sieht, ist auch eher Design als Innenleben. Schick ist das trotzdem.
Klasse Steuerung
Zum Glück hat der Headphone (a) auch die exzellente Steuerung geerbt, die zum Besten gehört, was man aktuell bei Kopfhörern finden kann. Statt oft fummeliger Touchflächen gibt es an der rechten Hörmuschel zwei zentrale Elemente, die perfekt für den Daumen erreichbar sind.
Über eine Rolle regelt man ganz einfach die Lautstärke, indem man sie nach vorn oder hinten dreht. Drückt man sie kurz, startet oder pausiert die Wiedergabe. Um zwischen aktiver Geräuschunterdrückung (ANC) und Transparenzmodus zu wechseln, drückt man sie länger.
Um einen Song vor- oder zurückzuspringen, drückt man das darunter liegende Paddel kurz in die entsprechende Richtung. Hält man es länger, spult man vor- oder zurück, auf die gleiche Weise nimmt man Anrufe an oder lehnt sie ab.
Der Ein-/Ausschalter befindet sich an der Unterseite des Gehäuses neben dem USB-C-Anschluss und hat keine weitere Funktion. Um ein Gerät per Bluetooth zu koppeln, gibt es eine separate Taste auf der Innenseite der Muschel.
Auf der Außenseite hebt sich eine Sondertaste dunkelgrau aus dem Gehäuse ab. Über sie kann man zwischen verschiedenen Streamingdiensten oder Playlists wechseln, eine Sprachansage teilt mit, was jeweils abgespielt wird. Das ist cool, "Channel Hop" funktioniert aber nur mit einem Nothing Phone. Bei anderen Geräten startet man so lediglich einen digitalen Assistenten. Wenn man möchte, kann man die Steuerelemente auch individuell anpassen.
Prima Klang
Die Befürchtung, der 140 Euro günstigere Kopfhörer könnte nicht so gut klingen, wie sein teures Vorbild, hat sich nicht erfüllt. Tatsächlich ist sein Sound auf dem gleichen Niveau wie beim Headphone (1), dessen Klang Nothing durch ein Update nochmals etwas verbessert hat. Das gilt aber nur, wenn man in der zugehörigen App den voreingestellten Modus von "Mehr Bass" auf "Balance" setzt.
Nothing liefert den Kopfhörer vermutlich mit der Bassverstärkung aus, um Eindruck zu schinden. Das ist aber völlig unnötig und bei ohnehin bassbetonter Musik viel zu viel des Guten. Im Normalmodus sind die Bässe kräftig genug und bieten ordentlichen Tiefgang. Die schön definierten Mitten können dann ungestört groß aufspielen, was dem Klangbild ausgesprochen gut steht. Dazu kommen klare Höhen, die auch bei hohen Lautstärken nie unangenehm stechen.
Umfangreiche App mit Profi-Equalizer
Auch ausbalanciert ist der Klang nicht neutral oder gar analytisch, wie etwa bei Sennheiser-Kopfhörern. Er ist insgesamt wärmer und vor allem auf Spaß ausgelegt. Wenn man das nicht mag, bietet die umfangreiche App nicht nur Voreinstellungen, sondern mit einem Equalizer für Fortgeschrittene auch die Möglichkeit zum Feintuning. Erstellte Profile kann man speichern.
Möchte man einen möglichst detaillierten Klang haben, kann man über Bluetooth bei kompatiblen Smartphones den LDAC-Modus wählen oder den Kopfhörer über den USB-C-Anschluss verbinden. Außerdem beherrscht der Kopfhörer 3D-Klang und kann gleichzeitig mit zwei Geräten gekoppelt sein.
Gutes ANC
Die aktive Geräuschunterdrückung (ANC) der A-Klasse ist ebenso effektiv wie die des Headphone (1). Das heißt, sie ist zwar nicht ganz so stark wie bei den Besten in dieser Disziplin, aber trotzdem effektiv. Das betrifft speziell gleichmäßiges Rauschen wie im Zug oder Flugzeug, das zuverlässig herausgefiltert wird.
Stimmen oder klappernde Tastaturen werden etwas weniger effektiv unterdrückt, aber insgesamt ist das ANC auf einem guten bis sehr guten Niveau. Man kann den Effekt in drei Stufen einstellen oder adaptiv anpassen lassen, was mit leichter Verzögerung prima funktioniert.
Der Transparenzmodus ist nicht natürlich, sondern man hört Umgebungsgeräusche etwas lauter, als sie tatsächlich sind. Das ist aber nicht unangenehm, und das typische Rauschen des Effekts fällt ähnlich wie im ANC-Modus moderat aus.
Ein echter Dauerläufer
Der Kopfhörer macht auch beim Telefonieren einen ordentlichen Job. Die eigene Stimme kommt gut rüber und Störgeräusche werden weitgehend herausgefiltert, solange man sich nicht in zu lauten Umgebungen, wie etwa an belebten Kreuzungen befindet.
Die Ausdauer des Headphone (a) ist gigantisch. Sogar mit aktiviertem ANC hält der Kopfhörer bis zu 75 Stunden durch, mit LDAC sind es immer noch 62 Stunden. Obendrein kann er schnell geladen werden: In zwei Stunden ist eine leere Batterie wieder voll, fünf Minuten an einem Netzteil genügen für rund fünf Stunden Wiedergabe mit ANC.
Fazit
Der Nothing Headphone (a) ist nicht nur für Fans eines außergewöhnlichen Designs ein Preis-Leistungs-Hit. Er ist ganz einfach auch ein richtig guter Kopfhörer, der für vergleichsweise kleines Geld groß aufspielt und von einem feinen Klang über eine schlaue Bedienung bis hin zur enormen Ausdauer viel zu bieten hat.