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Android, iOS, Windows Was ist das beste Smartphone-System?

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Mobile Geräte gibt's in allen Größen und Formen - aber welches System ist das richtige?

(Foto: imago/Westend61)

Android, iOS - oder doch Windows Phone? Wer ein neues Smartphone kauft, muss sich auch für ein Betriebssystem entscheiden. Die Wahl sollte gut überlegt sein. Denn wer einmal drin ist, kann nur schwer wieder wechseln.

Android oder iOS? Was bei vielen erfahrenen Smartphone-Nutzern vor allem eine Glaubensfrage ist, kann für Neukäufer und gerade für Erstlinge ein ziemliches Problem sein. Denn man kauft nicht nur ein Gerät, auch ein ganzes Ökosystem mit Apps und Zusatzdiensten hängt daran. Was muss man zu den drei wichtigsten Systemen wissen?

Android: Marktführer mit vielen Möglichkeiten

Googles Android gibt Nutzern viele Möglichkeiten. Das fängt bei der Auswahl der Smartphones an - von etwa 80 bis mehr als 1000 Euro gibt es Geräte in allen Leistungsklassen, sagt Hannes Czerulla von der Fachzeitschrift "c't". Unter 200 Euro muss man zwar mit Abstrichen bei Geschwindigkeit und Funktionen rechnen, warnt Andreas Seeger vom Magazin "Connect". Inzwischen bekommen Käufer aber auch schon im unteren Preissegment alltagstaugliche Smartphones, und für unter 250 Euro gibt's völlig ausreichende aktuelle Modelle.

Wegen der großen Verbreitung - laut Zahlen des Marktforschers IDC läuft Android aktuell auf rund 87 Prozent aller aktiven Smartphones - gibt es alle beliebten Apps. manche Anwendungen werden zwar immer noch zuerst für iOS entwickelt, da in Apples App Store die potenziellen Einnahmen höher sind und Entwickler ihre Apps an weniger Geräte anpassen müssen; der Vorsprung ist aber unbedeutend geworden. Google-Dienste wie Gmail, Suche, Drive oder Fotos sind nahtlos in die meisten Android-Versionen integriert. Androiden funktionieren zwar auch ohne Google-Konto - allerdings braucht man für den Download von Apps aus Googles Play Store zwingend ein Google-Konto. Und außerhalb vom Play Store sollten unerfahrene Nutzer keine Apps herunterladen.

Vielfalt der Herstelleraufsätze

Vielfalt gibt es auch bei den Benutzeroberflächen: Neben Googles Standard-Android passen nahezu alle Hersteller das offene Betriebssystem in Aussehen und Funktionsumfang an ihre Geräte an. Diese Vielfalt sorgt aber auch für Probleme, betont Andreas Seeger. Denn je nach Hersteller kann es sehr lange dauern, bis es frische Software-Updates für das Telefon gibt. Google selbst versorgt seine Smartphones aus der Nexus- und Pixel-Reihe zwar regelmäßig mit Sicherheits- und Funktionsupdates. Andere Hersteller müssen die neue Software aber erst an ihre Geräte anpassen. Und das tun sie deutlich seltener, manche auch nie.

Umsteiger haben es mit Android zudem nicht immer leicht: Hat man sich einmal in Android eingerichtet, ist der Wechsel auf ein neues Gerät mitunter schwierig, warnt Andreas Seeger. Ein einheitliches Backup-Programm, das alle Daten von einem Androiden zum anderen zuverlässig überträgt, gibt es nicht. Die Hersteller setzen auf eigene Lösungen, die mal mehr, mal weniger komfortabel sind. Immerhin: Hersteller Huawei bietet inzwischen eine Lösung an, mit der man ein altes Android-Smartphone klonen und eins zu eins auf ein neues Huawei-Gerät übertragen kann.

iOS: Ein Garten mit hohen Zäunen

"Apples iOS ist sehr gut für Einsteiger geeignet", sagt Hannes Czerulla. Die Menüstruktur ist einfacher, allzu viele Einstellungen gibt es nicht. Doch der Einstiegspreis ist hoch: Rund 480 Euro kostet das günstigste neue iPhone beim Hersteller. Die Auswahl ist im Vergleich zur Android-Vielfalt zudem klein. Dafür gibt es regelmäßig frische Software-Updates - bislang erhielt jedes iPhone-Modell rund vier Jahre lang Updates, Android-Phones bekommen oft schon nach 18 Monaten keine neue Software mehr. Erkannte Sicherheitslücken können so schneller und flächendeckender beseitigt werden. "iOS ist das sicherere System", urteilt Andreas Seeger.

