Technik

Wieder ein High-End-Schnäppchen Oneplus 6T ist Preis-Leistungs-Sieger

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Sieht nicht so aus, ist aber aus Glas: die Rückseite des Oneplus 6T.

(Foto: jwa)

Das Oneplus 6T ist ein hübsches, starkes und ausdauerndes High-End-Smartphone zu einem eigentlich konkurrenzlos guten Preis. Dass es trotzdem nicht unschlagbar ist, liegt nur zum Teil an ihm selbst.

Einmal im Jahr bringt Oneplus ein neues Flaggschiff heraus, rund sechs Monate später folgt dann ein leicht überarbeiteter, besserer Ableger, der nur wenig mehr kostet und den Vorgänger damit im Grunde obsolet macht. Ein halsbrecherisch schneller Takt, der für Oneplus aber offenbar aufgeht. Denn auch das im Mai vorgestellte High-End-Schnäppchen Oneplus 6 hat bereits jetzt einen Nachfolger. Das Oneplus 6T ist wie die T-Modelle vor ihm keine Neuerfindung, aber in wichtigen Bereichen entscheidend besser.

Sensor unsichtbar im Display

Technische Daten

  • System: Android 9
  • Display: 6,41 Zoll, OLED, Full HD+ (2340 x 1080), 402 ppi
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 845
  • Arbeitsspeicher: 6/8 GB
  • Interner Speicher: 128/256 GB
  • Kamera: 16 MP, f/1.7, EIS & OIS / 20 MP, f/1.7
  • Frontkamera: 16 MP, f/2.0, EIS
  • Dual-SIM
  • LTE Cat. 16/13, WLAN ac, Bluetooth 5.0
  • USB-C
  • Akku: 3700 mAh, Fast Charge
  • Abmessungen: 157,5 x 74,8 x 8,2 mm
  • Gewicht: 185 g

Eine der Neuerungen ist der Fingerabdruck-Scanner im Display. Der Vorgänger hatte den Sensor noch auf dem Rücken, das 6T trägt ihn unsichtbar unterhalb des Bildschirms. Ein Fingerabdruck-Symbol leuchtet in der unteren Displayhälfte auf, wenn man das Gerät in die Hand nimmt, grünes Licht erleuchtet den Finger, sobald man ihn auflegt. Das Entsperren dauert laut Oneplus 350 Millisekunden, gefühlt vergeht aber auch mal eine Sekunde, bis der Fingerabdruck erkannt wird. Verzögerungsfrei arbeitet die Technik beim Oneplus 6T also nicht, im Direktvergleich scheint der In-Display-Sensor des Huawei Mate 20 Pro etwas schneller zu sein. In den ersten Testtagen hatte er zudem im Dunkeln manchmal Schwierigkeiten, den Finger zu erkennen, obwohl der Sensor eigentlich unabhängig vom Umgebungslicht funktionieren sollte.

Optisches Highlight ist die minimalistische "Notch" am oberen Displayrand, die an einen Tropfen erinnert. Bei anderen aktuellen Flaggschiffen, vom Mate 20 Pro über Googles Pixel 3 XL bis zum iPhone XS Max, ist die Notch deutlich breiter. Das trägt zur guten "Screen-to-Body-Ratio" bei: Das 6,41-Zoll-Display nimmt laut Oneplus 86 Prozent der Vorderseite ein, die Ränder um den scharfen und kontrastreichen OLED-Bildschirm sind sehr schmal. Das Display strahlt hell genug, die automatische Anpassung ans Umgebungslicht regelt die Helligkeit im Test aber gefühlt etwas zu stark herunter. Sehr schön ist auch die gläserne Rückseite, die sich mit ihrer matten Oberfläche kaum nach Glas anfühlt, eher wie weiches Metall. 

Standesgemäße Spitzenleistung

Leistungstechnisch ist das Oneplus 6T über jeden Zweifel erhaben - das gehört bei den Chinesen zum guten Ton. Es reagiert blitzschnell, Apps starten ohne Verzögerung, die Navigation ist makellos und vorbildlich flott. Die Software Oxygen OS basiert auf Android 9, Oneplus hat dem Fundament aber wie immer eigene Funktionen beigemischt. Nutzer haben zum Beispiel die Wahl zwischen der klassischen Navigation mit den von Android bekannten drei Tasten, der mit Android 9 eingeführten reduzierten Variante oder einer Gestensteuerung, die komplett ohne Software-Buttons auskommt und damit noch etwas mehr Platz auf dem Bildschirm freigibt.

