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Mysteriöses Betriebssystem Wird Fuchsia das nächste Android?

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So sieht Googles Smartphone-OS Fuchsia aus.

(Foto: Google/Ars Technica)

Google hat Android und Chrome OS. Aber offenbar arbeitet es an einem dritten Betriebssystem. Fuchsia zielt auf leistungsstarke Smartphones und PCs ab und könnte Android ablösen. Im Netz gibt's schon einen ersten Blick.

Google hat zwei Betriebssysteme: Android und Chrome OS. Während Chrome als Betriebssystem in der Cloud für Googles Chromebooks dient, ist Android das weltweit am häufigsten verbreitete Betriebssystem für Mobilgeräte – rund 80 Prozent aller Smartphones liefen laut Statista Ende 2016 mit Googles OS. Doch der kalifornische Software-Riese hat offenbar noch ein drittes Eisen im Feuer. Fuchsia OS heißt das mysteriöse Betriebssystem, und es ist wie Android für Smartphones gedacht. Was hat es damit auf sich?

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Apps können als Karten bei Fuchsia beliebig platziert werden.

(Foto: Google/Ars Technica)

Zuerst gesichtet wurde Fuchsia bereits im August 2016 - damals bestand das Betriebssystem aber aus nicht mehr als einer Kommandozeile, erinnert sich "Ars Technica"-Autor Ron Amadeo. Inzwischen gibt es erste Bilder von der Benutzeroberfläche und damit einen ersten Eindruck davon, wie Fuchsia aussehen wird. Es ist laut Google gedacht für "moderne Handys und PCs mit schnellen Prozessoren und ausreichend Arbeitsspeicher mit beliebigen Peripheriegeräten". Das lässt Raum für Spekulationen: Könnte Fuchsia irgendwann Android ablösen und als Brücke die Lücke zwischen Android und Chrome schließen?

Googles Gürteltier

Die Benutzeroberfläche "Armadillo" (zu Deutsch Gürteltier) und Apps sind mit Googles Entwicklerkit Flutter geschrieben. Das Projekt setzt auf sogenannten Cross-Plattform-Code, der mit Android und iOS funktioniert. Das System basiert nicht auf Linux, wie zum Beispiel Android, Chrome oder auch iOS, sondern auf dem von Google entwickelten Microkernel Magenta.

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Wie Fuchsia derzeit aussieht, zeigen unter anderem Ars Technica und Hotfix, das die Oberfläche auf einem Android-Smartphone zum Laufen gebracht hat. Wirklich arbeiten kann man mit Armadillo noch nicht, die meisten Bestandteile des Systems sind derzeit noch Platzhalter.

Die Benutzeroberfläche besteht laut Ars Technica offenbar aus einem vertikal scrollbaren Homescreen mit Hauptbildschirm, Profilbild, Akkustand, Datum und anderen Basis-Informationen. Durch Wischen nach oben und unten können die Kartenansicht von zuletzt geöffneten oder häufig verwendeten Apps und eine Liste von Vorschlägen, ähnlich den Google-Now-Karten, angezeigt werden. Ein Tipp auf das Profilbild öffnet ein Menü mit Einstellungen, ähnlich den Schnelleinstellungen bei Android.

Flexibles Design

In der Ansicht mit den App-Karten kann man Apps hin und herschieben, gruppieren oder im geteilten Bildschirm öffnen – hier haben Nutzer offenbar zahlreiche Möglichkeiten, können bis zu vier Apps in den Split-Screen ziehen und dort flexibel anordnen, ihre Fenstergröße ändern und zwischen vertikaler und horizontaler Trennung wählen.

Die Tastatur sieht anders aus als Googles Android-Keyboard, hat aber bisher keine weiteren Funktionen. Im unteren Bereich des "Home-Screens" erscheinen Karten mit "Vorschlägen" (Suggestions) für Apps, die dem Nutzer im jeweiligen Kontext hilfreich sein können.

Wohin Google mit Fuchsia geht, ist völlig offen. Laut Amadeo wirkt das Betriebssystem wie Googles Antwort auf die Frage: "Wie würden wir Android heute designen, wenn wir noch einmal ganz von vorne anfangen könnten?" Möglicherweise ist Fuchsia der nächste Schritt nach Android, ein Smartphone-Betriebssystem für die Zukunft, bei dem jedes einzelne Element von Google selbst stammt. Und mit dem Cross-Plattform-Ansatz von Flutter könnte Google gleich eine Antwort auf eine der schwierigsten Fragen haben: den Übergang von Android zu Fuchsia. Denn mit Flutter bietet Google Entwicklern die Möglichkeit, Apps zu schreiben, die auf Android, iOS und mittelfristig auch auf Fuchsia laufen. So könnte Google dafür sorgen, dass das neue Betriebssystem als Fundament ein solides App-Ökosystem erhält. Denn jedes Betriebssystem ist nur so viel Wert wie die Apps, die es dafür gibt.

Quelle: n-tv.de, jwa