Technik

Die wenigsten Löcher Wer hat das beste Mobilfunknetz?

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Auch der Testsieger hat sich beim ländlichen Netzausbau bisher im internationalen Vergleich nicht mit Ruhm bekleckert.

(Foto: picture alliance/dpa)

In einem Test der deutschen Mobilfunknetze schneidet erneut die Telekom am besten ab, Vodafone ist knapp geschlagen, O2 hinkt hinterher. Doch der Sieger hat eigentlich wenig Grund zu feiern, der Verlierer ist auch ein Gewinner und alle Drei haben ihr Soll noch lange nicht erfüllt.

Die Überraschung hält sich in Grenzen, dass beim Netztest des Technik-Magazins "Chip" mal wieder die Deutsche Telekom gewonnen hat. Mit der Gesamtnote 1,3 ist das der zehnte Triumph des Bonner Unternehmens in Folge. Wie die Jahre zuvor kommt Vodafone der Telekom näher, sitzt ihr mit der ebenfalls noch sehr guten Gesamtnote 1,5 dicht im Nacken. Und wieder landet O2 (Telefónica) mit der Note 2,3 abgeschlagen auf dem dritten Platz, obwohl es sich beim Telefonieren und beim mobilen Internet leicht verbessert hat - die Netzabdeckung ist nur ausreichend.

In Großstädten alles paletti

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Die Test-Fahrzeuge von "Chip" hatten 18 Smartphones an Bord.

(Foto: Chip)

Dabei kommt es immer noch vor allem darauf an, ob man in der Stadt oder auf dem Land lebt. Denn in den fünf gesondert getesteten Metropolen erreichte auch O2 viermal eine sehr gute Note und wurde einmal gut bewertet. Mit vier Testsiegen in Berlin, Hamburg, Köln und Stuttgart hat die Telekom auch in den meisten Ballungsräumen die Nase vorne. Nur in München war Vodafone besser, das aber auch sonst nur knapp schwächer als der Branchenprimus abschnitt.

Dass es auf dem Land bei weitem weniger gut aussieht, ist kein Geheimnis und hat der Chip-Test erneut bestätigt. Das sieht man auch an der Funkloch-Karte der Bundesnetzagentur, die umso mehr weiße Flecken zeigt, je weiter man außerhalb von Ballungsräumen hineinzoomt. Da die Karte auf Daten basiert, die Nutzer über eine App auf ihrem Smartphone ermittelt haben, hat sie auch Lücken in ihrer Aussagekraft. Doch auch Chip hat die Werte seiner mit 18 Smartphones bestückten Messfahrzeuge durch App-Daten ergänzt. Das bedeutet nicht, dass die Abdeckung in der Realität besser ist, sie könnte auch noch schlechter sein. Jens Tiemann, Experte des Fraunhofer-Instituts, sagte der "TAZ": "Smartphones sind keine optimalen Messgeräte. Sie zeigen teilweise noch 2G-Empfang an, obwohl Nutzer längst kein Netz mehr haben."

Schleppender Ausbau

Das Problem ist vor allem der schleppende Netzausbau. Eigentlich sind die Anbieter verpflichtet, bis Ende 2022 wenigstens 98 Prozent aller deutschen Haushalte mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zu versorgen, bis Ende 2020 sollen es 97 Prozent sein. Aber auch eine 98-prozentige Abdeckung würde bei derzeit rund 41,3 Millionen Haushalten bedeuten, dass immer noch etwa 830.000 Haushalte durchs Raster fallen, von denen sich praktisch alle auf dem Land befinden.

Deshalb ist eine weitere Vorgabe für die Netzbetreiber, 500 Sendemasten in weißen Flecken zu errichten. Sie werden voraussichtlich möglichst nahe an einer bestehenden oder für den kommenden 5G-Ausbau geplanten Infrastruktur errichtet. Kein Anbieter wird extra ein Glasfaserkabel in eine Einöde ziehen, um dort einen einzelnen Sendemast aufzustellen. Auch die lange überfällige Kooperationsbereitschaft von Telekom, Vodafone und O2, jetzt insgesamt 6000 Masten ins Land zu pflanzen genügt nicht.

Auch der Bund will Löcher stopfen

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Wird das was? Bis 2024 sollen Funklöcher auf dem deutschen Land fast nicht mehr vorkommen.

(Foto: imago/Ralph Peters)

Das hat jetzt auch die Bundesregierung erkannt, die weitere 5000 Masten aus der Staatskasse bezahlen möchte. Insgesamt macht der Bund 1,1 Milliarden aus dem "Sondervermögen Digitale Infrastruktur" bis 2024 locker, um die Löcher zu stopfen.

Vielleicht wäre es eine schlauere Strategie gewesen, bei der Vergabe der 5G-Frequenzen nicht möglichst viel Geld von den Netzbetreibern zu kassieren, sondern die Lizenzen mit strengeren Auflagen für den Ausbau zu verknüpfen. Mit den im Frühjahr eingenommenen 6,55 Milliarden Euro hätten laut Branchenverband Bitkom 32.000 neue Mobilfunkmasten errichtet werden können, die Telekom geht sogar von 50.000 aus.

Ein bisschen besser genügt nicht

Dass der Marktführer aktuell auch nicht allzu sehr aufs Tempo drückt, zeigen die jüngsten Messungen von Opensignal. Während Vodafone die 4G-Verfügbarkeit um zwei Prozentpunkte steigerte und O2 sich sogar um fünf Prozentpunkte verbesserte, stagnierte der Telekom-Ausbau. Wenn man die Fortschritte beim Netzausbau einbezieht, kann also auch O2 einen Teilsieg feiern.

Im internationalen Vergleich bleibt Deutschland angesichts der nur kleinen Fortschritte digitales Entwicklungsland. Die Bundesrepublik liegt mit einer durchschnittlichen 4G-Verfügbarkeit von 76,9 Prozent in der zweiten Hälfte der Opensignal-Tabelle. "Deutschland hat eine der niedrigsten Bewertungen in Europa und liegt hinter vielen weniger entwickelten Mobilfunkmärkten wie Libanon, Vietnam und Senegal zurück", so das nüchterne Fazit des Berichts.

Quelle: n-tv.de, kwe