Wirtschaft

Griechenlands Schulden halbieren Ackermann verhandelt mit

Ein großer Schuldenschnitt in Athen nimmt immer konkretere Züge an. Als Vertreter der Bankenbranche verhandelt laut einem Zeitungsbericht Deutsche-Bank-Chef Ackermann mit an einem Schuldenerlass von bis zu 50 Prozent. Auch Finanzminister Schäuble bringt das Thema erneut aufs Tablett. Er will Ende der Woche auf dem EU-Gipfel Fakten liefern.

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(Foto: REUTERS)

Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, ist laut "Bild" zentral an Verhandlungen über einen Schuldenschnitt für Griechenland beteiligt. Dabei gehe es laut Finanz- und Regierungskreisen um einen Erlass von bis zu 50 Prozent der griechischen Schulden, den die privaten Banken formal freiwillig leisten sollen. Ob dies bis Ende dieser Woche zustande komme, sei sehr fraglich.

Ackermann ist Vorsitzender des Internationalen Bankenverbandes (IIF) und damit eine weltweit zentrale Stimme der Branche. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Schäuble macht Dampf

Die Zeit für eine Lösung drängt: Auf dem G20-Gipfel der Finanzchefs in Paris hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auch auf Druck der Schwellenländer ein umfassendes Paket als Lösung der Schuldenkrise bis zum 23. Oktober in Aussicht gestellt. Dass es dabei wohl auch um einen Schuldenschnitt gehen dürfte, geht aus Äußerungen Schäubles am Sonntagabend in der ARD hervor. Dort machte er sich erneut für einen Schuldenschnitt stark. Eine dauerhafte Lösung für Griechenland werde "ohne eine Reduzierung der griechischen Gesamtverschuldung nicht gehen", sagte er. Diese solle Teil eines Gesamtpaketes sein, dass die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union auf ihrem Gipfeltreffen in der kommenden Woche verabschieden sollten.

Schon zuvor hatten sich die Hinweise auf eine harte Umschuldung Griechenlands verdichtet. Vor einigen Tagen hieß es aus Finanz- und Verhandlungskreisen, in der Eurogruppe würden Szenarien für einen Schuldenschnitt von bis zu 60 Prozent durchgespielt. Gläubiger Griechenlands müssten dann auf diesen Anteil ihrer Forderungen verzichten. Als problematisch gilt die Auswirkung eines solchen Schritts auf die europäischen Banken.

Ungeliebte Kapitalspritzen

Noch vor wenigen Tagen hatte Ackermann die Debatte um eine Rekapitalisierung von Geldhäusern als kontraproduktiv bezeichnet. Sie sende an die Märkte das Signal, dass ein Schuldenschnitt Griechenlands immer wahrscheinlicher werde.

Einem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge sieht der Chef der Deutschen Bank eine mögliche Aufstockung des Euro-Rettungsschirms skeptisch. Ackermann habe auf einem Kongress seiner Bank gesagt: "Rettungsschirme mögen aus Sicht von Investoren ganz richtig sein, aber damit ist das Problem an sich nicht gelöst". Er setzt dagegen auf staatliche Haushaltskonsolidierung.

Quelle: n-tv.de, nne/dpa

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