Technik

Keine Extras, aber mächtig stark OnePlus 6 ist High-End zum Kampfpreis

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Das OnePlus 6 ist in glänzendem oder mattem Schwarz und bald auch in Weiß erhältlich.

(Foto: kwe)

Das OnePlus 6 kostet nur etwas mehr als 500 Euro, spielt aber in der gleichen Liga wie die Top-Smartphones von Samsung oder Huawei. Es kann zwar nicht mit besonderen Extras glänzen, überzeugt aber durch hervorragende Technik und schlanke Software.

OnePlus ist offenbar dazu übergegangen, seine "Flaggschiff-Killer" im Halbjahresrhythmus vorzustellen. Rund sechs Monate nach dem 5T haben die Chinesen jetzt das OnePlus 6 ins Rennen gegen die Top-Konkurrenten iPhone X, Samsung Galaxy S9 und Huawei P20/P20 Pro geschickt. Die Taktik ist gleich geblieben: High-End-Technik zum möglichst kleinen Preis. Ob das OnePlus 6 das Zeug zum "Flaggschiff-Killer" hat, hat n-tv.de ausprobiert.

Wasserfest? Ja, aber ...

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Die Klinkenbuchse ist noch da.

(Foto: kwe)

Die größte Veränderung zum Vorgänger ist das Design. Das Gerät hat jetzt einen Bildschirm im langgestreckten 19:9-Format und eine gläserne Rückseite. Das ist nicht besonders spektakulär und originell, liegt aber im Trend und sieht gut aus. Weil Gorilla Glass 5 auf beiden Seiten zum Einsatz kommt, ist das Gerät relativ robust, auch wenn da das bisherige Aluminiumgehäuse klar im Vorteil war.

Das OnePlus 6 soll auch Regen oder einen Platscher in Pfützen unbeschadet überstehen, eine IP-Zertifizierung gibt's aber nicht. Dafür bietet auch das neue OnePlus wieder einen praktischen Schieberegler an der Seite, mit dem man unkompliziert den Lautlos- oder Vibrationsmodus aktivieren kann.

Zur Technik: Das rund 6,3 Zoll mächtige AMOLED-Display macht einen erstklassigen Eindruck und muss den Vergleich mit den Panels der Top-Konkurrenten nicht scheuen. Es liefert hervorragende Kontraste und Farben, ist äußerst blickwinkelstabil und ausreichend hell. Auch an der Schärfe gibt es mit 2280 x 1080 Pixeln (Full-HD+) nichts auszusetzen. Prima: Der Bildschirm bietet einen adaptiven Modus oder lässt sich individuell kalibrieren. Dazu gibt's einen Lesemodus, dem man Apps zuordnen kann und einen automatischen Nachtmodus.

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Die "Notch" kann man mit einem schwarzen Balken tarnen, wenn man sie nicht mag.

(Foto: kwe)

Der Bildschirm bedeckt fast die gesamte Front, lässt aber an der Unterseite rund 2 Millimeter mehr liegen als das iPhone X. Auch das OnePlus 6 hat eine "Notch". Wenn man die Aussparung für Kamera und Sensoren nicht mag, kann man sie in den Einstellungen kaschieren.

Schnell und ausdauernd

Kraft und Ressourcen hat das Smartphone wahrscheinlich mehr als seine Nutzer jemals brauchen werden. Qualcomms Top-Prozessor Snapdragon 845 werkelt mit bis zu 2,8 Gigahertz und hat 6 oder 8 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher zur Seite. Intern können Käufer 64, 128 oder 256 GB Speicherplatz bekommen. Einen Steckplatz für microSD-Karten gibt's nicht, dafür findet eine zweite SIM-Karte Platz.

Wie bei diesen Spezifikationen zu erwarten ist, läuft beim OnePlus 6 alles wie geschmiert und wie vom Hersteller versprochen mit Höchstgeschwindigkeit. Flott arbeitet eigentlich auch der Fingerabdrucksensor, der wegen des neuen Designs auf die Rückseite gewandert ist. Allerdings ist er ziemlich klein und man tappt öfter mal daneben, bis man sich an ihn gewöhnt hat.

