Wirtschaft

Börse will nicht ohne Jobs Apple-Aktie knickt ein

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Schwieriger Tag für Apple.

(Foto: AP)

Die erneuten Gesundheitsprobleme von Apple-Chef Steve Jobs drücken die Aktie des iPhone-Herstellers in New York nach unten. Die Aktie fällt um mehr als sechs Prozent, kann sich dann aber etwas fangen. Hierzulande wetten einige Anleger bereits auf eine schnelle Erholung des Papiers. Doch die ungeklärte Frage nach einem würdigen Nachfolger treibt den Markt um.

Die Auszeit von Apple-Chef Steve Jobs wirft bei Investoren weiter Fragen nach seiner Gesundheit auf. Die Aktie des iPhone-Herstellers startete am Dienstag mit einem Abschlag von sechs Prozent in den Handel, erholte sich danach aber wieder etwas. Zu guter Letzt blieb ein Minus von 2,3 Prozent stehen. Die Entwicklung keines anderen Unternehmens wird so eng mit der Verfassung seiner Führungsfigur verknüpft. Das Unternehmen hatte tags zuvor eine Nachricht des Vorstandschefs und Gründers veröffentlicht, nach der er sich aus gesundheitlichen Gründen wieder aus dem Tagesgeschäft zurückzieht - zum dritten Mal seit 2004.

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Die deutschen Derivateanleger setzen dagegen nach dem starken Kursverlust der Apple-Aktie auf eine schnelle Erholung des Papiers. Dazu kauften sie am Dienstag Call-Optionsscheine auf die Aktie des US-Computerherstellers. "Einige Anleger spekulieren offenbar darauf, dass der Kursverlust zu stark ausgefallen ist", sagte Derivatehändler André Weinmann von der Baader Bank.

Fragen nach dem Wohlbefinden Steve Jobs werden am Dienstag jedoch auch die Bekanntgabe der Zahlen für das vierte Quartal 2010 überschatten. Analysten erwarteten einen Umsatzanstieg um 50 Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2009. Besonders gut sollen in der wichtigen Weihnachtszeit das iPhone und das iPad gegangen sein. Die Auszeit kommt für Apple in einer kritischen Phase: Vor allem der Internetgigant Google, der einmal als Partner des Unternehmens galt, fordert Apple mit seinem Betriebssystem Android heraus, das auf vielen Geräten installiert ist. Google setzt nicht wie Apple auf eigene Hardware, sondern arbeitet mit Firmen wie Samsung Electronics zusammen. Nach der Bekanntgabe von Jobs' Auszeit stiegen die Aktien des koreanischen Herstellers um mehr als zwei Prozent.

Einer wie keiner?

Steve Jobs, der charismatische Gründer von Apple, steht wie kein zweiter Firmenchef für den Erfolg seines Unternehmens. Er hat nicht nur dem Personal Computer zum Durchbruch verholfen und mit iPod und iTunes die Musik-Industrie umgekrempelt. Mit dem iPhone beflügelte Jobs den Markt der Smartphones und hauchte zuletzt mit dem iPad der totgeglaubte Geräte-Kategorie der Tablet Computer ein neues Leben ein. Aber wer außerhalb der Apple-Szene kennt Tim Cook, Jony Ive, Scott Forstall, Ron Johnson oder Phil Schiller ­die Apple-Manager aus der zweiten Reihe? Und könnte jemand aus dieser Riege die Nachfolge von Steve Jobs übernehmen?

Nomura-Analyst Richard Windsor sagte, der Markt sehe Jobs als treibende Kraft bei der Ausrichtung der Firma. "Wenn sein Bauchspeicheldrüsenkrebs zurück ist, wäre das wirklich besorgniserregend." Schon vor knapp zwei Jahren verließ Jobs das Unternehmen vorübergehend, um sich einer Lebertransplantation zu unterziehen. Auch nach einer Operation an der Bauchspeicheldrüse im Jahr 2004 nahm er eine Auszeit. Warum genau Jobs die Firma jetzt vorübergehend verlässt, erwähnte er in der Mitteilung an Apple-Angestellte nicht. Er schrieb in der Erklärung von einer "gesundheitlichen Auszeit". Er wird demnach Firmenchef bleiben und bei wichtigen Entscheidungen einbezogen.

