Technik
Sieht nicht nur so gut aus wie das iPhone X: Das Huawei P20 ist ein Spitzen-Smartphone.
Sieht nicht nur so gut aus wie das iPhone X: Das Huawei P20 ist ein Spitzen-Smartphone.(Foto: jwa)
Donnerstag, 03. Mai 2018

Light-Flaggschiff mit Top-Kamera: Huawei P20 ist fast unschlagbar gut

Von Johannes Wallat

Das P20 ist Huaweis leicht abgespecktes Flaggschiff. Ihm fehlt die spektakuläre Triple-Kamera, doch seine Dual-Knipse ist immer noch eine der besten auf dem Markt. Zudem ist es deutlich günstiger - aber gibt's auch einen Haken?

Mit dem P20 Pro ist Huawei gelungen, worauf die Chinesen seit Jahren hingearbeitet haben: Das Flaggschiff ist seinen schärfsten Konkurrenten von Apple und Samsung ebenbürtig und in manchen Bereichen kann Huaweis Topmodell das iPhone X und das Galaxy S9 sogar überholen. Einzigartig ist es vor allem durch seine Triple-Kamera - und die ist auf den ersten Blick auch der einzige wesentliche Unterschied zum günstigeren und etwas kleineren Huawei P20. Ist dieses "Flaggschiff Light" wegen seines besseren Preis-Leistungs-Verhältnisses sogar der eigentliche Star der Chinesen?

Kaum Unterschiede

Technische Daten
  • System: Android 8.1.0
  • Display: 5,8 Zoll, LCD, 2244 x 1080 Pixel
  • Prozessor: Kirin 970, Octa-Core, max. 2,36 GHz
  • Arbeitsspeicher: 4 GB
  • Interner Speicher: 128 GB
  • Dual-Kamera: 12 MP, f/1.8 & 20 MP, f/1.6
  • Frontkamera: 24 MP, f/2.0
  • WLAN ac, LTE, Bluetooth 4.2, NFC
  • USB-C
  • Akku: 3400 mAh
  • Abmessungen: 149,1 x 70,8 x 7,65 mm
  • Gewicht: 165 g

Tatsächlich ist das P20 ein hervorragendes Smartphone, dem man nicht anmerkt, dass es noch einen mächtigeren großen Bruder hat. Sein Display ist ein LCD, das mit 5,8 Zoll Diagonale nur geringfügig kleiner ist als das 6,1-Zoll-OLED des P20 Pro. Einen Qualitätsunterschied kann man höchstens beim direkten Sichtvergleich feststellen - das OLED ist etwas kontrastreicher und bei schrägen Blickwinkeln heller. Doch das sind Spitzfindigkeiten, das Display des P20 ist hervorragend und kann auch dem Vergleich mit dem Weltklasse-OLED des Galaxy S9 standhalten.

Das Design ist quasi identisch mit dem des P20 Pro, aber weil hier auf der Rückseite die dritte Kamera fehlt, ist die Ähnlichkeit zum iPhone X noch frappierender als beim P20 Pro - böse Zungen behaupten, Huawei habe etwas zu offensichtlich bei Apple abgeschaut. Dass man es hier nicht mit Apples Bestem zu tun hat, sieht man aus der Entfernung vor allem an den Gehäusefarben - Käufer haben neben klassischem Schwarz die Wahl zwischen Blau und einem Gehäuse in "Pink Gold" mit einem etwas merkwürdigen Farbverlauf.

Ein weiterer Unterschied zum iPhone X ist der Fingerabdruck-Scanner auf der Vorderseite unterhalb des Displays. Hier erreicht man ihn zwar schwerer, als wenn er auf der Rückseite platziert wäre. Weil aber das Entsperren per Gesichtserkennung wunderbar und schnell funktioniert, kommt der Sensor nur selten zum Einsatz. Die Funktion kann so eingestellt werden, dass es reicht, das Smartphone anzuheben und es anzublicken, um es zu entsperren. Wer möchte, kann dem Sensor aber andere Fähigkeiten verleihen: Auf Wunsch übernimmt er die Funktionen der Navigationstasten auf dem Display, die dann ausgeblendet werden können. Das bringt zwar nur wenig zusätzlichen Platz auf dem Bildschirm, sieht aber schicker aus.

