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Xiaomi drängt in Huawei-Lücke Redmi Note 8 Pro ist unverschämt günstig

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(Foto: kwe)

Das Xiaomi Redmi Note 8 Pro bietet für 250 Euro eine sehr gute Mittelklasse-Ausstattung. Viel verdienen wird der chinesische Hersteller bei diesem Preis kaum, aber das ist auch nicht sein Ziel. Xiaomi drängt mit aller Macht in die Lücke, die Huawei hinterlässt. Und das ist erst der Anfang.

Es hat lange gedauert, bis sich der chinesische Technologie-Riese Xiaomi nach Deutschland gewagt hat. Der offizielle Startschuss fiel erst Anfang September mit dem Mi 9T Pro. Dessen Preis war eine Kampfansage: Nur 450 Euro kostet das Smartphone, das in vielen Bereichen Oberklasse-Niveau hat. Jetzt hat Xiaomi mit dem Redmi Note 8 Pro nachgelegt, und wieder ist der Preis unverschämt günstig: Der selbsternannte "König der Mittelklasse" kostet nur 250 Euro und ist dabei deutlich besser ausgestattet als ähnlich günstige Konkurrenten.

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Das LCD sieht alles andere als billig aus.

(Foto: kwe)

Feines LCD

Optisch sieht man dem Redmi Note 8 Pro den kleinen Preis nicht an. Seine Vorderseite dominiert ein 6,54 Zoll großes LCD, das mit Full-HD+ eine scharfe Pixeldichte von 395 ppi bietet. Es liefert schöne Farben und Kontraste und kann relativ hell leuchten. Auch seitlich betrachtet ändert sich daran wenig. Dazu hat das Gerät einen sehr schmalen Rand, die Frontkamera ist in einer kleinen, tropfenförmigen Aussparung untergebracht.

Dass der Rahmen aus Kunststoff statt aus Metall besteht, erkennt und spürt man nicht und ist damit egal. Die Übergänge in die seitlich leicht gebogene gläserne Rückseite sind fast lückenlos und das Gerät liegt angenehm in der Hand. Insgesamt macht das Xiaomi Redmi Note 8 Pro durchaus einen hochwertigen Eindruck.

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Die gute Hauptkamera liefert Fotos mit vielen Details, ...

(Foto: kwe)

Auf der Rückseite hat der chinesische Preiskracher eine Quad-Kamera. Sie ragt ziemlich stark aus der Glasfläche hervor, was aber auch bei viel teureren Smartphones der Fall ist. Irgendwo muss die Optik ja untergebracht werden. Problematischer ist, dass Xiaomi in die Kamera-Einheit auch den Fingerabdrucksensor integriert hat. Bis man sich an die Position gewöhnt hat, schmiert der Finger immer wieder über die Objektive.

Die Hauptkamera kann was

Bei der Quad-Kamera selbst gibt es Licht und Schatten. Die Hauptkamera kann bis zu 64 Megapixel große Aufnahmen machen und liefert bei Tageslicht sehr ansehnliche Resultate mit vielen Details. Auch bei schwächerem Licht können sich die Fotos sehen lassen und es gibt sogar einen durchaus akzeptablen Nachtmodus.

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... die Ultraweitwinkel-Kamera geht so, ...

(Foto: kwe)

Die Ultraweitwinkel-Kamera löst dagegen nur mit 8 Megapixeln auf und das sieht man auch. Details sind bei den Bildern vermatscht und bei schwierigeren Lichtverhältnissen schmiert die Qualität richtig ab. Die dritte Kamera liefert mit 2 Megapixeln Tiefen-Informationen, die der Hauptkamera zu hübschen Porträtaufnahmen mit einem angenehmen Bokeh verhelfen. Dazu gibt's noch eine 2-Megapixel-Makro-Kamera, mit der man bei ausreichend Licht passable Nahaufnahmen hinbekommt. An der 20-Megapixel-Selfie-Kamera gibt's absolut nichts auszusetzen, da bewegt sich das Redmi Note 8 Pro auf hohem Niveau.

Stark und ausdauernd

Das Innenleben des 250-Euro-Smartphones ist ziemlich stark. Der Mediatek-Chip Helio G90T ist kein Schlappschwanz und zusammen mit 6 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher kann er auch anspruchsvollere Aufgaben noch flüssig erledigen. Er ist allerdings nicht ganz so sparsam wie die Qualcomm-Mittelklasse. Das wiederum macht Xiaomi mit einem Akku wett, der 4500 Milliamperestunden fasst. So kommt das Redmi Note 8 Pro locker über den Tag.