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Kann Tim Cook das Zepter auch langfristig übernehmen?

(Foto: AP)

Das Tagesgeschäft übernimmt der Manager Tim Cook. Er muss auch entscheiden, wie viele Informationen über Jobs' Zustand veröffentlicht werden und was das Unternehmen mit einer Kasse von mehr als 50 Mrd. Dollar anstellt. Auch wenn Cook nicht so im Rampenlicht steht wie "His Steveness", gilt der Wiederaufstieg von Apple nach der Rückkehr von Steve Jobs 1997 als mindestens ebenso sehr sein Werk. Der 50-Jährige räumte beispielsweise Ende der 90er Jahre das Chaos in den Produktionsabläufen auf.

Die Kalifornier waren bis dahin dafür berüchtigt, besonders populäre Produkte nicht liefern zu können. Aber nicht nur Nachschubschwierigkeiten wurden von Cook weitgehend beseitigt. Der ehemalige Compaq-Manager bekam auch das Problem mit viel zu optimistischen Absatz-Prognosen für weniger populäre Produkte in den Griff, die in der Vergangenheit immer wieder zu enormen Abschreibungen auf nicht verkaufbare Haldenbestände geführt hatten. Cook optimierte in den vergangenen 13 Jahren jedes Details der Produktionskette ­ doch als Ikone für Apple taugt der eher spröde auftretende Manager nicht. Auch für die Rolle des Kreativen mit visionären Ideen ist Cook keine Bestbesetzung.

Schwergewichte im Apple-Management sind neben Cook die Branchenveteranen Phil Schiller und Ron Johnson. Aber auch sie können die Position von Jobs nicht ausfüllen. Der 50-jährige Schiller hat als quirliger Marketingchef zwar schon häufiger bei wichtigen Produktvorstellungen die Hauptrolle eingenommen. Er kann aber auf der Bühne nur die Dinge verkaufen, die Steve Jobs mit seinen Vertrauten entwickelt hat. Der 55-jährige Ron Johnson hat bei Apple die Vertriebswege neu organisiert und dafür gesorgt, dass der Konzern seine Produkte kommerziell äußerst erfolgreich in eigenen Läden präsentieren kann. 323 Apple Stores gibt es inzwischen weltweit, darunter auch in München, Hamburg, Frankfurt, Oberhausen ­ und demnächst auch in Berlin und Dresden. Wie Schiller ist aber auch Johnson ein Verkäufer und kein charismatischer Anführer.

Ticken wie Steve Jobs

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Soll ähnlich wie das große Idol ticken: Jonathan Ive

(Foto: dpa)

Die beiden jüngsten Figuren im Management-Team, der Designer Jony Ive (43) und Scott Forstall (41), der für die iPhone- Softwareentwicklung verantwortlich ist, kommen diesem Ideal dagegen schon näher. Insbesondere Jony Ive tickt ähnlich wie Steve Jobs und teilt seine Vorliebe für klares und minimalistisches Design. Die US- Zeitschrift "Fortune" erklärte Ive kürzlich zum "smartesten Designer der Welt". Im Gegensatz zu seinem Entdecker und Chef Steve Jobs scheut der in London geborene Ive aber das Rampenlicht. Interessierte Apple-Kunden kennen seinen kahlgeschorenen Schädel vor allem aus Videos, in denen der Brite sein Design des iPhones oder des iPads anpreist. Auftritte vor Publikum, bei denen Jobs zur Höchstform aufläuft, sind dem durchtrainierten Ive dagegen ein Gräuel.

Im Team hinter Steve Jobs befindet sich also kein Ideal-Kandidat, der wie Jobs die Produktentwicklung bei Apple detailversessen und visionär vorantreiben könnte und in Personalunion die Rolle einer "Seele der Firma" und des charismatischen Chef-Verkäufers ausfüllen könnte. Vor diesem Hintergrund schiebt auch der Aufsichtsrat von Apple eine öffentliche Bekanntgabe eines möglichen Nachfolgers so weit wie möglich hinaus: Niemand im Apple-Board kann sich mit dem Gedanken anfreunden, dass Jobs durch seine Krankheit in absehbarer Zeit gezwungen wird, das Ruder bei Apple für immer aus der Hand zu geben.

Quelle: n-tv.de, sla/rts/dpa

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