Wirtschaft

Großraumjet und Dreamliner-Rivale Airbus schiebt A350 an den Start

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Leichtbau, Spar-Triebwerke und vergrößerter Rumpfdurchmesser: Die A350-Reihe soll das Fliegen effizienter machen.

(Foto: Airbus S.A.S.)

Airbus stellt sein neues Prestigeprojekt vor: Begeistert fiebern Techniker und Piloten dem Erstflug der riesigen Maschine entgegen. Ein Erfolg käme dem europäischen Flugzeugbau gerade recht. Die Airlines kommen aus der Rezession und wollen wieder investieren.

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Das Gewicht der Verantwortung: Chef-Testpilot Peter Chandler wird den Erstflug leiten.

(Foto: Airbus S.A.S)

I m Cockpit der Testmaschine "MSN1" ist bereits alles vorbereitet: Europas neuer Hightech-Flieger "A350 XWB" ist startklar für den Jungfernflug. Nach ersten Triebwerkstests Anfang Juni präsentierte der Flugzeugbauer Airbus nun bereits die Besatzung für den Erstflug. Die beiden erfahrenen Airbus-Testpiloten Peter Chandler und Guy Magrin sowie Flugingenieur Pascal Verneau werden den neuen Vorzeige-Jet erstmals vom Boden in den Himmel heben.

Insgesamt besteht die Crew des Jungfernflugs aus sechs Spezialisten: Chandler und Magrin werden zusammen mit dem leitenden Flugingenieur des A350-Projekts im Cockpit sitzen und die Maschine steuern. Im Bauch des Großraumjets überwachen unterdessen drei weitere Techniker das Verhalten der Maschine anhand aktueller Flugdaten.

XWB für "Extra Wide Body"

"Wir liegen voll im Zeitplan", sagt Airbus-Sprecher Stefan Schaffrath. "Mitte des Jahres", so hatte Airbus angekündigt, stehe der Erstflug an. Fraglich bleibt, ob er mit dem großen Stelldichein der Branche, der Luftfahrtmesse in Le Bourget, zeitlich zusammenfallen könnte. Die Luftfahrtschau, eines der wichtigsten Großereignisse im Terminkalender der Branche, beginnt am 17. Juni.

In Luftfahrtkreisen und bei potenziellen Kunden trifft der neue Airbus A350 auf eine positive Grundstimmung. Die Luftfahrtindustrie verbreitet wieder Optimismus. Auf dem jüngsten Jahrestreffen in Kapstadt prognostizierte der Branchenverband IATA fürs laufende Jahr einen branchenweiten Gewinnanstieg auf 12,7 Mrd. Dollar (9,8 Mrd. Euro). Kein Wunder, dass sich Fluggesellschaften rund um den Globus wieder Gedanken über Flottenerneuerungen machen - und dabei vor allem auf sparsamere Jets setzen. Airbus hat entsprechend seine Auftragsprognosen fürs laufende Jahr bereits aufgestockt.

Hightech-Jobs in Deutschland

Der neue Airbus soll sich als Sparflieger einen Teil des Kuchens sichern. Gegenüber herkömmlichen Langstrecken-Verkehrsjets liege sein Verbrauch um 25 Prozent niedriger, verspricht Airbus. Als neuer Hoffnungsträger soll der neue Hightech-Flieger das Unternehmen nach mehreren Verzögerungen im Zeitplan und Änderungen am ursprünglichen Entwurf nun weiter fest im Aufwind halten.

Für die norddeutschen Standorte in Hamburg, Stade und Bremen, aber auch viele Zuliefererbetriebe bedeutet die Produktion des neuen Verkehrsjets die Schaffung hunderter neuer Jobs. Den Werken mit insgesamt 18.000 Mitarbeitern kommt eine Schlüsselstellung bei Entwicklung und Fertigung des Jets zu.

Konkurrenz für den Dreamliner

Die EADS-Tochter Airbus und ihr Rivale, der US-Flugzeughersteller Boeing, drängen beide mit Modellen auf den Markt, die vor allem dank neuer Materialien den Flugzeugbau revolutionieren sollen. Beide setzen auf leichte und zugleich stabile Verbundmaterialien statt auf herkömmliches Aluminium in Rumpf und Flügeln. Das Motto lautet vor allem leise und sparsam - ein Gedanke, der vor allem den vom Fluglärm geplagten Anwohnern der großen Luftdrehkreuze entgegenkommt. Dank üppiger elektronischer Ausstattung sollen die neuen Jets zudem auch noch für die Passagiere sehr viel komfortabler wirken.

Insbesondere auf der Langstrecke dürfte die neuen zweistrahligen Jets ihre Vorteille voll ausspielen und die Entfernungen möglichst verbrauchsgünstig bewältigen. Zugleich sollen sie auch dabei helfen, das bisher dominante Duopol von Airbus und Boeing im Flugzeugbau abzusichern. Chinesische, brasilianische und russische Rivalen drängen bereits mit Macht auf den Markt.

Auch wenn der erste "Dreamliner" 787 mit mehr als drei Jahren Verspätung ausgeliefert wurde: Die Europäer liegen bisher trotz eines Bestands von 616 Festaufträgen von 34 Kunden für den Airbus A350 weltweit hinter den Amerikanern. Doch dafür plagen den US-Hersteller Image-schädigende Probleme. Drei Monate standen die bereits ausgelieferten ersten 50 "Dreamliner" zwangsweise am Boden, weil sich die eingebauten neuartigen Batterien als brandgefährlich herausgestellt hatten. Ein Alptraum, der den kommerziellen Höhenflug des derzeit wichtigsten Boeing-Modells erst einmal ausbremste, bis es vor kurzem wieder die Startgenehmigung erhielt.

Mit dem "Dreamliner" setzt Boeing als erstes bei einem Verkehrsflugzeug auf den Einsatz leistungsfähiger und leichter Lithium-Ionen-Batterien - und zahlte dafür einen bitteren Preis. Airbus zog Konsequenzen aus den Problemen der Konkurrenz und ging erst mal auf Nummer sicher. Die Europäer verwenden erst einmal die erprobte, aber schwerere Nickel-Cadmium-Technik. "Damit gefährden wir den Zeitablauf für den A350 XWB nicht und halten uns selbstverständlich die Lithium-Ionen-Option für die Zukunft offen", hatte Airbus-Geschäftsführer Günter Butschek im April betont.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa

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