Ein Gaming-Modus ist mit an Bord, das Display hat einen Nachtmodus und eine spezielle Lese-Anzeige, die alle Inhalte in Schwarz-Weiß darstellt. Wie bei vorigen Oneplus-Modellen gibt es zudem zahlreiche Optionen zur Gestensteuerung, mit denen man Apps schneller starten oder bestimmte Aktionen auslösen kann.  Ein Schieber hilft beim schnellen Wechsel in den Lautlos- oder Ruhemodus, auch diese Taste gehört bei Oneplus immer schon dazu.

Kamera hat Luft nach oben

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Die Notch des Oneplus 6T ist ein Blickfang.

(Foto: jwa)

Die Kamera-Hardware ist die gleiche wie beim 6er-Modell. Es gibt allerdings ein paar Software-Updates. Das wichtigste ist der Nachtmodus, der auch im Dunkeln tolle Fotos garantieren soll. Erste Testfotos zeigen aber, dass das Oneplus nicht mit den hervorragenden Nachtaufnahmen anderer Flaggschiffe, allen voran die neueren Huawei-Geräte, mithalten kann. Ein Blick in die Foto-Metadaten verrät: Der Nachtmodus des Oneplus 6T funktioniert im Wesentlichen so, dass das Smartphone extrem hohe ISO-Werte wählt (im Test 3200, 6400 oder 9600) und das Bildrauschen im Anschluss glattbügelt, wodurch Details und feine Zeichnungen verloren gehen.  

Normale Fotos im Automatikmodus sehen in der Regel sehr ansprechend aus, vorsichtig sollte man aber mit der HDR-Automatik sein. Die greift nämlich zu stark in die Bilder ein, hellt dunkle Bereiche überdeutlich auf und stellt Farben unschön übersättigt dar. Hier muss Oneplus per Software-Update nachbessern. Sehr ansprechend gelingen dagegen Porträtfotos, sowohl mit der Rückkamera als auch mit der Frontlinse. Die Telelinse mit 2x-Zoom eignet sich ebenfalls gut für Porträts, leider steht die doppelte Brennweite nur im normalen Fotomodus zur Verfügung, nicht aber im Porträtmodus.

Wer Wert auf lange Akkulaufzeiten legt, ist mit dem Oneplus 6T gut bedient. Der Akku hält mit seiner Kapazität von 3700 Milliamperestunden lange durch, im Test erreichte das 6T sogenannte Screen-On-Zeiten von 5,5 bis 7,5 Stunden und Laufzeiten von anderthalb bis zwei Tagen. Pluspunkt: Wer das beiliegende Ladegerät benutzt, hat den Akku blitzschnell wieder vollgeladen – so schnell wie mit dem Oneplus 6T geht's gefühlt mit keinem anderen Smartphone. Mit Netzteilen anderer Hersteller dauert das Aufladen etwas länger.

Neupreis unschlagbar, aber ...

Damit hat das Oneplus 6T unbestreitbare Qualitäten, und mit einem Preis von rund 550 Euro ist es deutlich günstiger als die anderen aktuellen Flaggschiffe, in deren Liga es spielt - zumal es schon in der Basisversion mit üppigen 128 Gigabyte Speicher ausgestattet ist. Dass es mit seiner Kamera nicht ganz oben mitmischen kann und dass der Finger-Scanner im Display gefühlt weniger zackig ist als er sein könnte, kann man da leicht verzeihen. Kleine Abstriche musste man bisher mit jedem Oneplus-Handy machen. Doch was dem 6T zur absoluten Königsklasse fehlt, macht es durch seinen Preis wieder wett.

Für einen Neupreis von 550 Euro bekommt man derzeit kaum ein besseres Smartphone – weil viele anderen 2018er-Flaggschiffe inzwischen aber deutlich im Preis gesunken sind, steht das 6T nicht ohne Konkurrenz da: Das Huawei P20 ist inzwischen unter 500 Euro zu haben, das Samsung Galaxy S9 gibt's auch schon für 550 Euro. Beide sind gute Alternativen - entscheidend ist hier vor allem der persönliche Geschmack. 

Quelle: n-tv.de

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