Auch in einem anderen Punkt ist das Apple-System überlegen. Stichwort Backup: Mit der Synchronisationssoftware iTunes können Nutzer ihre Daten vom Telefon einfach auf dem PC sichern. Wer ein neues iPhone in Betrieb nimmt, kann zuverlässig alle gespeicherten Daten vom alten Gerät übertragen. Schwierig wird es, wenn man iOS eines Tages den Rücken kehren will. Zwar bieten einige Android-Anbieter Umzugsassistenten an. Doch gerade große Foto- oder Musikmediatheken können Probleme bereiten. Gekaufte Apps können - wie auch beim Wechsel von Android auf andere Plattformen - nicht mit umziehen und müssen neu gekauft werden. Wer einen Wechsel in Betracht zieht, sollte daher schon vorsorgen: Fotos können in Dritt-Programmen wie Onedrive oder Dropbox gesichert werden, die von allen Plattformen aus zugänglich sind.

Vorteil: Alle Google-Apps gibt es auch für die iOS-Plattform. Umsteiger müssen also nicht auf ihre gewohnten Anwendungen verzichten, wenn sie von Android auf iOS wechseln. Schwieriger wird's beim beliebten Whatsapp: Apple bietet für den Chatverlauf nur iCloud-Backups an, auf die Android-Handys nicht zugreifen können. Android-Nutzer können ihren Whatsapp-Verlauf in Google Drive sichern. 

Windows 10 Mobile: Die Zukunft ist ungewiss

"Windows Phone ist noch da, aber ich erwarte da nichts mehr von", sagt Andreas Seeger über Microsofts Smartphone-Betriebssystem, das inzwischen Windows 10 Mobile heißt. Gerade 0,4 Prozent beträgt der Marktanteil laut IDC noch. Richtig durchsetzen konnte sich das System nicht. Ein Grund dafür: Weil es anfangs viele populäre Apps nicht gab, kauften auch nur wenige Nutzer Windows Phones. Das wiederum hielt, wie Andreas Seeger erklärt, viele Entwickler davon ab, die zusätzliche Mühe für eine Windows App zu investieren. Die Folge: Gibt es populäre Apps wie Facebook oder Whatsapp, sind sie häufig veraltet.

Wem das nichts ausmacht, der zwar kann auch für recht wenig Geld zu mitunter leistungsstarken Smartphones kommen. Ab rund 100 Euro gibt es Einsteigermodelle. Sogar die Anfang 2016 vorgestellten Microsoft-Flaggschiffe Lumia 950 und 950 XL gibt es mittlerweile ab rund 300 beziehungsweise 380 Euro. Neben fehlenden und nicht aktuellen Apps bemängelt Hannes Czerulla auch viele gefälschte Programme. Sicherheitsbedenken gibt es ebenfalls, wenn Updates ausbleiben. Trotzdem würde Czerulla nicht komplett von Windows-Smartphones abraten. "Wer sich ein reines Smartphone zum Telefonieren und Nachrichten versenden holen will, kann ein Windows-10-Gerät kaufen."

Microsoft selbst konzentriert sich nur noch auf Geschäftskunden, die zum Beispiel die Continuum-Funktion zu schätzen wissen: Sogenannte Universal-Apps wie Powerpoint, Excel oder Outlook sind auf Handy und PC identisch und wechseln ihre Ansicht automatisch, wenn das Handy zum Beispiel an einen großen Monitor angeschlossen wird. Das Smartphone wird so zum vollwertigen Desktop-PC und behält gleichzeitig seine Smartphone-Funktionen, zwei Bildschirme können also gleichzeitig in Betrieb sein.

Privatkunden können die wichtigsten Windows-Apps aber auch auf iOS und Android nutzen: Das Office-Paket gibt es inzwischen auch für die beiden großen Plattformen. Auch Microsofts Cloud-Dienst Onedrive ist auf den Plattformen zu erreichen.

Quelle: n-tv.de, jwa/dpa

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