Wirtschaft

Blick nach vorne aus dem Cockpit Airlines erwarten Einbrüche

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Wie geht es der Luftfahrt im kommenden Jahr?

(Foto: REUTERS)

Der kaum gezügelte Reisedrang der Kunden beschert den großen Fluggesellschaften der Welt im laufenden Jahr mehr Gewinn als erwartet. Doch die Konjunkturexperten des internationalen Airline-Verbands IATA warnen: Im kommenden Jahr wird das Geschäft mit Touristen, Pendlern und Vielfliegern deutlich schwieriger.

Der kommerziellen Luftfahrt geht es offenbar deutlich besser als erwartet. Der Weltverband der Fluggesellschaften (IATA) hat seine Gewinnprognose für das laufende Jahr kräftig angehoben. Fachleute des Verbandes korrigierten ihre Schätzungen für 2011 deutlich nach oben auf 6,9 Mrd. US-Dollar. Umgerechnet entspricht das einem Gesamtergebnis von 5 Mrd. Euro.

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"Ein bisschen mehr Geld, als wir dachten."

(Foto: REUTERS)

Im Juni hatte der Verband für 2011 lediglich einen Gesamt-Gewinn von vier Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Grund für die Anhebung sei unter anderem der unerwartet kräftige Aufschwung in der Industrie im ersten Halbjahr.

"Ein bisschen mehr Geld, als wir dachten", kommentierte der neue Generaldirektor Tony Tyler die frischen Zahlen. Er warnte gleichzeitig vor schlechten Zeiten: "Die Fluggesellschaften stehen unter schwierigen Bedingungen im Wettbewerb. 2012 wird noch schwieriger." Allerdings rechnet der Verband auch im nächsten Jahr mit Gewinn.

Im kommenden Jahr müssen sich die Fluggesellschaften wegen der angeschlagenen Wirtschaft auf einen Gewinneinbruch gefasst machen. Der Branchenverband prognostizierte für 2012 einen Rückgang der Gewinne um knapp 30 Prozent auf 4,9 Mrd. US-Dollar. Das vierte Quartal 2011 und die erste Jahreshälfte 2012 könnten die schwächsten Perioden für die Luftfahrtindustrie werden, warnte der Verband.

Den Schätzungen des in Singapur beheimateten Verbandes zufolge dürften die Airlines im kommenden Jahr insgesamt 4,9 Mrd. Dollar Gewinn erwirtschaften. 2010 hatten die Gesellschaften noch einen Gewinn von 15,8 Mrd. Dollar eingeflogen.

Mehr Fracht, mehr Passagiere: weniger Gewinn?

Das Frachtvolumen liegt in diesem Jahr leicht unter der Prognose vom Juni: Rund 46,4 Mio. Tonnen anstatt der bislang erwarteten 48,2 Mio. Tonnen. Damit bleibt die Menge der in diesem Jahr per Luftfracht transportierten Güter über dem Wert von 2010. Im Zeitraum Januar bis Ende Dezember rechnet der Verband mit einer Gesamtzahl von 2,83 Milliarden Passagiere fliegen, 40 Millionen mehr als angenommen. Rein rechnerisch bewegt sich also deutlich mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung innerhalb eines Jahres durch die Luft.

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Insgesamt mehr als 2,8 Milliarden Flugreisende.

(Foto: dpa)

In Wirklichkeit dürfte die tatsächliche Zahl der Flugreisenden deutlich darunter liegen: En hoher Prozentsatz der beförderten Passagiere fliegt regelmäßig und wird damit in der IATA-Statistik mehrfach erfasst. Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern dürfte der überwiegende Teil der Menschheit nach wie vor noch niemals im Leben in einem Flugzeug gesessen haben.

Von den Zuwächsen im Passagier- und Frachtgeschäft profitieren nach Angaben der IATA vor allem die europäischen Linien. Die Euroschwäche habe mehr Besucher nach Europa gebracht und die Exportmärkte beflügelt, hieß es. Die europäischen Fluggesellschaften könnten mit einem Gewinn von zusammengenommen rund 1,4 Mrd. Dollar rechnen, 280 Prozent mehr als noch im Juni vorausgesagt. Die Nahost-Linienlegen dürften 100 Mio. Dollar mehr Gewinn machen und damit insgesamt auf 800 Mio. Dollar kommen.

Die Konjunkturschwäche in Folge von Euro- und Schuldenkrise dürfte nach der Vorhersage der IATA im kommenden Jahr voll zu Buche schlagen. Sie trifft ebenfalls vor allem die europäischen Fluggesellschaften. Sie können dann laut IATA-Berechnungen insgesamt nur noch mit 300 Mio. Euro Gewinn rechnen. Die Zahl der Passagiere steige zwar, aber nur um 4,6 Prozent (nach 5,9 Prozent 2011). Auch das Frachtaufkommen dürfte weiter steigen, um geschätzte 4,2 Prozent.

In der IATA sind 230 Fluggesellschaften aus aller Welt organisiert, die zusammen 93 Prozent des Flugverkehrs abwickeln. Die Konjunkturprognosen des Verbandes sind ein wichtiger Anhaltspunkt für die Fluggesellschaften, Analysten, Zulieferer und Flugzeugbauer. Außerdem bieten sie auch für Anleger aufschlussreiche Einblicke in die Geschäftserwartungen einer Branche, die den Konjunkturschwankungen in den verschiedenen Weltregionen unmittelbar ausgesetzt ist.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts

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