Technik
Videostreaming-Alltag, wie ihn sich Netflix vorstellt.
Videostreaming-Alltag, wie ihn sich Netflix vorstellt.(Foto: Netflix)
Sonntag, 24. Mai 2015

Kinospaß aus dem Internet: Videostreaming: Das muss man wissen

Von Tobias Runge

Videotheken sind vom Aussterben bedroht, immer mehr Menschen schauen sich Filme und Serien in HD-Qualität über Streaming-Dienste an. Welche Technik dafür benötigt wird und was die wichtigsten Anbieter können, hat "hifitest.de" für n-tv.de zusammengestellt.

Spontan Lust auf die aktuelle Staffel der Lieblingsserie am Samstagabend, auf eine Liebesschnulze zum Frühstück oder einen actionreichen Blockbuster mitten in der Nacht, weil man einfach nicht schlafen kann? Die umständliche Fahrt zur Videothek oder den Gang zum unvollständigen privaten Filmarchiv kann man sich mittlerweile sparen. Online-Videotheken sei Dank! Wenige Befehle mit der Fernbedienung reichen und schon holt man sich Spielfilme oder Serien rund um die Uhr auf den Flachbildfernseher. Während man relativ schnell durchschaut hat, mit welchen Geräten der Zugriff auf diese Videoportale gelingt, ist der Dschungel der Anbieter dagegen ziemlich unübersichtlich. Hier gibt es nicht nur Unterschiede im Preis, sondern auch im filmischen Portfolio und in der Auflösung.

Die passende Hardware

Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie ohne kostspielige Neuanschaffung Maxdome, Netflix und Co. nutzen können, ist ziemlich groß. Besitzen Sie einen internetfähigen Fernseher ab Herstellungsjahr 2012/13, einen sogenannten Smart-TV, sind Sie bestens auf das Thema Video-on-Demand vorbereitet. Denn alle namhaften Hersteller haben hier Apps hinterlegt, die direkt zu den Portalen führen. LG, Panasonic und Samsung beispielsweise haben die Streaming-Anwendungen von Amazon, Maxdome, Netflix, Videoload und Watchever integriert. Fernseher wie der LG 55LB670V beispielsweise erlauben es über eine zusätzliche Fernbedienung mit Bewegungssteuerung und Spracheingabe, die gewünschten Apps nicht nur bequem zu öffnen, sondern auch spezifische Filmtitel deutlich schneller als über den klassischen Steuerstab aufzurufen.

Neben Fernsehern haben auch viele Blu-ray- und Multimedia-Player sowie Settop-Boxen und Spielekonsolen Apps von gängigen Streaming-Portalen an Bord. Das ist praktisch, um ältere TV-Apparate ohne Internet-Funktionalität nachzurüsten. Amazon und Sky bieten mit Fire TV, dem Fire TV Stick oder der Sky TV Box eigene kompakte Lösungen an, die mit der HDMI-Buchse des Flat-TVs verbunden werden. So muss man beispielsweise kein klassisches Sky-Abo mehr mit einer zweijährigen Mindestvertragslaufzeit abschließen, um ab 9,99 Euro monatlich Zugang zu diversen Filmkanälen und dem Video-on-Demand-Dienst Snap zu erhalten.

Flottes Internet ist Pflicht

Egal, ob Fernseher, Blu-ray-Player oder HDMI-Stick: Voraussetzung für die Nutzung eines Internet-Filmanbieters ist immer eine DSL-Verbindung. Dabei gilt: Je schneller die Daten fließen, desto besser ist in der Regel die Bildqualität. Theoretisch versprechen alle großen Anbieter ab DSL mit 6 Mbit/s HDTV-Qualität, doch hier gibt es große Unterschiede. Beispiel Amazon: HD-Filme stehen hier in der Auflösung 1280 x 720 oder 1920 x 1080 Pixel mit Datenraten von 3 bis 15 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) bereit. Ganz klar, mit höherer Datenrate werden mehr und detailreichere Bildinformationen übertragen. Mit einer 25.000er oder 50.000er Leitung kommen Sie nicht nur der Blu-ray-Qualität am nächsten, sondern können auch einen ruckelfreien Film ohne nervendes Nachpuffern genießen. 25 Mbit/s sollten Sie mindestens zur Verfügung haben, um Streifen in der superhohen Ultra-HD-Auflösung mit 3840 x 2160 Bildpunkten flüssig zu schauen. Um zu testen, wie viel Tempo Ihre Breitbandleitung wirklich liefert, führen Sie am besten im Internet einen kostenlosen DSL-Speedtest durch.

Download oder Streaming?