Technische Daten

  • System: Android 8.1 Oreo
  • Display: 6,28 Zoll, AOLED, (2280 x 1080 Pixel)
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 845
  • Arbeitsspeicher: 6/8 GB
  • Interner Speicher: 64/128/256 GB, nicht erweiterbar
  • Kameras: 16 MP + 20 MP, f/1.7
  • Frontkamera: 16 MP, f/2.0
  • Bluetooth 5.0 (aptX HD), WLAN ac, LTE Cat. 13
  • USB-C, USB 2.0
  • Akku: 3300 mAh, Schnelllade-Funktion
  • Maße: 155,7 x 75,4 x 7,75 mm
  • Gewicht: 177 g

Der Tank des Smartphone-Boliden fasst 3300 Milliamperestunden. Das scheint für so ein Kraftpaket nicht allzu viel zu sein. Doch nach mehr als einer Woche im Alltagsbetrieb kann man sagen, dass die Laufzeit des OnePlus 6 ausgezeichnet ist. Das liegt sicher auch an der schlanken Software. Das Oxygen-Betriebssystem legt Android sehr puristisch aus und unterdrückt effizient unnötige Hintergrundprozesse.

So kommt man mit einer Akku-Füllung normalerweise fast eineinhalb Tage aus, so lange man nicht auf Fotosafari geht oder stundenlang spielt. Und wenn's doch mal knapp wird, bietet OnePlus mit Dash Charge eine akkuschonende Schnelladefunktion. Kabellos kann man das Gerät trotz Glas-Rückseite nicht laden.

Das OnePlus 6 verspricht auch bei Updates vorne mitzuspielen. Es gehört zu den Geräten, für die es bereits das kommende Android P als Beta gibt. Außerdem unterstützt es im Gegensatz zum Vorgänger Googles Project Treble, das Aktualisierungen vereinfachen soll. Unglückliche Software-Ausrutscher wie eine "vergessene" Wartungs-App gehören bei OnePlus hoffentlich der Vergangenheit an.

Gute Kamera

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Der geriffelte Schieberegler für den Tonmodus ist enorm praktisch.

(Foto: kwe)

Die Doppel-Kamera auf der Rückseite ist ziemlich gut, kann aber nicht ganz mit den Super-Knipsen des P20 Pro oder des Galaxy S9 mithalten. Die Unterschiede sind aber nicht allzu groß. Die Hauptkamera mit 16 Megapixeln und Blende f/1.7 hat jetzt einen Bildstabilisator und macht bei Tageslicht schöne Fotos mit vielen Details. Sie fokussiert zackig und genau und löst ohne spürbare Verzögerung aus.

Auch bei schwächeren Lichtverhältnissen können sich die Bilder noch absolut sehen lassen, hier sieht man aber die Unterschiede zu den viel teureren Konkurrenten am deutlichsten. Bei den Videos ist es ähnlich. Bei Tageslicht ist das OnePlus 6 auf Augenhöhe mit der Smartphone-Spitze, wenn's dunkler wird, fällt es zurück. Auch das OnePlus 6 bietet einen Zeitlupenmodus mit bis zu 480 Bildern pro Sekunde (720p).

Die zweite 20-Megapixel-Kamera liefert vor allem Tiefeninformationen, um beim Porträtmodus einen künstlichen Bokeheffekt zu erzeugen. Das funktioniert grundsätzlich gut, an den Übergängen arbeitet die Konkurrenz aber noch ein bisschen genauer.

Vielleicht bessert OnePlus hier noch mit einem Update nach, möglicherweise mit der Aktualisierung, die auch für die gute 16-Megapixel-Frontkamera in Kürze den Porträtmodus bringen soll. Insgesamt hat man den Eindruck, dass die Software noch verbesserungswürdig ist, vor allem, weil sie manchmal etwas übertreibt.

Keine Spezialität, aber lecker

Unterm Strich ist das OnePlus 6 tatsächlich ein echtes Flaggschiff zu Kampfpreisen. 520 Euro kostet die Version mit 6 GB Arbeitsspeicher und 64 GB internen Speicher. Für 570 Euro gibt's 8 + 128 GB, für 630 Euro ein Gerät mit 256 GB Speicherplatz. Vor allem das Display, die Geschwindigkeit und die Ausdauer überzeugen. Es fehlt allerdings eine Spezialität, ein Alleinstellungsmerkmal, OnePlus hat einfach nochmal eine Schippe draufgelegt.

Quelle: n-tv.de

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