Spitzen-Kamera

Viel Display, wenig Rand: das Huawei P20 von vorne.
Viel Display, wenig Rand: das Huawei P20 von vorne.(Foto: jwa)

Wichtigstes Feature beim P20 ist die Kamera. Die ist zwar nicht ganz so mächtig wie beim P20 Pro, macht aber immer noch hervorragende Fotos. Wichtigster Unterschied: Die dritte Linse mit Dreifach-Zoom fehlt, das P20 hat nur einen digitalen Zweifach-Zoom, der aber immerhin nahezu verlustfrei arbeitet. Porträt-Fotos sehen zwar toll aus, doch nicht immer ist die Kamera völlig treffsicher beim Bokeh, sodass manchmal nicht nur der Hintergrund, sondern auch Teile der abgebildeten Person unscharf erscheinen. Die Frontkamera knipst ebenfalls gute Selfies, und weil sie mit 24 Megapixeln eine sehr hohe Auflösung hat, kann man getrost den Arm weit weg halten und etwas ins Bild hineinzoomen, wodurch das Selfie natürlicher aussieht.  

Die Künstliche Intelligenz in Huaweis Prozessor Kirin 970 greift bei den meisten Motiven ein und wählt selbstständig und recht treffsicher den richtigen Modus: Sie erkennt zum Beispiel Personen im Bild und wechselt in den Porträtmodus, lässt das Abendessen auf dem Teller besser aussehen und verstärkt bei Fotos der Zimmerpflanzen die Grüntöne. Wer das nicht will, kann mit einem einfachen Fingertipp den jeweiligen Spezial-Modus wieder deaktivieren.    

Wirklich beeindruckend ist der Nachtmodus - den bietet Huawei zwar schon seit Generationen an, aber mit dem P20-Duo ist er endgültig unschlagbar geworden. Die Kamera macht nicht einfach nur eine Langzeitbelichtung, sie legt mehrere Aufnahmen übereinander und belichtet jede Stelle im Bild nur genau so lange, wie es nötig ist. So entsteht ein perfekt ausgeleuchtetes Foto im HDR-Look. Das Besondere beim P20: Es erlaubt derlei Aufnahmen aus der Hand und ohne Stativ, selbst bei Belichtungszeiten von bis zu 6 Sekunden. Denn Algorithmen gleichen im Hintergrund in Echtzeit mehrere Aufnahmen ab und rechnen Verwacklungsunschärfe heraus. Das Ergebnis sind tolle Nachtaufnahmen, die so bisher nicht möglich waren.

Kaum Gegenargumente

Eigentlich reicht das schon als Argument, um das P20 zur Empfehlung für alle Fotoenthusiasten zu machen, die den Aufpreis für das Pro-Modell nicht zahlen wollen oder können. Auch die professionellen Tester von DxoMark sind überzeugt - das P20-Duo führt das Ranking der besten Smartphone-Kameras derzeit an.

Aber auch sonst ist das Smartphone richtig klasse. Der Prozessor arbeitet schnell und ruckelfrei, 4 Gigabyte Arbeitsspeicher dürften den meisten Nutzern für flüssiges Multitasking ausreichen, und 128 Gigabyte interner Speicher sind in aller Regel mehr als ausreichend. Einen Steckplatz für microSD-Karten gibt's nicht, dafür unterstützt das P20 standardmäßig zwei SIM-Karten. Stark ist auch die Laufzeit des 3400-Milliamperestunden-Akkus, mit dem man es locker in den zweiten Nutzungstag schafft.

Was fehlt dem P20? Eigentlich nichts. Den Klinken-Steckplatz hat Huawei gestrichen, doch dafür liegt ein USB-C-Adapter bei. Wasserdicht ist das P20 nicht, die IP67-Zertifizierung bleibt dem Pro-Modell vorbehalten. Das allein ist aber noch kein Grund, die 250 Euro Aufpreis für das Pro-Modell zu bezahlen. Das lohnt sich nur für absolute Foto-Fans, die alle Möglichkeiten der Triple-Kamera voll ausschöpfen wollen und deshalb gerne 900 Euro bezahlen. Das P20 kostet derzeit 650 Euro - das ist ein guter Preis für ein Spitzen-Smartphone, der zudem in Kürze noch fallen könnte. Damit haben selbst die Top-Konkurrenten wie Apple und Samsung kaum noch Argumente auf ihrer Seite.  

Quelle: n-tv.de