Wirtschaft

Preiskrieg und PR-Schlacht Aldi, Lidl und Edeka fetzen sich

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Die Mehrwertsteuersenkung im Zuge der Corona-Krise hat einen neuerlichen Preiskrieg zwischen Aldi und Co. ausgelöst.

(Foto: imago images/Martin Wagner)

Die Lebensmittelbranche ist in Aufruhr. Mit der Mehrwertsteuersenkung sehen Lidl und Aldi ihre große Stunde gekommen. Sie pushen sich mit offenen Werbeattacken gegenseitig hoch - und prügeln die Preise runter. Nun mischt auch noch Edeka mit.

Die Senkung der Mehrwertsteuer Anfang des Monats hat den Wettbewerb unter den deutschen Discountern noch einmal ungeahnt verschärft. Aldi und Lidl liefern sich eine Schlacht, die man so zuvor noch nicht gesehen hat. Wichtig scheint den Billigmärkten, dass die Kundschaft den Krieg nun vor allem auch abseits der Warenregale mitbekommt. Das Duell um Tiefstpreise und Kunden wird öffentlichkeitswirksam und mit teils schonungslosen Diffamierungen ausgetragen. Und nun mischt auch noch Edeka mit.

"Teuer kannste dir spar'n." Mit diesem saloppen Spruch in einer Werbeanzeige des Discount-Riesen in Zeitungen und im Internet hat Aldi Süd kürzlich den Preiskampf auf eine neue Ebene gehoben. Neben dem Bild eines prall gefüllten Einkaufswagens sind Bezahlsummen von Rewe, Edeka und Lidl zu sehen - und der "Aldi Preis", der "bis zu 8,80 Euro günstiger" sei. "Der Erfinder von günstig ist Preissieger", lautet die konzerneigene Schlussfolgerung.

Lidl ist da anderer Auffassung, wie der Discounter kurz darauf wissen lässt. "Der Erfinder von bester Qualität und günstig ist der wahre Sieger", lautet die Replik in einer Anzeige. Der Konzern aus Neckarsulm greift damit provokativ die Konkurrenz aus Mülheim an der Ruhr (Aldi Süd) sowie Essen (Aldi Nord) an. Auch hier zu sehen: voll beladene Einkaufswagen und die entsprechenden Preisvergleiche. Wenig überraschend ist es der eigene Markt, der hier preislich besser wegkommt. Die Kassenbelege der jeweiligen Einkäufe sind auf der Lidl-Internetseite abgebildet. Vergleichende Werbung als Mittel zur Abgrenzung? Bislang war das eher selten. Jetzt scheint es ein Nebeneffekt des deutschen Konjunkturpakets geworden zu sein.

Bereits eine Woche vor Inkrafttreten der Mehrwertsteuersenkung von regulären 19 auf 16 Prozent sowie ermäßigt von 7 auf 5 Prozent war klar, dass mindestens Aldi und Lidl ihren Konkurrenzkampf noch offener und erbitterter ausfechten würden als bisher. Zwar hatten nahezu alle deutschen Supermarktketten angekündigt, die Reduzierung vollends an die Kunden weiterzugeben. Doch die beiden Platzhirsche im Billigsegment kündigten klar an, weiter gehen zu wollen. Nachdem Lidl schon Ende Juni die Preise massiv gesenkt hatte, zog auch Aldi nach und führte einen "Extra-Rabatt" von drei statt zwei Prozent ein.

Offene Schlacht um die Vormachtstellung

Scheinbar ohne Grenzen, ohne Skrupel sehen beide Konzerne am vermeintlichen Abend der deutschen Corona-Krise nun ihre große Chance auf eine noch größere Kundschaft und mehr Wachstum. Nach jeweiligen Angaben der Konzerne betreibt Lidl hierzulande aktuell rund 3200 Filialen, demgegenüber stehen etwa 2300 Filialen von Aldi Nord sowie rund 1910 von Aldi Süd. Mit Umsätzen von 81,2 Milliarden Euro (Lidl) und 21,8 Milliarden Euro (Aldi Nord) und 59 Milliarden Euro (Aldi Süd) liegen die beiden Riesen, wenn man beide Aldis als einen Gegenspieler von Lidl betrachtet, nahezu gleichauf.

Entsprechend rau ist der Ton unter den Konkurrenten. Dass nach den Ekel-Veröffentlichungen aus Fleischbetrieben aktuell eine Debatte um angemessene Lebensmittelpreise geführt wird - egal. Der nun neu entflammte Konflikt macht einmal mehr deutlich, wie hart die Akteure auf dem deutschen Markt der Lebensmitteldiscounter um die Vormachtstellung ringen. Und es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass in diesem aberwitzigen Kampf bereits die letzte Runde absolviert ist. Umso mehr, weil sich nun auch noch Edeka einschaltet.

Edeka funkt dazwischen

Die in der Aldi Süd-Werbung überteuert dargestellte Supermarktkette hat einen offenen Brief veröffentlicht, der sich wohl nicht allein - wie im Titel suggeriert - an die Verbraucherinnen und Verbraucher im Südwesten richtet. Dort frotzelt Edeka in Bezug auf die Werbeanzeigen der Konkurrenten: "Im Vergleich scheint immer derjenige besser abzuschneiden, der den jeweiligen Warenkorb zusammengestellt und die entsprechende Werbeanzeige geschaltet hat." Dabei müsse der Preis für ein Produkt nicht das alleinige Kriterium sein, heißt es in dem Schreiben aus Offenburg. Vielmehr gelte es, auf "Mehrwerte in Bezug auf Regionalität, Tierwohl, Frische, Genuss und Qualität" zu achten.

Und Edeka wird noch deutlicher: "Den Weg zum Discounter können Sie sich sparen!", schreibt die Südwest-Regionalgesellschaft und verweist auf das hauseigene üppige Sortiment, das sich aus vielerlei Gründen deutlich von dem der Konkurrenten abhebe. "Wir können nicht nur günstig. Wir können mehr! Keiner bietet so viele Alternativen wie wir."

Nach einer Herausforderung im erbittert geführten Preisduell zwischen Aldi und Lidl liest sich die Edeka-Mitteilung nicht. Doch wer auf das Facebook-Profil der Gruppe geht, erkennt dort dieselbe Vergleichsmethode. In einem von mehreren Posts vom Mittwoch sind zwei Kassenbelege zu sehen - von Edeka und Aldi. Darüber stehen "Hey Aldi, Preis können wir" und ein Verweis auf abgerundete Preise. Allein, bei der Differenz handelt es sich um einen Cent-Betrag.

Mit seinem Brief und den Facebook-Beiträgen macht Edeka deutlich, dass sich das Schwergewicht der Lebensmittelhändler zumindest auf medialer Ebene mit den beiden Streithähnen messen will. Bei der aktuellen Dynamik gilt als wahrscheinlich, dass die Antworten aus Essen, Mülheim an der Ruhr und aus Neckarsulm nicht lange auf sich warten lassen. Gewinner des Konflikts können die Verbraucher sein - so sie sich auf die Rabattschlacht einlassen wollen.

Quelle: ntv.de