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Mobile AR von Asus und Lenovo So sieht die Smartphone-Zukunft aus

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Mit dem Zenfone AR ist Asus der Konkurrenz einen Schritt voraus.

(Foto: Asus)

Asus und Lenovo zeigen auf der CES Smartphones, die mehr drauf haben als alle anderen. Sie können räumlich sehen und erweitern die Realität, ein Gerät unterstützt zudem Googles VR-Plattform Daydream. Sollte man zuschlagen oder abwarten?

Smartphones stehen auf der Consumer Electronics Show eher nicht im Mittelpunkt, die bisherigen Produktpremieren drehten sich eher um PCs und Notebooks, Fernseher, Kameras oder autonom fahrende Autos. Hersteller wie LG zeigen auf der Messe in Las Vegas nur Mittelklasse, doch mit Asus und Lenovo haben gleich zwei Hersteller Smartphones mitgebracht, die mehr drauf haben als alle anderen aktuell erhältlichen Modelle. Das Phab 2 Pro von Lenovo und das Zenfone VR von Asus sind technisch erstklassige Geräte, die Googles "Project Tango" unterstützen und dem Nutzer damit ganz neue Einsatzmöglichkeiten eröffnen.

Was ist Tango?

Tango ist die Augmented-Reality-(AR)-Plattform von Google. Die Technologie dahinter bringt AR aufs Smartphone, also eine Form von erweiterter Realität, bei der Bilder von der Umgebung durch zusätzliche Informationen ergänzt und überlagert werden. Mit Project Tango lernen Geräte zudem das räumliche Sehen. Sie sind also in der Lage, Räume dreidimensional zu erfassen. Mit Hilfe von Kameras, Lage- und Beschleunigungssensoren erkennen sie sechs Bewegungsrichtungen.

So lassen sich Objekte mit dem Smartphone abmessen. Möbelstücke können vor dem Kauf zum Beispiel mittels AR virtuell im Raum platziert und verschoben werden, um ihre Wirkung im Raum zu testen. Nutzer können in Innenräumen navigieren oder Games spielen, in denen sich virtuelle Elemente und reale Umgebung vermischen. Im Play Store gibt es aktuell rund 30 Apps für Tango, von nützlich bis skurril ist alles dabei.

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Das Lenovo Phab 2 Pro war das erste Tango-Smartphone.

(Foto: Lenovo )

Geeignete Hardware ist bisher aber spärlich gesät. Smartphones müssen nämlich nicht nur die Prozessor-Anforderungen erfüllen, sie brauchen auch zusätzliche Sensoren für die Raumerfassung. Bisher war das Lenovo Phab 2 Pro das einzige Gerät mit einer solchen Ausstattung - es ist keine Neuheit mehr, wird aber erst jetzt auch in Deutschland verkauft.

Phab 2 Pro ist der Erstling

Rund 500 Euro ruft Lenovo für das riesenhafte 6,4-Zoll-Smartphone mit QHD-Display auf, dessen markante Rückseite den Fingerabdruckscanner sowie das für Tango nötige Kameramodul beherbergt, das aus 16-Megapixel-Kamera, Tiefenbereichssensor und Fisheye-Objektiv mit Bewegungserfassungssensor besteht. Als Prozessor kommt ein für Tango optimierter Qualcomm Snapdragon 652 zum Einsatz, der auf 4 Gigabyte Arbeitsspeicher zugreifen kann. Der Akku hat mit 4050 Milliamperestunden viel Kapazität, doch die Tango-Apps dürften auch viel Energie verbrauchen.

Der Lenovo-Riese kommt in ersten Tests eher mäßig davon, was vor allem am unausgereiften Status von Tango liegt - "Engadget" rät Endnutzer etwa dazu, erst bei der nächsten oder übernächsten Generation zuzuschlagen.

Zenfone VR geht den nächsten Schritt

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Das Asus Zenfone AR unterstützt Tango und Daydream.

(Foto: Asus)

Seit Beginn der CES 2017 ist das Phab 2 Pro nicht mehr der einzige Tango-Tänzer, Asus hat ebenfalls ein Tango-Smartphone vorgestellt, das noch eine Schippe drauflegen soll. Mit dem Zenfone VR ist ein halber nächster Schritt gemacht, denn das Smartphone unterstützt nicht nur Tango, sondern auch Googles VR-Plattform Daydream und passt in die VR-Brille Daydream View. Einziges, aber entscheidendes Manko: Tango und Daydream arbeiten nicht zusammen.

Kräftig ausgestattet ist das Zenfone AR jedenfalls: An Bord ist der Qualcomm-Prozessor Snapdragon 821, 8 Gigabyte Arbeitsspeicher stehen zur Verfügung - für Smartphones ein neuer Rekordwert. Eine Verdampfungskammer ("Vapor Chamber") kühlt den Chipsatz. Auf der Rückseite trägt das Asus-Smartphone eine ähnliche 3-Kamera-Ausstattung wie Lenovos Phab 2 Pro mit einer 23-Megapixel-Kamera, einem Bewegungssensor und einer für Tiefeninformationen zuständigen Kamera. Ein Fingerabdrucksensor fehlt aber.

Das Display ist mit 5,7 Zoll etwas kleiner als bei Lenovos XXL-Gerät, bringt es aber auf die gleiche hohe QHD-Auflösung (2560 x 1440 Pixel). Zum Marktstart wird Android 7.0 Nougat an Bord sein, denn Daydream erfordert die neueste Android-Version. Ausgeliefert wird es im zweiten Quartal 2017, ein Preis ist noch offen.

Jetzt zugreifen?

Sollte man nun beim Phab 2 Pro oder beim Zenfone AR zugreifen? Beim Lenovo-Gerät ist es vor allem der Formfaktor, der Nutzer abschrecken könnte - 6,4 Zoll ist sehr viel für ein Handydisplay. Der Preis von 500 Euro (UVP) geht aber in Ordnung, auch ohne die Tango-Fähigkeiten.

Das Zenfone AR ist etwas kompakter und auch das technisch bessere Gerät. Wenn die Spitzentechnik hält, was sie verspricht und die Kamera gute Bilder macht, ist es das wohl stärkste Smartphone auf dem Markt - wenn es denn auch rechtzeitig in den Verkauf geht. Nur wegen Tango sollte man sich keines der beiden Geräte holen, es sei denn, man möchte von Anfang an dabei sein. Bis die Technik ausgereift ist und es ausreichend sinnvolle Anwendungen gibt, dauert es wohl noch etwas.

Quelle: n-tv.de

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