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... Makros haben keine hohe Auflösung, sind aber gar nicht mal so schlecht.

(Foto: kwe)

Auch beim internen Flash-Speicher geizen die Chinesen nicht, er ist 64 GB groß. Ist das nicht genug, kann man eine microSD-Karte einstecken. Wahlweise schluckt das Gerät auch eine zweite SIM-Karte.

Alles in allem ist das Redmi Note 8 Pro ein sehr gutes Mittelklasse-Smartphone, das durch seinen sehr günstigen Preis aus der Masse heraussticht. Das große Geld wird Xiaomi mit dem Modell allerdings ebenso wenig wie mit dem Mi 9T Pro verdienen. Aber das ist auch gar nicht das Ziel des Unternehmens, das weit mehr als nur ein einfacher Smartphone-Hersteller ist.

Xiaomi hat noch viel vor

Xiaomi hat neben vielen anderen Artikeln von der Kleidung bis zum Tierfutter ein sehr großes Elektronik-Portfolio. Dazu gehören unter anderem Tablets, Fernseher, Router, Fitnessbänder und viele andere vernetzte Geräte (Smart Devices) vom Saugroboter bis zur Waschmaschine. Mit Miui verfügt das Unternehmen auch über ein eigenes Android-Betriebssystem. Europas PR-Chef Jaques Xiang Li sagte n-tv.de, Xiaomi wolle langfristig weniger mit seiner Hardware als mit seinen Diensten Geld verdienen - auch in Deutschland.

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Multi-Milliardär Lei Jun (5) gründete Xiaomi im April 2010. Er ist außerdem Delegierter des Nationalen Volkskongresses.

(Foto: Li Xiaodong - Imaginechina)

Die verschiedenen Geräte sind also eigentlich nur Mittel zum Zweck, um ein entsprechendes Ökosystem zu schaffen. Smartphones nehmen dabei eine Sonderrolle ein. Denn sie sind für Xiaomi die Türöffner zu den Märkten und sie bleiben auch auf absehbare Zeit zentrale Steuerelemente im Internet der Dinge. Was man sich unter Diensten vorstellen kann, sieht man an der vorinstallierten Shopping-App AliExpress des chinesischen Handels-Giganten Alibaba. Aber auch das soll nur ein Anfang sein.

Vorbild Apple

Der nächste Schritt ist eine Firmenzentrale in Düsseldorf, wo bereits andere chinesische Hersteller ihre europäische Heimat gefunden haben. Vorerst läuft der Verkauf der Smartphones in Deutschland vor allem noch über Amazon, Media Markt, Saturn oder Freenet. Schon bald soll aber ein eigener deutscher Online-Shop kommen und mittelfristig plant Xiaomi, landesweit in großen Städten Filialen zu eröffnen.

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Wie Apple baut Xiaomi seine Mi Stores weltweit nach einem festgelegten Konzept.

(Foto: Wang gang - Imaginechina)

In Österreich ist das Unternehmen da schon weiter. Dort gibt es seit Mai 2018 bereits einen Mi Store. Bilder davon zeigen, wer das große Vorbild von Xiaomi ist: Apple. Man könnte auch sagen, die Chinesen haben bei ihrem Idol kräftig abgekupfert - auch was die langfristige Strategie betrifft, auf Dienste zu setzen.

Mehr als ein Huawei-Ersatz?

Ob es Zufall ist, weiß man nicht, Xiang Li sagte n-tv.de jedenfalls, der Start-Termin der Deutschland-Offensive habe nichts mit Huaweis Problemen zu tun. Letztendlich ist das auch egal, Xiaomi füllt mit seinen Preis-Leistungs-Krachern Lücken, die sich mehr und mehr auftun, je länger Huawei und seine Tochter Honor keine Smartphones mit Google-Apps verkaufen dürfen. Viele ernstzunehmende Konkurrenten, die Xiaomi in die Quere kommen könnten, gibt es derzeit nicht. OnePlus und HMD (Nokia) zählen dazu, so lange es nur um Smartphones geht.

Xioami muss aber seine neue Kundschaft noch davon überzeugen, mehr als seine Smartphones zu kaufen. Das Vertrauen der deutschen beziehungsweise westeuropäischen Nutzer zu gewinnen, ist mit Abstand das dickste Brett, dass Xiaomi bohren muss. Ob dies im aktuell eisigen Klima gelingen kann, darf zumindest stark bezweifelt werden.

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Quelle: n-tv.de

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