Wirtschaft

Eine Krokodilsträne zum Abschied Ackermann geht kleinlaut

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Eine Träne zum Abschied?

(Foto: picture alliance / dpa)

Eines schafft Josef Ackermann: Er macht die Deutsche Bank mit einer Bilanzsumme von mehr als 2 Billionen Euro zum Eurozonen-Primus. Seine hochgegriffenen Gewinnziele bleiben dagegen unerfüllt. Auch sein letztes Quartalsergebis, das erste der Bank 2012, verfehlt den Erwartungen. Eine Menge Arbeit für die neue Doppelspitze Jain/Fitschen, die mit dem radikalen Vorstandsumbau bereits erste Fakten schafft.

Josef Ackermann steuert die Deutsche Bank ohne Staatshilfe durch die Finanzkrise und ist bis heute gefragter Ansprechpartner der Politik - Der Schweizer scheint mit sich im Reinen: "Die Deutsche Bank ist gut darauf vorbereitet, kommende Herausforderungen zu bewältigen und sich ergebende Chancen zu nutzen", schreibt der scheidende Vorstandschef in seinem letzten Brief an die Aktionäre. Zum Abschied präsentiert der erfolgsgewohnte Schweizer einen Milliardengewinn für das 1. Quartal, der allerdings deutlich unter dem Topergebnis des Vorjahres liegt. Die Anleger sind enttäuscht, der Aktienkurs gibt 3,5 Prozent nach.

Ein Abschied, wie Ackermann ihn sich gewünscht hatte, wird es aber nicht. Und das liegt nicht nur an der Euro-Schuldenkrise, sondern auch an personellen Querelen. Die Hauptversammlung Ende Mai, mit der sich der 64-Jährige nach zehn Jahren an der Spitze des Konzerns aus der Deutschen Bank zurückziehen wird, verspricht turbulent zu werden - nicht zuletzt wegen des Hickhacks um seine Nachfolge im vergangenen Sommer.

Nach wochenlangem Gezerre wurden der oberste Investmentbanker Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen als Nachfolger des Schweizers bestimmt. Ackermann selbst macht keinen Hehl daraus, dass er Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber als Nachfolger für geeigneter gehalten hätte ("Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen. Persönlichkeit aber kann man nicht lernen.").

Missmanagement beim Branchenprimus

Bei der letzten Quartalsbilanz unter Ackermanns Führung profitierte die Bank nun ausgerechnet von der Erholung des von Jain geleiteten Investmentbankings. Noch im Februar hatte der Schweizer seinen ungeliebten Nachfolger bei der Bilanz-Pressekonferenz vorgeführt, weil dessen Sparte im Schlussquartal in die roten Zahlen gestürzt war.

"Was bei der Deutschen Bank zuletzt an Missmanagement bei der Besetzung von Spitzenposten zutage getreten ist, ist im internationalen Vergleich einmalig", kritisierte der Manager des britischen Investorenberaters Hermes, Hans-Christoph Hirt. Er will daher die Entlastung des scheidenden Aufsichtsratschefs Clemens Börsig verhindern. Börsig gilt als eine der Schlüsselfiguren für das Wirrwarr bei dem Führungswechsel. Eine Nicht-Entlastung hätte zwar nur geringe formelle Folgen, aber hohen symbolischen Charakter.

Genaue Strategie bleibt offen

Aber auch Ackermann selbst sorgte für Verwirrung. Ursprünglich wollte er dem Duo Jain/Fitschen künftig als Aufsichtsratschef auf die Finger schauen. Im November machte der Schweizer dann überraschend einen Rückzieher und räumte später ein: "Um die Bank zu befrieden", habe er sich im Sommer zunächst bereiterklärt, den Vorsitz des Aufsichtsrates zu übernehmen. "Ich habe mich in die Pflicht nehmen lassen, was vielleicht nicht so klug war", sagte Ackermann.

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Derweil haben seine Nachfolger mit einem radikalen Umbau des Vorstands schon einmal Fakten geschaffen. Risikovorstand Hugo Bänziger - der als Kandidat für die Ackermann-Nachfolge galt - und Personalvorstand Hermann-Josef Lamberti verlassen das Institut zum 31. Mai 2012 vorzeitig.

Die Personalrochade schürte bei vielen Beobachtern Befürchtungen, Investmentbanker könnten bei der Deutschen Bank nach Ackermanns Abschied Kommando übernehmen ("Anshus Army") - und das mühsam austarierte Gleichgewicht mit dem Privatkundengeschäft wieder aushebeln.

Die genaue Strategie ist noch offen. Bislang sickerte lediglich durch, dass Jain und Fitschen die einzelnen Sparten der Bank enger verzahnen wollen. So soll etwa Gerüchten zufolge die Vermögensverwaltung enger an das Investmentbanking angebunden werden. Wohin die Reise für Deutschlands mächtigsten Banker geht ist indes klar: Der 64-jährige Ackermann kehrt in seine Heimat zurück, als Verwaltungsratschef des Schweizer Finanz- und Versicherungskonzerns Zurich.

Als Erfolg kann sich Ackermann indes auf die Fahnen schreiben: Mit einer Bilanzsumme von 2,1 Billionen Euro hat sich das Institut zur größten Bank der Eurozone gemausert, während viele andere Häuser schrumpfen.

Der letzte Eindruck ist aber der, der im kollektiven Gedächtnis bleibt und das sind die Quartalszahlen zu Ackermanns Karriereende bei der Deutschen Bank: "Die Zahlen sind enttäuschend", resümierte ein Händler.

Quelle: n-tv.de, bad/dpa/rts

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