Über Amazons kleinen Fire TV Stick kann auch das Angebot von Netflix gestreamt werden.
Über Amazons kleinen Fire TV Stick kann auch das Angebot von Netflix gestreamt werden.(Foto: kwe)

Grundsätzlich werden Sie in der Online-Welt mit zwei Arten konfrontiert, um Videos zu kaufen und anschließend zu konsumieren. Bei Streaming-Angeboten erwirbt man für den Kaufpreis lediglich ein eingeschränktes Online-Nutzungsrecht, das meistens zeitlich befristet ist. Echte Downloads hingegen werden als Datei im eigenen Gerät gespeichert und sind somit dauerhaft auch ohne Internetzugang nutzbar. Amazon bietet Video-Downloads beispielsweise für die eigenen Kindle-Produkte wie das Tablet Fire HD/HDX an, Smart-TV-App-Nutzer müssen sich mit der Streaming-Version zufriedengeben. Bei mobilen iOS-Geräten wird der temporäre Download von Amazon-Kauftiteln unterstützt.

Die wichtigsten Anbieter im Vergleich

Außer den Online-Einkaufsläden iTunes und Google Play, die mit den Smartphone-Betriebssystemen iOS und Android verflochten sind, liegen fünf digitale Videotheken in der Publikumsgunst vorn, die neben dem klassischen Zugriff per Computer oder Tablet auch über Smart-TV-Apps erreichbar sind: Amazon Instant Video, Maxdome, Netflix, Videoload und Watchever.

Amazon Instant Video/Prime Instant Video bietet Filme als Einzelabruf-Videos zur Miete oder zum Kauf an. Gemietete Filme kann man innerhalb von 48 Stunden zweimal streamen, gekaufte dauerhaft speichern. Empfehlenswert ist eine Prime-Mitgliedschaft beim Online-Händler Amazon für jährlich 49 Euro. Hier ist eine Flatrate mit Zugriff auf rund 13.000 Titel inbegriffen.

Maxdome hält viele TV-Serien wie "Danny Lowinski" oder "Big Bang Theory" bereit. Kunden können sich zwischen einer Flatrate, Leihvideos und der Kauf-Option entscheiden. Die Flatrate kostet 7,99 Euro pro Monat und kann monatlich gekündigt werden. Praktisch ist die Offline-Nutzung der Filme nach deren Download.

Der US-Abonnement-Anbieter Netflix setzt auf relativ junge Filme und aktuelle Serienhits wie "Breaking Bad". Besonders Freunde US-amerikanischer Serien kommen bei dem Dienst, der auch Originalton-Versionen anbietet, voll auf ihre Kosten. Kunden haben die Wahl zwischen drei Flatrate-Angeboten. Für 11,99 Euro monatlich wird sowohl die Nutzung auf bis zu vier Geräten als auch 4K-Streaming ermöglicht. Lediglich bei Amazon sind bisher ebenfalls erste Filme in superhoher Auflösung verfügbar.

Einzelabruf teurer

Der in Frankreich beheimatete Dienst Watchever verkauft eine Flatrate für 8,99 Euro pro Monat, die jederzeit kündbar ist. Filme und Serien werden maximal mit HD-Qualität gestreamt. Das Angebot kann auf bis zu vier Endgeräten gleichzeitig genutzt werden. Neben dem Mainstream-Portfolio an Serien und Filmen hat Watchever für Cineasten auch etliche Arthouse-Filme von Prokino, Senator, Studiocanal und Tobis im Katalog.

Videoload ist die Online-Videothek der Deutschen Telekom und offeriert Filme und Serien per Einzelabruf ohne Abonnement, somit ohne langfristige vertragliche Bindung und ohne monatliche Kosten. Ein gemieteter Film steht ab etwa 3 Euro für 30 Tage bereit, um die Wiedergabe zu starten, die anschließend für 48 Stunden freigeschaltet ist. Wer einen Film dauerhaft zur Verfügung haben möchte, kann diesen auch kaufen. Das Film-Angebot ist recht aktuell, umfasst viele Originalton-Ausgaben und lässt sich gut nach Genres (Action, Drama, Komödie et cetera) und Kategorien (Kids & Familie, Oscar-Gewinner, Redaktionstipps) filtern.

Fazit

Wer nur gelegentlich einen Film per Internet abrufen will, sollte sich nicht vertraglich bei einem einzelnen Anbieter binden. Für Viel-Gucker ist eine Flatrate hingegen die beste Wahl, die deutlich günstiger als Einzelabrufe ist. Vergleichen Sie vor einem Abo-Abschluss unbedingt, auf welche Produzenten und Genres sich die einzelnen Anbieter spezialisiert haben. So ist sichergestellt, dass Sie nicht in die Röhre gucken, wenn Sie mitten in der Nacht mal wieder die Sehnsucht nach Ihren Serienlieblingen überkommt.   

Quelle: n-tv.de